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Brev från Hertha Zenker den 28 maj 1949
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An Frau Märta
Zenker Enskede b. Stockholm, Cirkelvägen 19, Schweden Dresden, den 28. Mai 1949.
Alle Verwandten und Bekannten in Deutschland werden Euch oft und viel schreiben, nur ich hülle mich so in ziemliches Stillschweigen. Das kommt davon, wenn man Tag und Nacht arbeiten muß. Gewiß, die anderen Menschen arbeiten auch, sagt Ihr. Ja, aber eine Hebamme muß immer gehen, wenn sie gerufen wird, da kann man nicht weigern. So verdiene ich mein Geld, das trotz hohen Verdienstes kaum ausreicht infolge der hohen, teuren Lebenshaltung. Also nehmt mir bitte mein Schweigen nicht übel. Habt herzlichen Dank für das Paket. Die Pakete kommen alle gut an, ungefähr 14 Tage brauchen sie bis sie hier sind, und was sie für uns bedeuten, könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen. Es ist doch oft so, daß wir nicht wissen was wir mittags und vor allem des Abends essen sollen oder auf das Brot schmieren könnten. Im Westen haben sie es in dieser Beziehung schon besser. Aber über den Unterschied zwischen Ost u. West will ich nicht schreiben. Und es ist schon besser, stille zu sein, wir haben schon früher gelernt den Mund zu halten. Ich möchte Euch auch nicht das Herz schwer machen. Es hilft alles nichts, denn Ihr lebt doch auf einem anderen Stern. Morgen bringen wir wieder ein kleines Paket auf die Post. Inhalt: 1 Tischtuch u. 12 Servietten, darin sind herausgesuchte Bilder von Euch. Sicher wird es gut ankommen. Eine Bestätigung hätte ich aber doch gern. Heute war Sibylle hier u. sie hatte 1 Dtzd. Handtücher u. 1 Dtzd. Servietten um diese Dinge bald Euch zu schicken. Es ist eigentlich nicht richtig, daß die Sachen so einzeln hinausgehen, so verliert man die Kontrolle darüber. Ein Sammeltransport oder von einer Hand wäre besser. Auf meinen Brief über die Anfrage was ich mit der Klotzscher Wohnung, d. h. mit den Sachen darin, beginnen soll u. mit der Bitte um eine evtl. Vollmacht darum, habt Ihr leider noch nicht geantwortet. Bitte tut es aber doch. Sonst bin ich böse!! Aber das rührt Euch ja nicht, denn ich bin weit vom Schuß. Und aus meiner Schwedenreise wird ja auch nichts. Schweden wird keine Lust mehr haben Hinreisegenehmigungen zu erteilen. Über die Ausreise ganz zu schweigen. Am 15. d. Mon. war Stefan's 10. Geburtstag. Da muß man wirklich sagen: Ist's möglich? Wie gern würde ich seine Entwicklung miterleben. Nun kommen doch schon seine Begabung u. Liebhaberei nach einer bestimmten Richtung zur Geltung. Ist es möglich, daß er auf ein Gymnasium kommt, oder sind da auch die Aussichten dazu in Schweden schlecht? Oder möchte er Handwerker werden? Es ist u. bleibt schon so: Handwerk hat goldenen Boden in aller Welt. Wenn Ihr mal wieder ein Bild zum Verschicken habt, würde ich mich sehr darüber freuen. Man muß doch alles versuchen, damit wir nicht ganz die Verbindung verlieren. Hoffentlich befindet Ihr Euch gesundheitlich auf der Höhe. Eigentlich ist ja in einer Familie immer was los. Mir geht es einigermaßen gut, ich habe garkeine Zeit um Angst und Sorge um "mein Leiden" zu haben. Ich bin dankbar, daß unser Zusammenleben so innig ist. So eine Freundschaft ist etwas Wunderschönes. Manchmal gibt's auch einen kleinen "Ehekrach". Aber dann scheint wieder die Sonne. So ist's aber auch in einer wirklichen Ehe. Nun erzählt mir mal wieder von Euch, Euren Leben, Eurer Arbeit. Wir wollen doch weiter Geschwister bleiben. Viele herzliche Grüße von Eurer Hertha. |
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