Brev från Elisabeth Zenker den 19 januari 1954

Domnarvet, 19. 1. 54

Ihr guten Kinder, gross u. klein!

Wie habt Ihr mich mit dem dicken Brief und dem noch dickerm Buch erfreut, seid bedankt u. umarmt dafür. Ihr verwöhnt mich schrecklich mit angenehmer Abendlektüre. Jetzt fange ich die Unsichtbare Flagge an, das ist ja ein bewundernswerter Chirurg, der Messer und Feder gleich effektiv gebraucht, man wird wieder in den Krieg hineingerissen u. bekommt ein schweres Herz über all das Verfahrene, von dem man nichts ahnte. Aber der Mann versteht, alles mit Herz u. leiser Ironie zu erzählen.

Stefan Zweig, - ich habe schon ein bischen genascht, gibt sich die grösste Mühe mich gleich im ersten Kapitel zur Judenfreundin zu erziehen auf meine alten Tage. Wird ihm kaum gelingen. Da hämmert er auf m. armen Schädel herum, die Juden liebten nur reich zu werden, um dann ins höhere geistige Leben aufzusteigen, - sogar die galizischen Ostjuden! Na, am Sonntag kam "Tante Frida" zum 1. Besuch nach 2½ Jahre Amerika, wo sie rasend interessant erzählte von ihren verschiedenen Hausgehilfin Stellungen, darunter verschieden jüdische Millionärsfamilien. Die haben nun alle, samt dem ganzen jüdischen Umgang, absolut keinen Stefan Zweig'schen höheren Bildungstrieb spüren lassen. Ein krasser Gegensatz zu der schwed. Diplomatenfamilie, wo sie erst war. Aber wohlverstanden: freundliche, angenehme Menschen, nur eben reine Geldleute!

Stefan Zenker hingegen wollte wirklich seiner Oma Geist befriedigen. Er hat mir doch ein engl. Buch geschenkt, ich stürzte mich gleich darauf u. wälzte d. Wörterbuch zuweilen u. lernte viel, es ist nämlich "zum Joringeln" von seinem kleinen Enkel eine "blutvolle" Liebesgeschichte, ein Triangeldrama zu bekommen, ich fühle, dass ich viel verpasst habe im 73 jähr. Leben mit einer doch recht biederen Ehe!

Mariann hat leider kein Wetterglück gehabt, genau wie Ihr damals, Nebel u. Wolken verhüllten d. Berge, zu schade. Sie brachte einen Almanack mit farbigen Bildern, herrlich muss es in Schnee u. Sonne ja dort sein. Aber grausig, diese Lawinenunglücke im den Alpen. Gerd. Vater erzählte mal, dass er auf einer Sommerreise einen Jungen in d. Tiroler Bergen angesprochen habe in seiner Begeisterung, wie schön die Berge seien. Schön? hat da der Bub erstaunt geantwortet, grausam san's! Wie recht er hatte konnte man jetzt vom Vorarlberg lesen, wo ich auch einst entzückt u. gedankenlos gewandert bin.

In Idun sahen wir Tante Elis. Olbers Bild, sie wird am Freitag 80 Jahren. Ich glaube aber nicht, dass ich in 7 Jahren noch so vital bin wie sie, - schon, weil ich ja immer ein Pomadentopf gegen ihr Temperament war.

Verzeih d. Schrift, ich sitze auf d. behaglichen Sofa im Wohnzimmer - schreibe "auf d. Schoss", nebenan ackert Helene Schularbeiten mit A. Margret, eine Sisyphusarbeit mit dem fahrigen Geist. H-g raschelt mit d. Zeitung.

Viele viele Grüsse und viel viel Dank von

Eurer Mutti.

Zetern Eure Jungen auch jeden Abend mit Gehorchen, gehen nicht ins Bett? Das ist grässlich, dieses Teater von A. Margret.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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