Brev från Erna "Sibylle" Zenker den 11 december 1954 till Stefan och Märta

[Avsändaradress: Zenker, Dresden-A17, Kleinlugaer Str. 25]

11. XII.

Mein lieber Stephan,

Hab' schönen Dank für Deine Karte.

Nein, ich glaube nicht, daß die "fliegenden Untertassen" von den Sternen kommen. Ich glaube, es ist ein Bluff von den Amerikanern, die ihre Atomwaffenversuche damit verschleiern wollen. Aber wissen tue ich es auch nicht.

Daß Du "das" Antwort geschrieben hast, ist gar nicht dumm. Ich überlegte mir daraufhin, daß es ja "das" Wort, das man dagegen (die Vorsilbe "ent" - "ant" drückt das doch aus) spricht, heißt; - also ist "das" ganz logisch, wenn auch falsch.

Was wirst Du in den Ferien tun? Sport treiben u. lesen? Ja? Ich wünsche Dir ein recht frohes Fest.

Viele Grüße
von
Deiner
Tante Sibylle.


11. XII. 54

Meine liebe Märta,

Heute kam Dein schönes Päckchen, hab' recht von Herzen Dank! Hoffentlich sind meine Päckchen nun auch in Deinen Händen. Ich wollte Dir sowieso schon deswegen schreiben: Also das ist nun die letzte Wäsche, ich jedenfalls habe keine mehr, - vielleicht kann ich noch mal aus der Ermelstr. was bekommen, wenn ich mal hinkomme.

Ob ich mit den Büchern das richtige getroffen habe, weiß ih nicht. Vielleicht magst Du gar kein Buch mit nördlichen Landschaften, - aber ich dachte, es ist doch auch mal interessant, die Heimat - Schweden ist ja auch mit drin - mit den Augen von anderen zu sehen. Der Blauvogel ist meiner Ansicht nach sehr hübsch. Lies ihn nur auch mal! Es ist mal ein ganz anderes Indianerbuch. Ich hätte es gern Stephan geschenkt, aber er wäre vielleicht über die Kindergeschichte beleidigt gewesen. Das Märchenbuch ist auch gewiß zu kindlich für Erik. Nanna erzählte gestern, daß er so außerordentlich gescheit sei. Na, verteile die Bücher, wie Du denkst.

Ich werde nun mal versuchen, Deine Bücher - ich habe einen ganzen Schub voll - an Dich einfach als Drucksache zu senden. Ich werde mit einem nicht gar zu wertvollem anfangen, u. Du schreibst dann, ob's gut angekommen ist.

Über Stephan's Karte habe ich mich sehr gefreut. Bei Gelegenheit bekommt er noch mal so ein Musiker-Buch. Wenn er's auch vielleicht nicht durchliest, die Bilder am Ende sind doch jedenfalls interessant, nicht?

Nun noch mal 1000 Dank für die schönen Sachen. Kaffee - wie schön! Und die herrliche Margarine!

Ja, gestern war ich bei Nanna auf einen Sprung. Die Arme hat doch einen Nierenstein. Wenn er nur von allein abginge! Otto u. Nanna brachten mich dann im Auto heim. Das ist immer sehr hübsch. Am 2. Feiertag werden sie gemütlich zu mir kommen. Ich bin übers Fest still mit meiner Schwester zusammen. Ich werde lesen. Ich habe jetzt Joseph u. seine Brüder von Th. Mann. Mit dem 1. Band bin ich fertig. Ich finde ihn ganz großartig. Die alten Geschichten aus dem Alten Testament - wie er sie psychologisch durchleuchtet! Und das Wissen! Ich glaube, er hat dafür Ägyptologie studiert. Aber Zeit muß man haben! Es ist ein Altersbuch, das in Ruhe u. langatmig erzählt. Nun in den Ferien habe ich ja auch dafür Zeit.

Schrieb ich schon, daß mein unangenehmer Nachbar nun wirklich endlich ausgezogen ist? Ich bin sehr froh darüber. Seine Wohnung sind nun die Räume für die Pioniere. Ich dachte zuerst, es wird sehr laut sein, denn die Wände sind dünn. Aber ich bin angenehm überrascht, sie stören mich gar nicht.

Hattet Ihr auch so einen furchtbaren Sturm? Ich wachte in der Nacht schon auf u. glaubte, er würde das Dach abdecken; aber es ist nicht passiert. Nun ist's wieder ungesund warm. Heute regnet es den ganzen Tag. Ich wohne doch sozusagen auf dem Lande. Die Straße ist abgründig schmutzig. Ihr werdet wohl "weiße Weinachten" haben. - Heute in 8 Tagen ist Schulschluß.

Nun leb' wohl. Von ganzem Herzen wünsche ich Euch ein schönes, frohes Fest.

Nochmals 1000 Dank!

Deine
Sibylle.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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