|
Brev från Tante
Nanna den 20 maj 1948
|
||||||||||||||
Meine liebe Gunhild! Vorgestern spät abends sind nun also Armgart und Barbara wieder hier eingetroffen. Otto und ich sind gestern am Morgen d h gegen ½ 11 Uhr hingegangen um einen ganz frischen Eindruck zu bekommen und vor Allem um ganz frische Grüsse von Euch Allen zu haben. Die Kinder waren gerade erst aufgestanden und kamen noch halb verschlafen in den hübschen Schottenkleidern und allen anderen schwedischen Anzugsdingen (Schuhe, Strümpfe) die Treppe herunter. Wie prachtvoll sehen sie aus - was hast Du aus ihnen gemacht. 1/4 ihres Gewichtes haben sie zugenommen! Und wie glücklich sprachen sie vom Aufenthalt bei Euch - und sehr dankbar - und voll von herzlicher Liebe. Wir bekamen gleich bei dem folgenden allgemeinen Frühstück jeder 2 Butterbrote von den mitgebrachten Schätzen - welcher Genuss! bei unserem fettlosen Leben. Die gute Friedel schenkte mir sogar trotz heftigen Sträubens meinerseits 200 [gr] Eures guten Specks. So sind wir sogar auch in den Genuss frischer Saltaer Herrlichkeiten gekommen, denke Dir. Wenn ich gewusst hätte, wie zart und krank Du warst, dann hätte ich Dich nie um eine evtl. Verlängerung des Aufenthaltes der Kinder gebeten. Wir blieben ein Stündchen , aber um richtig viel zu erfahren werden wir am Sonntag-nachmittag hingehen zu "Bohnenkaffee" den Barbara "schwedisch" kochen will. Als wir noch dort waren brachte die Anne Rüger den Volker zurück, die Begrüssung der Geschwister war reizend. Binnen 5 Minuten stand Volker nackig da und wurde "schwedisch" angezogen von Kopf bis Fuss, Schokolade und Bonbon kauend - glücklich. Und tief dankbar sass die Mutter, Friedel Seidel, still da. Sie ist ganz erschüttert von Eurer Güte und ihrem armen geschlagenen Herzen ist dies besonders wohltuend. Uns gingen die Augen und Ohren
über, als die Kinder "vom Essen" erzählten. Wie materiell
aber auch wie arm sind wir geworden, dass uns all das Erzählte wie
Märchen erscheinen. Aber ich will nicht klagen, ausser den Nahrungssorgen
die immer gewaltiger werden, geht es uns gut. Und bald bringt ja nun auch
der Garten schöne Zubusse. Salat ernteten wir nun und Spinat. Aber
es ist verflixt schwer schmackhaft und sättigend mit nur 100 gr Fettigkeit
und etwa 300 gr Fleisch im Monat zu kochen. Statt Butter gibt es Syrup.
Aber Gott sei Dank gab es doch nach und nach alle Kartoffeln. Das ist
besser als vor'm Jahr, so können wir täglich knapp 1 Berufsmässig haben wir gerade genug zu tun um leben zu können. Immer wieder gibt es Aufträge, auch für die Stadt. Ich habe in letzter Zeit 2 grosse Blumenbilder verkauft. Anfang Juni wird also nun Elfriede bei Euch sein, das ist ja für Dich so wichtig wenn nun die Ferienzeit beginnt. Hat eigentlich Gerd auch schon Urlaub? Wie gern würde ich die Geschwister Gerd u. Märta und die Borlänger einmal wiedersehen, und Dich u. Elof. Hab Dank für Alles was Du so Gutes tatest Seidels und uns so oft. Deine Nanna Ach Gunhild, noch eine sehr unbescheidene Bitte: Wenn von Elof oder Gerd oder irgend einem Bekannten von Euch Herrenschuhe Grösse 41 abgelegt werden, würdest Du dann bitte an Otto denken? Er geht nächstens barfuss, seit vielen Wochen nimmt der Schumacher keine Reparaturen an, und wenn, dann endlich muss man Nägel und Leder oder sonstigen Ersatz abgeben, so dass praktisch eine Reparatur unmöglich ist. |
||||||||||||||
|
||||||||||||||