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Brev från Sibylle
Zenker (Erna f. Tietze) den 16 oktober 1949
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Dresden, am
16. X. 1949
Als ich am Do. aus der Vormittagsschule heimkam, fand ich die Anweisung für ein Auslandpaket. Ich brauchte gerade am Do. sehr nötig einen Trost; denn am Nachmittag um 3-5 hatte ich meine Geschichtslehrer. Ich war Dir also so sehr dankbar für Deine Treue. Nach der Arbeitsgemeinschaft holte ich die Sendung gleich an der Post. Was hast Du mir für eine große Freude gemacht! Das herrliche Mehl! Nun kann ich zu Weinachten in Görlitz wieder backen. Und Kakao, und gleich den Zucker so wirklich dazu! Da werde ich schlemmen. Und nun besonders die gute Margarine. Ich war gerade sehr knapp mit Fettigkeiten, weil meine Schwester 14 Tage bei mir gewesen war u. da wollte ich doch nicht sparen. Nun fährt mein Fettschiffchen wieder volle Fahrt. Also hab' recht sehr von Herzen Dank! Gestern haben nun eigentlich die Herbstferien begonnen, auch für die Kinder nur 1 Woche. Wir Lehrer haben jeden Tag eine Verpflichtung. Durch Zufall ist für mich aber doch der Mittwoch frei geblieben. Ich will versuchen, da nach Chemnitz zu fahren. Es ist schon 1 Jahr her, seitdem ich am Grabe des Jungen war. Hoffentlich bekomme ich Zulassung zum D-Zug, - sonst kann ich's in 1 Tage kaum schaffen. Morgen um 9h ist Besprechung wegen der Prüfung der Anwärter, so heißen die Neulehrer, die die 1. Prüfung gemacht haben. Auch von meiner Arbeitsgemeinschaft gehen mindestens 6 in die 2. Prüfung. Das ist für mich viel Arbeit; allein die Durchsicht der Arbeiten aller verschiedene Themen, z. B. Die Arbeiterbewegung bis 1900 - oder der Bauernkrieg - oder die Stein-Hardenbergschen Reformen u. ihre Vollendung 1945 - oder die franz. Revolution, - oder der Kampf zwischen Kaiser u. Papst. Ich weiß selbst gar nicht genug, um das alles richtig beurteilen zu können. Ach ja, eine heißt etwa so: "die Geschichte des Eisenhammer-Werkes als Spiegel der Wirtschaftsentwicklung". Gerdt kennt vielleicht das Werk, es liegt in Freital, Dölzschen glaub ich. Es ist ein Patenbetrieb der dortigen Schule. - Weil ich das Gefühl habe, daß ich dieser Aufgabe nicht gewachsen bin, will ich sie mit Ende des Jahres wiederlegen. Ich habe bereits dies bezüglich an den Schulrat geschrieben. Wenn es nur erst so weit wäre! Neulich schrieb mir ein Schulfreund v. Hans Christoph, einer der mich immer so treu besucht, daß er mit Tbc. in Hohwald im Sanatorium läge. Er studiert in Leipzig Medizin, stand kurz vorm Examen, da entdeckte man die Krankheit bei einer üblichen Durchleuchtung. Er hat einen Pneumothorax; es muß also schon ziemlich schlimm sein. Es ist Jürgen Fleischer, der Sohn eines Arzten; der ältere Bruder ist gefallen. Die armen Eltern. Liebe Märta, ich habe heute 5 Mundtücher u. 7 Handtücher für Dich gepackt. Ein Handtuch mit blauen Streifen ohne Monogramm habe ich nun doch für mich behalten als Andenken an Deine Güte. Ich hoffe, daß ich - vielleicht am Do. - Gelegenheit haben werde, dies schwierige Zollpaket abzuschicken. Ich wollte Dir so gern auch mal eine Freude machen. Schreib doch mal, wie ich das könnte. Nochmals 1000 Dank. Grüße, bitte, all Deine Lieben von mir.
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