Artikel
über Karl Christian Kohlschütter in "Allgemeine Deutsche
Biographie", Band XVI, 1876,
Universitätsbibliothek Uppsala
An dem zweiten Manne
seiner Mutter, dem Floßcommisar Mylius, erhielt er einen zweiten, treu
sorgenden Vater, bezog 1784 die Universität Wittenberg, wo er neben
rechtswissenschaftlichen auch die historischen Vorlesungen Schröckh's,
die philosophischen Gottl. Ernst Schulze's und mit besonderem Eifer
die des Theologen Reinhard, welcher auf ihn den bedeutendsten Einfluß
gewann, fleißig besuchte. 1791 erlangte er die juristische Doctorwürde
und trat 1792 als Privatdocent für Encyklopädie, Naturrecht, sächsisches
Privatrecht und römisches Recht ein. Zur Uebung im Lateinschreiben und
im Disputieren gründete er eine societas juris humanioris, zu
deren Mitgliedern sein späterer Amtsvorgesetzter, Cabinetsminister Graf
von Einsiedel, gehörte. 1795 wurde er "wegen seiner gründlichen Rechtswissenschaft
und in Schriften und Vorlesungen erwiesenen Geschicklichkeit" zum Supernumerarassessor
bei der Juristenfacultät, bald darauf zum Professor des sächsischen
Rechts ernannt. In diese Zeit gehören die kleinen Schriften: "Propedäutik,
Encyklopädie und Methodologie der positiven Rechtswissenschaft", 1798
— "Jus civile privatum quo in Saxonia Electorali utimur, in formam
artis redactum", wovon nur ein Theil (1800) erschien.
In Folge Aufforderung
seitens Reinhard's folgte er 1798 einem Ruf als zweiter Supernumerar-Oberconsistorialrath
nach Dresden, welche Stelle er jedoch 1800 mit der eines Hof- und Justizraths
"auf dem gelehrten Latere der Landesregierung" vertauschte. Verschieden
ihm übertragene Entwürfe veranlaßten ihn, mildere Strafen vorzuschlagen,
auf Einschränkung der Todesstrafe und gesetzliche Feststellung solcher
Strafen zu dringen, welche wirklich zur Exekution kämen, während durch
die Androhung härterer nicht in Anwendung kommender das Ansehen der
Gesetze litte. Für seine Bemühungen in der zur Untersuchung der besten
Mittel zur Abhülfe gegen die große Theuerung eingesetzten Commission
ernannte ihn die "Gesellschaft der Volksfreunde in Marienberg zur Vorbeugung
der Noth und Verminderung gemeinschädlicher Vorurtheile" aus inniger
Dankbarkeit 1806 zum Ehrenmitglied. Mit Dr. Fleck arbeitete K. an der
1805 erschienenen zweiten Fortsetzung des Codex Augusteus und
verfaßte "Monita über den Entwurf einer neuen Gerichtsordnung
für die kursächsischen Lande".
Ende 1806 wurde
er geheimer Cabinetssecretär im Domestikdepartement des geheimen Cabinets,
in welchem mit größter Gewissenhaftigkeit versehenen Amte er die gesammte
Justiz- und Polizeiverwaltung, die Angelegenheiten der Universitäten
und Schulen, die Verfassungs-, Hoheits- und Gewerbesachen unter sich
hatte. In den J. 1806-12 unterstützte K. gemäß innerer Ueberzeugung
das vom König Friedrich August befolgte System, von dem Strudel der
Zeit sich nicht fortreißen zu lassen und den Neuerungen beharrlichen
Widerstand entgegenzusetzen. Ein im März 1814 geschriebener Aufsatz
vertheidigte den König gegen die vielerseits erhobenen Beschuldigungen.
Die großes Aufsehen erregende, mit stillschweigender Genehmigung der
baierischen Regierung zu Nürnberg gedruckte Denkschrift: "Exposé de
la marche politique du Roi de Saxe", deutsch erschienen unter dem Titel:
"Der König von Sachsen Friedrich August und sein Benehmen in den neuesten
Zeiten", Leipzig 1815 — welche ihm von Einigen zugelegt wird — scheint
(nach Flathe, Gesch. Sachsens, 1873, S. 274) aus der Feder des geheimen
Legationsraths Wendt zu stammen. Dagegen rühren von ihm her "Acten-
und thatmäßige Widerlegung einiger der gröblichsten Unwahrheiten und
Verläumdungen, welche in der Schrift: Blick auf Sachsen, seinen König
und sein Volk und deren beiderseitiges Verhältniß enthalten sind", sowie
die andere anonyme Schrift: "Hat der König von Sachsen diesem Lande
entsagt?" Das Patent, durch welches der am 7. Juni heimkehrende König
seine Sachsen begrüßte, hatte ihn zum Verfasser.
Seine Verdienste
um König und Vaterland in der Zeit des Unglücks wurden durch Ernennung
zum geheimen Cabinethsrath, im December 1815 durch Verleihung des Ritterkreuzes
des neu gestifteten Civilordens für Verdienst und Treue, 1821 durch
einen baierischen Orden anerkannt. Die nächsten Jahre brachten große
fast erdrückende Geschäftslast; sein Gesundheitszustand wurde von 1825
an leidend. Eines Theiles seiner Arbeiten 1828 entlastet, empfing K.
nach Auflösung des geheimen Cabinets ein seinem bisherigen Gehalte entsprechendes
Wartegeld, später Pension.
Sein politisches
Glaubensbekenntniß in dieser langen Amtsthätigkeit war das Wort Pope's
gewesen:
For forms of government let fools
contest;
What is best administer'd, is the best.
