Brev från Erna ("Sibylle") Zenker den 11 september 1954

Meine liebe Märta,

Wir haben aber lange nichts von einander gehört! Der ganze verregnete Sommer ist dahingegangen. Es war alles recht verdreht. Ich wollte eigentlich nach Stuttgart zu meinen Nichten, hatte mich aber auch mit meiner jungen Direktorin verabredet, diese wieder wollte lieber nach der See, bekam aber keinen Platz. Als wir dann für Blankenburg i. Harz zugeschrieben hatten, bekam sie doch noch einen Ferienplatz in Ahlbeck angeboten - wir fuhren aber beide unzufrieden in den Harz. Na, es war dann recht nett. Wir waren täglich mindestens 4 Std. im Freien. Ich habe ja noch meine liebe Seminarfreundin Hanni in Bl., das ist für mich auf jeden Fall schön. - Auf dem Rückweg war ich 2 Tage in Leipzig bei einer früheren Kollegin, Fr. Schwabe, bei der ich damals nach dem Angriff in Nerchau war. In Leipzig habe ich alte Erinnerungen aufgefrischt; die Albertstr., das Pfarrhaus steht noch, meine Wohnung in der Eichendorffstr. ist zerstört u. verschwunden. In Leipzig ist ein ganz anderer Betrieb als in Dresden. Da herrscht Leben! Noch stärker als früher ist jetzt der Unterschied zu merken. Es war sehr hübsch dort.

Was habt Ihr unternommen? Renate mit Mann war bei Euch, wie ich von Nanna hörte. Hat Euch der Mann gefallen? Hoffentlich wird es eine gute Ehe. - Nächsten Sonntag gehe ich zu Friedel Seidel, Mechthild ist noch da. Dort werde ich ja auch allerhand hören. Wolfgang war ja mit Braut auch in den Ferien bei ihr.

Augenblicklich ist Karin in Westdeutschland bei ihrem Vetter in der Nähe von Heilbronn. Es gefällt ihr sehr, sehr gut. Ich freue mich, daß sie mal was von der Welt sieht. Sie will auch ihre Akademiefreundin, die in Düsseldorf Meisterschülerin ist, besuchen. Das wird besonders wertvoll für sie sein; ich denke, sie wird Gelegenheit haben, viele Bilderausstellungen zu sehen. Karin hat sich doch wieder ganz der Kunst zugewandt, sie arbeitet mit ihrem Vater zusammen in der Glasmalerei.

Ich stecke nun auch wieder in der Schularbeit. Da ich aber diesmal mein 1. Schuljahr als 2. weiterführe, ernte ich die Früchte meiner Arbeit u. habe natürlich nicht so anstrengenden Dienst wie im 1. Schuljahr. Aber nächstes Jahr fange ich dann wieder mit der Elementarklasse an, - wenn ... [sic]; aber ich denke, ich werde es noch schaffen; - na, das ist Zukunftsmusik, darum soll man sich nicht scheren.

Augenblicklich bin ich in Radebeul bei meiner Schwester übers Wochenende. Ich habe heute früh einen herrlichen Weg über die Höhe von Wahnsdorf gemacht, sah die Seen in der Ferne u. die Moritzburger Schloßtürme u. bin dann durch den Fiedlergrund zurückgekommen. Dresden ist doch wunderschön!

Nun grüß' alle von Herzen!

Mit vielen lieben Grüßen
Deine Sibylle.

Entschuldige den Fettfleck!

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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