Brev från Hertha Zenker den 14 december 1948

An Frau Märta af Zenker Enskede b. Stockholm, Cirkelvägen 19
Abs: Hertha Zenker (10a) Dresden - A21, Ermelstr. 13I, Sowj. Zone, Sachsen, Deutschland.

Dresden, den 14. 12. 48.

Liebe Märta und lieber Gerd!

Jetzt soll der Weinachtsbrief steigen, und es ist noch gar keine weihnachtliche Stimmung bei uns eingetroffen. Aber doch am Heiligen Abend werden unsere Gedanken zu einander fliegen, und wir werden im Geiste zusammen sein. Wie werden die Kinderaugen strahlen, wenn sie vor dem Weinachtsbaum stehen. Es wäre schön, wenn man das miterleben könnte. Das aber steht in ganz weiter Ferne.

Nun möchte ich mich erst einmal für das herrliche Paket bedanken. Was für wertvolle Hilfe es für uns bedeutet, ja das könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Natürlich ist es klar und ich weiß es, wie sehr Ihr sparen und einteilen mußt, aber trotzdem werdet Ihr doch kleine Könige sein gegen unser armes Bettelleben hier. Ich will das nicht ausführen, das hat keinen Zweck. Betonen will ich nur, daß wir für die kleinste Aufmerksamkeit sehr dankbar sind, und wenn es nur ein liebes Wort ist. Ich hätte natürlich so gerne auch eine Freude gemacht. Aber was soll man schicken. Was von Wert ist, kostet zu viel Geld, außerdem kann man ja nur begrenzt senden. Und das Porto ist zu hoch. Das Geld ist auch sehr sehr knapp geworden. Ich muß sehr sparen, damit ich im neuen Jahre die Arztrechnung bezahlen kann. Leider bin ich mit dem Herz und Magen nicht in Ordnung. Das passt mir alles nicht in den Streifen, wo ich doch Geld verdienen muß.

Erna, Brigitte und ich, wir leben so friedlich miteinander. Man müßte bloß mehr Zeit und Ruhe haben um mit dem Kinde spielen zu können oder um ein Buch zu lesen. Wenn ich abends zu Hause bin, helfe ich Erna noch ein bisschen bei der Näherei. Lieber Gerd, kannst Du Dir das bei Deiner Schwester wohl vorstellen? Die Schneiderei ist auch kein leichter Brotverdienst, es sind unendlich viel Stiche bis so ein Stück verdient ist. Meistens sind es Umarbeitungen Mäntel, Kleider usw. Neue Stoffe werden ganz ganz selten gebracht. Am meisten fehlt das Nähmaterial. Es gibt ja kein Zwirn und keine Seide, kurz gesagt, alles fehlt. Darum ist ja das Arbeiten so erschwert, auch in meinem Berufe.

Habt Ihr es schon sehr kalt? Wir haben immer so um 0 Grad herum. Es darf auch nicht kälter werden. Im Januar sind wir sowieso mit der Feuerung zu Ende. Bis jetzt hat es noch nicht geschneit. Eure Jungs werden sicher mit Begeisterung Schlitten fahren und Ski laufen. Oder darf da Stefan auch nicht mitmachen? Geht er gern zur Schule? Oder macht er es so wie ich, daß er am liebsten die Schule schwänzt. Aber das liegt ja so viel an den Lehrern, wie die es den Kindern "schmackhaft" machen. Ich hatte damals so eine alte Schraube von Lehrerin. Unsere Brigitte geht so gern, weil sie eine junge, hübsche Neulehrerin hat, die es gut mit den Kindern versteht.

Wie geht es mit Deiner Arbeit, Gerd? Ob Du Dir zu Weinachten einige Tage frei nehmen kannst? Ich nehme an, daß Ihr das Fest in Salta feiern werdet? Es wäre schön, wenn ich auch mal ein Brieflein von Dir bekäme! Oder hast Du Deine "kleine" Schwester schon ganz vergessen. Aber Du hast recht indem Du denkst, es lohnt ja nicht an das arme Deutschland einen Gedanken zu verschwenden. Trotzdem solltest Du die Heimat nicht ganz vergessen.

Nun grüße ich Euch herzlich u. ich denke an Euch in der Heiligen Nacht.

Allen Liebe von Hertha mit Erna u. Brigitte.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 30 oktober 2014.