Brev från Marianne Schweitzer ("Nanna") till Gerd Zenker den 4 juli 1949

Marianne Schweitzer, Dresden - A46
Kleinzschachwitzer Ufer 3
Bundesland Sachsen
Deutschland, sowj. Zone

[Odaterat, men poststämplat 4 juli 1949 i Dresden och 16 juli i Enskede.]

Meine lieber Gerd!

Bei einem ganz hässlichen Spätherbstwetter soll ich Dir nun einen Juli-Geburtstagsbrief schreiben - ob das geht? Nimm von Herzen meine - nein unsre - allerherzlichsten Wünsche! Möge das neue Jahr weiter Gutes für Euch bringen, vor allem Gesundheit und Schaffenskraft - und Freude. Märta sorgt schon dafür, dass das Alles so weit als möglich da ist, so dass der liebe Gott nur noch seinen Segen dazu tun muss - was allerdings recht wichtig ist - und worum auch wir hier ihn bitten.

An und für sich solltest Du ja eigentlich einen Rachebrief bekommen, aber mein Edelmut siegte. Du furchtbarer Mensch schreibst die Adresse zu Stefans reizenden Brief - aber zu übersetzen denkst Du nicht. So kostete der Brief etliche Schweisstropfen. Aber Dir italienisch zu schreiben, wäre ja keine Rache gewesen, das kannst Du auf Grund Deiner spanischen Studien lesen. Also bliebe russisch - und das kann nur die junge Generation - ich nicht. Vielleicht stifte ich Armgart einmal an. Wir waren erstaunt über Stefans ausgeschriebene Schrift, garnicht wie 9 Jahre und wie Volker Seidel, der ja noch 11 Tage älter ist und uns immer ein guter Massstab für Stefan. - Ach wie gern würden wir Euch Alle wiedersehen, aber da müssten die Jungens erst deutsch können, damit wir einander verstehen können. Können sie es noch etwas verstehen? Wollt Ihr sie nicht zweisprachig aufwachsen lassen? Das imponierte mir immer so an den deutschen Kindern in Italien. Es muss herrlich sein 2 Sprachen als Mutter- und Vatersprache so ganz zu eigen zu haben. - Wie mag es Dir beruflich zu gehen, wie war das mit der Veränderung oder Verlegung des Werkes?

So bis hierher kam ich leider nur, dann kam allerhand dazwischen und nun ist's 2 Tage später, schade. Dass doch die 17 Tagesstunden nie an all dem ausreichen was getan werden muss. - Wir haben jetzt 2 sehr schöne Abende hinter uns. Am Freitag Abend waren wir in der Versöhnungskirche. Da sprachen Bischof Dibelius, Berlin, Landesbischof Lillje, Hannover, Landesbischof Herntrich, Hamburg, Landesbischof Meiser, München zu uns. Sie sprachen in 3 Kirchen Dresdens (Lukaskirche, Martinskirche (früh. Garnisonsk.) und Vers.K.). Alle 3 Kirchen waren samt der Vorplätze überfüllt. Ein grosser Lichtblick im Dunkel unsrer Tage, die sonst so von den leiblichen Sorgen beherrscht sind. Gestern Abend wollte Niemöller in der MartinLuther-Kirche sprechen um 7 Uhr, als wir ¼ 7 hinkamen, war auch auf dem Kirchplatz kein Platz mehr, so dass er 1½ Std. später noch in der schnell ebenso überfüllten Martinskirche sprach, wohin wir gingen. Er sprach so schlicht und innerlich, so ohne Pathos u. Hass. Ich ging mit viel Skepsis hin und kam sehr dankbar zurück. Wie gesagt, es waren grosse Abende, die uns dringend not taten. Hört Ihr manchmal die Sendung "lebendiges Abendland" welche die B.B.C. sonntags ¾ 5 - ¾ 6 sendet? Da spricht Lillje öfter wie auch Söderbloem [sic] u. viele andere. Wisst Ihr von der Bewegung der moralischen Aufrüstung? Von ihr erhoffen wir so viel. Wie schön wäre es, wenn wir einander sehen und sprechen könnten, aber dass Du einmal kämst hätte keinen Zweck, Du wärst ja doch nur kaum hier und gleich wieder weg.

Otto ist viel unterwegs. Augenblicklich bearbeitet er die Friedhofserweiterung Glashütte, einen Sportpark im Senftenberger Revier (Bockwitz) wo die ganze kleine Stadt, Bürgermeister und Kumpels fest in freiw. Arbeitsstunden mitarbeiten. Es ist ein sehr grosses Projekt, schien kaum ausführbar und schreitet nun doch so voran vom Idealismus der Bevölkerung getragen. Da ist Otto oft tagelang. Dann ist Gross-Sedlitz, die Neubauern-Siedlungs-Landschaft zu bearbeiten und dasselbe bei Grossenhain, beides für die Landesregierung. Nun läuft für Hannover-Ausstellungsgelände ein Ideenwettbewerb der bis zum 28. 7. schon bearbeitet werden muss, kurz, recht viel. Und Garten u. Kleintiere habe ich allein, neben Haushalt und Ansteherei. Und wo's nur irgend geht will ich gern zeichnen!

Ach so, Märtas Paket bekam ich wieder! sie soll sich nicht sorgen. Ich müsste mit ihm zum Zollamt. Das wird leider noch ein paar Tage dauern bis ich das schaffe, aber diese Woche geht's wieder auf die Reise. Nun nochmals Dir alles Gute in schwesterl. Liebe!

Deine Nanna

[Ottos handstil:]

Lieber Gerd!

Das war ich! Ich möchte Dir noch recht herzliche Glückwünsche und viele Grüße zum Geburtstage senden.

Auch an Märta, Stefan, Rolf und Erik.

Herzliche Grüsse Dein Otto.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 31 januari 2014.