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Brev från Marianne
Schweitzer till Gerd den 3 augusti 1957
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3. 8. 1957
Nun will ich doch endlich einmal versuchen, einen Brief an Dich fertig zu bringen. Ich finde, es muss einfach sein; denn sonst verlierten wir einander immer mehr, und das ist doch zu schade, finde ich. Ich will versuchen etwas von uns zu erzählen, damit Ihr ein bischen über uns und unser Leben Bescheid weisst. Beruflich gesehen sind wir recht dankbar. Otto hat grosse und schöne Aufgaben landschaftsgestalterischer Art. So haben wir dieses Mal Rahmenplanungen in Mecklenburg, Brandenburg und Südthüringen. Natürlich kommen noch allerhand Aufträge im Bezirk Dresden dazu, besonders der "National-Park Sächsische Schweiz". Dessen Bearbeitung liegt fast ganz in Ottos Händen. Das Alles sind schöne Aufgaben, aber natürlich ist Otto sehr viel von Hause fort und das ist weniger schön. Ich "bleibe bei den Sachen", wie Onkel Otto früher so oft sagte. In meinem Falle gehört zu "den Sachen" allerhand, nämlich 4 Mitarbeiter Haushalt, Viehzeug, Garten und Berufsarbeit, die bei mir hauptsächlich im kolorieren von Plänen und Fassen von Dias besteht, oft auch im Entwickeln der Farbfilme. Otto hält viele Vorträge bei dessen die Bildvorführung natürlich sehr günstig ist. Ich habe dann die Vorführung der Bilder, fahre also immer mit, ich habe ihn so wie so nachts nicht gern allein auf der Landstrasse. Das war gross umrissen der berufliche Teil unseres Lebens. Nun der private Teil. Der ist bei uns, wo der Beruf im Hause ausgeübt wird, allerdings kaum abzutrennen. Wir haben sehr viel Besuch, der ist aber meistens halb beruflich. Es kommen Mitarbeiter, als da sind: Architekten, jüngere Kollegen aus den staatl. Büro's, die hier noch lernen wollen, Denkmalspfleger, Professoren der T. H. So gleicht unser Häusel einem Taubenschlag und die verschiedensten Geister treffen sich hier. Ganz privater Besuch ist selten geworden, fast alle Freunde und Verwandte sind nach dem Westen gegangen, die Meisten eigentlich grundlos. So ist nur noch Friedel mit Armgart u. Volker, Tante Rüger, Sibylle und Hertha vom lieben alten Stamm da. Wir fanden gegenüber mit einem Ingenieurs-Ehepaar (Staubmessungen usw.) nette Nachbarn mit denen wir ab und zu zusammensitzen oder manchmal Sonntag-Nachmittags Krokett und Boccia spielen, so wie heute, mit viel Heiterkeit. Zum tägl. Besuch gehört auch unsre Nachbarin Frau Mühlhafer (Witwe unsres besten Charakter-Schauspielers), sie gehört fast zu unserem Inventar. Sie hat jetzt seit 1 Jahr eine Schauspielerin - Lore Johannsen (Hamburg) bei sich wohnen, die ist ein lieber, ernster Mensch und oft sonntäglicher Kaffeegast. So läuft uns unser Leben bunt genug davon, und wenn es Abend ist, dann wundert man sich, wo der Tag entschwand, so kurz erscheint die Zeitspanne zwischen morgens und abends. - Aber bei all dem bunten Leben bleibt doch oft heftig die Sehnsucht nach Euch Geschwistern, und jetzt ein klein bischen Neid auf Hertha, die wieder mit Mutti zusammen ist. - Könnt Ihr nicht einmal kommen? Otto grüsst Euch 5 von Herzen mit mir. - Erzählt einmal von Euch, Märta kann das so gut. - Übermorgen kommen die Hamburger Ackermann-Mädchen zu uns, die hier singen mit ihrer Kantorei. Armgart Seidel hofft im Frühjahr in Stockholm zu singen mit der Kirchenmusikschule hier. Da nehmt Iht sie doch auf, nichtwahr? Sie freut sich so auf Euch.
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