Brev från Marianne Schweitzer den 18-20 oktober 1952

Dresden, den 18. 10. 1952

Meine liebe Märta!

Wahrscheinlich dreht es sich um dieses Bild in Berchtesgaden, Sommer 1952. Stefan, Gerd, Burgl, Gerold und Erik. /SZ

Wie schnell reiht sich doch ein Jahr ans andere. Nun gehen unsere Gedanken schon wieder voll guter Wünsche für Dich zu Dir. Gesundheit, Kraft und Mut für die Wanderung in's neue Lebensjahr, und viel Freude an den Kindern sei Dir gegönnt. Dein und Gerd's lieber Brief zum 27.9. haben mich - uns - so besonders gefreut; und die Photoeinlagen waren noch etwas extra Gutes - wie haben wir Alle und Alles unter die Lupe genommen. Zu komisch, dass die Verbindung von Ost und West ausgerechnet über Schweden führt! Nur eins ist Schade, kein Bild hat Euch 5 darauf! Und dann wüssten wir zu gern, auf welchem Berg Ihr mit Burgl und Gerold seid und warum Ihr da Dich und einen Sohn unterschlagen habt. Also, das vergesst bitte im Weinachtsbrief nicht zu schreiben. Ich erklamm' doch alle Gipfel um Berchtesgaden herum, komme aber nicht darauf, welcher "drahtumrankter" das sein kann. Die Kneifel? Eine richtige Hochtour kanns bei der "Ausrüstung" nicht gut sein.

Wie fandet Ihr Nessi? Sehr zart? Jetzt haben sie ja eine Wohnung, die hatten sie doch wohl damals noch nicht? Wo schlieft Ihr dort? Zeltetet Ihr auch dort? Cläre gab mir eine reizende humoristische Darstellung vom Nachtlager bei sich. Ich freue mich so, dass Ihr diese Reise gemacht habt. Welcher von den Jungens hat sie wohl am meisten erfasst? Was Du von Erik schreibst, ist reizend. Ach, wenn wir Euch doch alle 5 mal hier haben könnten. Vielleicht sind nächstes Jahr die Grenzen offen. Schade, dass Ihr nicht noch bei Käte Dörries in Münster wart. Tante Hertha bedauert es auch schrecklich, dass sie Euch nicht sah. Pech, sie war ja so kurz danach zurück.

Hier geht alles seinen gewohnten Gang. Wir sind gesund und dankbar dafür. Otto hat zu tun, nicht so viele Aufträge wie vor'm Jahr, aber wir kommen gerade durch. Und wir denken auch, dass, wenn die einzelnen Bezirke, in die die Landesregierung aufgelöst wurde, erst richtig arbeiten und planen können, auch wieder Aufträge herein kommen. Wir müssen eben bissel kurztreten bis es so weit ist. Das ist nicht einfach, aber es geht. Und ehrenamtliche Arbeit ist haufenweise da; im Kulturbund Sektion Botanik + Gartenbau, in der Sektion der Heimatfreunde (so ähnlich wie früher der Heimatschutz), im Grünausschuss der Stadtteilgruppe usw. Eine kleine sichere Einnahme haben wir dadurch, dass Otto als nebenamtl. Dozent über Kulturtechnik vor den angehenden Vermessungstechnikern liest, es macht ihm viel Freude. Auch jetzt ist er wieder in einer Ausschuss-Sitzung und ich sitze einsam und verlassen beim traulichen Kerzenschein (Stromsperre.) Man vergisst so schnell alles Schlechte zum Glück. Eben fiel mir ein, dass wir vor 2 Jahren noch kaum Kerzen hatten, bloss die alten hässlichen kleinen Bunkerlichter. Jetzt brennen 4 Kerzen um diesen Briefblock herum. Aber diese 4 brauchen die Augen auch. Aber doch auch ein Grund, sich zu freuen.

20.10. Aber sonst ist uns das Herz jetzt sehr schwer. Hansens langsames Hinsterben ist entsetzlich. Am Montag waren Sibylle und ich zusammen dort. Er war so verändert, eben ein Sterbender - aber er kann nicht sterben, und das ist so furchtbar. Ach Märta, mir ist ganz klar, dass Hans sich sein furchtbares Herzleiden aus seelischer Qual holte, Suses wegen, und jetzt ist's wieder Suse wegen der er nicht sterben kann. Er ist nicht fertig mit allem innerlich. Jeder Atemzug bedeutet Qual, Suse, die jetzt wieder 4 Wochen sich überhaupt nicht um ihn kümmerte, machte ihm nun Szenen wegen ihrer späteren Versorgung. Er meint noch für Wohnung u. Rente usw. sorgen zu müssen, zittert vor ihrem Zorn. Natürlich sieht er alles überspannt jetzt, aber das ist ja so begreiflich. Er hat so Sehnsucht nach Menschen, die ihn lieb haben. Da habe ich vorige Woche ein langes tel. Gespräch mit Dr. Baum gehabt und er versprach mir, am Sonnabend hinzufahren und zu versuchen, Hans noch hierher in ein Krankenhaus zu überführen. Gefahren sind sie - er + Suse - erst gestern - Sonntag nachmittag. Und Hans erwartete sie so. Jede Änderung erregt ihn sehr. Und nun diese Verzögerung von 1½ Tag, ohne ihn auch nur zu benachrichtigen. Ich bin innerlich ganz elend. Vorhin rief Frl. Schubert an, (Hans Sekretärin, der er sehr nahe steht, u. die ihn seit Jahren betreut wenn Suse nicht kocht) dass nun noch eine Gelbsucht zu allem Anderen gekommen ist. Vielleicht darf er nun endlich heimgehen.

Gestern waren wir zu Lothars Geburtstag bei Wellers. Da geht alles gut. Die Mädels sind nun "junge Damen" von 17 u. 16 Jahren. Bei Friedel ist Barbara wieder eingetroffen. Sehr zart aber glücklich. Nur sie hat kaum etwas anzuziehen und Friedel kann nicht viel schaffen. Solltet Ihr etwas auftreiben können, wären Alle sehr glücklich. Ein Winterkleid fehlt sehr, da sie recht gewachsen ist.

Die Bilder sind von der Silbernen Hochzeit. Leider sind die Abzüge nicht gut. Die Negative sind gut. Das Papier war alt.

Nun lebe wohl. Dir und den Deinen viel 1000 Grüsse und Dank.
Deine Nanna.

17.6. 1952. Die Kinder beim Aufsagen. Annemarie W. von hinten.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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