Brev från Erna "Sibylle" Zenker f. Tietze den 23 maj 1954

23. V.

Meine liebe Märta,

Nun wird es aber hohe Zeit, daß ich Dir schreibe. 1. habe ich Dir für den lieben Brief zu danken, den Stephan so über alle Maße vorbildlich schrieb. 2. habe ich einen Kommentar zu den 2 Päckchen zu geben, die ich gestern zur Post gab. Das Buch an Stephan hatte ich schon lange für Euch liegen, dachte aber, es sei zu schwer für Deine Buben. Nun nach Stephans Glanzleistung sehe ich, daß er es ohne Schwierigkeiten lesen wird. Ob's ihm gefällt, ist eine andere Frage. Ich habe d. Buch selbst nicht gelesen, nur mal reingeguckt; aber es ist mir sehr empfohlen werden. Das Kinderbuch, das ich an Dich sandte, habe ich selbst gelesen, u. es hat mir so viel Spaß gemacht. Alle Pariser Erinnerungen wachten auf, der Plan gleich auf dem Vorsatzpapier war ganz so, wie ich es im Gedächtnis hatte, nur Sacré Coeur lag bei mir westlicher. Nun denke ich, es macht Dir auch Spaß, weil Du doch im Sommer in Paris warst, u. Du wirst es Deinen Kindern vielleicht selbst vorlesen.

Da ich mir bei Fr. Ditner ein neues Sommerkleid machen ließ, habe ich auch wieder Wäsche von Dir geholt, u. in Bälde bekommst Du ein Wäschepäckchen.

Zu Ostern war ich in Berlin, was hochinteressant war. Augenblicklich ist meine Schwester zu unserer Jugendfreundin verreist.

Die Verlobungsanzeige von Renate sah ich schon bei Hertha. Auch sie weiß nichts weiter. Ich finde die Anzeige gesucht modern, die kindliche Druckschrift paßt auch gar nicht zu dieser expressionistischen Eule mit Regenschirm - finde ich. Aber ich war ja auch ein bißchen verrückt, als ich jung war. Warum soll es Renate nicht sein? Das ist das Vorrecht der Jugend.

Heute nachmittag gehe ich zu Friedel Seidel zum Kaffee. Von Nanna höre ich gar nichts. Ich traf sie nur mal zufällig in der Oper im Fidelio. - Vor Ostern war ich grippenkrank, das habe ich noch lange zu spüren gehabt. Die Grippe ist eben tückisch, u. ich war zu früh aufgestanden.

Was ich in den Sommerferien mache, weiß ich noch gar nicht. In Pfingsten (5 Tage) will ich mal daheim bleiben u. meinen Garten genießen.

Hoffentlich ist Dein Arm nun wieder in Ordnung.

Grüße all Deine Lieben recht schön von mir

Von Herzen

Deine Sibylle.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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