K. hatte
das häusliche Glück seines späteren Lebens durch Verbindung mit Christiane
Louise Kreysig, jüngsten Tochter des Arztes und Apothekers Dr. Kreysig
zu Eilenburg, im J. 1796 begründet. In dem Kreise der Seinigen und in
der schönen Natur fand er die beste Erholung. Zwei Töchter und vier
Söhne gingen aus der Ehe hervor, sämmtlich aufs beste versorgt, als
er am 9. Febr. 1837 der in Dresden um sich greifenden Grippe erlag.
Neuer Nekrolog der Deutschen für 1837, Weimar 1839, I. 187-206. — Manso,
Gesch. des preuß. Staates, III. 224, 315 ff. — Heeren, Gesch. des Europ.
Staatensystems, 4. Aufl. — Pölitz, Regierung Friedrich Augusts, II.
173. — Klüber, Acten des Wiener Congresses, VII. 201-235. — Flathe,
Gesch. des Kurstaates and Königreichs Sachsen (Heeren und Ukert, Gesch.
der europäischen Staaten), Gotha 1873, S. 152. 267. 292. — Krit. Jahrbücher
1837, I. 281-85. /Teichmann.
Artikel
über Karl Ludwig Kohlschütter in "Pierer's Universal-Lexikon"
(1857)
Geb. 9. März
1803 in Dresden, studierte 1822-1825 die Rechte in Leipzig, 1825-1826
die Staatswissenschaften in Göttingen; trat 1828 in den königlich
sächsischen Staatsdienst als Assessor bei der Landesökonomiemanufactur-
u. Commerciendeputation u. verwaltete gleichzeitig das Secretatiat bei
dem Industrievereine für das Königreich Sachsen; wurde 1831
Regierungsreferendar, 1835 Regierungsrath bei der Kreisdirektion in
Zwickau, 1838 Hülfsarbeiter im Ministerium des Innern in Dresden,
im August 1848, nach Aufhebung des Bundestages, zum königlich sächsischen
Bevollmächtigten bei der provisorischen Centralgewalt in Frankfurt
a. M. ernannt, von wo er im Juli 1849 in das Ministerium
des Innern als Geheimerath u. Ministerialdirector zurücktrat; 1855
wurde er zum Mitgliede des Staatsrathes ernannt u. seit 1856 mit der
Function des königlichen Commissars bei dem den Angelegenheiten
der Kunstakademie vorgesetzten akademischen Rathe u. dem damit verbundenen
Vorsitze beauftragt.
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Volkmar Kohlschütter 1812-1889
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Artikel über
Ernst Volkmar Kohlschütter in "Pierer's Universal-Lexikon"
(1857)
Geb. am 31. Oct.
1812 In Dresden, studierte 1831-34 in Leipzig u. bis 1835 in Jena Theologie;
wurde Ende des Jahres 1835 Hülfsprediger bei der Evangelisch-Reformierten
Gemeinde in Dresden, 1841 Archidiakonus in Glauchau u. Pfarrer in Gesau,
1846 Superintendent in Glauchau, so wie Consistorialrath im Schönburgischen
Gesammtconsistorium daselbst, 1855 Oberpfarrer an der Kreuzkirche in
Dresden u. Superintendent der Ephorie Dresden I., Consistorialrath in
dem Evangelischen Landesconsistorium u. Beisitzer des Appellationsgerichts
in Dresden. Er ließ u. a. mehre Predigten drucken u. gab die Predigten
Girardets, Dresden 1843, heraus.
Er war mit Agnes
geb. Stavenhagen verheiratet. Er wurde 1873 sächsischer Oberhofprediger
und starb 1899. Seine Kinder hießen Anna, Mathilde
(ca 1843 - ?) (verh. m. dem Geh. Konsistorialrat
Ernst Kühn (1838–1922)), Johannes
(1841 - 1918) und Paul
(ca 1854 - ?) (verh. m. Helene Meusel; zwei ihrer vier
(?) Kinder hießen Elisabeth (1894-1946, verh. m. Paul
Drews) und Annemarie (verh. Seydel). - Diese Annemarie Seydel
(1890-?) hat ihre (unvollständigen) Erinnerungen
aus Dresden niedergeschrieben. [Herzlichen
Dank an ihrem Patenkind Christian Lauckner!]
Verwandtschaftsbeziehungen
der Familien Kreyssig, Schroeter und Zenker
[Herr
Gerhard Schroeter (geb. 1938) hat freundlicherweise das folgende Diagramm
geschickt. Vielen Dank für das Erlaubnis es hier zu nützen!]
Anmerkung:
1. Nur die markierten Personen sind Nachkommen des Ehepaars Kreyssig-Pöschel.2.
Ein Bruder der Agnes Chalybäus, Walther Chalybäus, hat 1874 eine Theodora
Schröter, gebürtig aus Fehmarn, geheiratet. Diese Theodora ist nicht
mit unserer Familie Schröter/Schroeter verwandt. Gerhard
Schroeter 1.2.2024
Ein Nachtrag noch zu meiner ersten Email: Ich vergass da zu erwähnen,
dass die Familien Zenker und Schroeter noch durch einen zweiten Strang
verbunden sind: Die Schwester Louise Zenker (1799 – 1830) Ihres Ururgrossvaters
Albert Z. (1794 – 1854) war mit dem Dresdner Arzt Dr. Franz Franke (1796
– 1837), einem Bruder meiner Ururgrossmutter Therese Schröter geb. Franke
(1795 – 1867), verheiratet. Gerhard
Schroeter 4.2.2024