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Brev från Renate Zenker den 16 november 1949
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Gohrisch, den 16. 11. 49. An Herrn Gerd Zenker, Schweden,
Enskede, Cirkelvägen 19
Was denkst Du, ich bin ein Glückskind: ich hab die Uhr bekommen! Was hab ich mir schon den Kopf zerbrochen, wie ich zu einer Armbanduhr komme - und plötzlich ist sie da! Ich danke Dir sehr herzlich für diese famose Tat. Gleich will ich Dir erzählen, warum ich denn so notwendig eine Uhr brauche. Ich bin nämlich Neulehrerin, und seit September in Gompitz/Pennrich (liegt am Rand von Dresden, hinter Wölfnitz/Gorbitz, kennst Du's?) tätig. Dort gibt's 180 Schulkinder und 5 Lehrer, eine richtige Dorfschule. Wir unterrichten in zwei Schulen, die 10 Minuten voneinander entfernt sind. In jeder Schule sind 2 Schulzimmer und infolgedessen weder Lehrerzimmer noch Hausmeister, weder Aula noch Klingel. Und ohne Klingel bin ich verraten und verkauft! Bis jetzt hatte ich eine Taschenuhr, entweder in der Mappe oder auf dem Pult. Aber trotzdem habe ich oftmals die Zeit verpaßt, weil ich einfach nicht daran gedacht hatte, auf die Uhr zu gucken. Jetzt werden meine Schüler aber nicht mehr zu klagen haben wegen verkürzter Pausen oder so! Ich habe ein 6. Schuljahr, eine sehr gemischte Klasse mit einigen wenigen Spitzen und sehr viel Dummen. Das Arbeiten ist da sehr schwierig, vor allem hab ich ja gar keine pädagogischen und methodischen Kenntnisse oder Erfahrungen. Das muß man sich alles nebenbei erarbeiten, aber die Schularbeit ist schon so reichlich, daß die Zeit nie ausreicht. - Es ist ganz komisch: man kennt viele Regungen der Kinder von sich selber, all die Streiche, aber man kann es doch nicht so verstehen, daß man nun wüßte, wie man dem begegnen könnte. Kinder wollen oder würden an der Stelle des Lehrers ja immer alles besser machen, solange sie nicht wirklich in diese Lage kommen. Dann kommen große Disziplinschwierigkeiten, die bei uns jetzt nach dem Kriege allerdings an der Tagesordnung sind. Einige Wochen bin ich aber jetzt nicht in der Schule gewesen, ich hatte Diphterie und lag im Krankenhaus. Nun habe ich noch Schonzeit. Augenblicklich erhole ich mich hier in der Sächsischen Schweiz. Es ist schrecklich, wie wacklig man wird, wenn man 3 Wochen fest gelegen hat. Herrlich ist es, wie viel Zeit ich jetzt habe. Ich schlafe viel (denn ich bin immer müde) und dicke Bücher kann ich lesen, zu denen man sonst nicht kommt. Um Suse machen wir uns große Sorge, sie ist oft krank und immer sehr schwer. Wenn sie auf ist, nimmt sie sich sehr zusammen und ist immer sehr mobil, aber es dauert nicht lange. Kein Arzt weiß Bescheid, wie man ihr helfen könnte und was es ist. Einer sagte nur mal ganz naiv, sie solle nur mal eine Zeit in die Schweiz fahren. Nicht übel! - Vater hat wie immer viel zu tun, augenblicklich arbeitet er die Nächte durch, weil eine Kirchenvisitation bevorsteht. All der Verwaltungskram wächst ihm über den Kopf, und es bleiben nicht viel Kräfte für das Eigentliche. Ihr werdet sicher auch genug Arbeit haben. Wie geht es Euch allen? Von uns dreien herzliche Grüße an Dich, Tante Märta, die Jungen, an Großmutter und Tiblins! Hab noch mal vielen Dank!
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