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Brev från Hertha Zenker till Märta den 20 mars 1948
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An Frau Märta Zenker Enskede b. Stockholm, Cirkelvägen
19, Schweden Dresden, den 20. 3. 48.
Ihr wartet wahrscheinlich schon lange auf einen Brief von mir, und sicher seid Ihr schon ein wenig böse, daß ich mich nicht bedankt habe für Euer Weinachtspaket. Das muß ich nun nachholen. Es ist nun wirklich so bei mir, daß ich nie das tun kann was ich im Augenblick gerade will. Immer kommt dann gerade eine berufliche Abhaltung dazwischen. So wird ein Brief immer wieder auf die lange Bank geschoben. Habt vielen herzlichsten und innigsten Dank für die Pakete, die gut angekommen sind, und die für uns hier eine große Hilfe bedeuten. Was sie für uns sind, kann man Euch gar nicht richtig beschreiben, denn Ihr kennt ja unser Dasein nicht mehr. Man ist ja leider angewiesen auf zusätzliche Lebensmittel, die man sich irgendwo her beschafft. Aber augenblicklich sind sie auch nicht für teuerstes Geld zu beschaffen. Außerdem verdiene ich nicht mehr so viel, daß ich dafür so viel ausgeben kann. In Berlin kaufte ich mir für viel Geld ein gebrauchtes Rad, das ich ja haben muß (1200 M). Könnt Ihr Euch so etwas vorstellen? Das ist ja für "normale" Menschen in gesunder Umgebung alles so unfaßbar und schlecht begreiflich. Außerdem kann man nicht so schreiben wie man möchte. Aber genug davon. Wir müssen sehen wie wir fertig werden mit dem jetzigen Leben. Dringend brauchen wir einen Mann! Nicht so - nein allein schon für das Holz hacken und die alltäglichen Handwerksarbeiten, für die eine Frau doch nicht so beschaffen ist. Ich bin immer froh, daß Mutti in Schweden jetzt gut auggehoben ist. Seit ihrer Abreise ist es nicht besser geworden - im Gegenteil. Morgen ist Frühlingsanfang, aber leider merkt man nicht viel davon, es ist noch immer ziemlich kühl. Von Frühlingsblumen wird wenig zu sehen sein, denn die Gärten sind alle umgegraben zur Gemüseanpflanzung. Sicher werden Eure Jungens mit Wonne Ostereier suchen. Oder ist das in Schweden nicht üblich? Wir werden vielleicht Eier auf Fleischmarken bekommen. Nanna hat 2 Hühner, und sie ist so lieb und gibt auch davon noch Eier ab. Leider komme ich wenig zu Schweitzers hinaus. Ich habe ja nie Zeit für mich, immer bin ich in Betrieb. Für das Theater- oder Kinokartenanstellen bringt man weder Zeit noch Kraft auf. So erleben wir nichts Besonderes. Ich denke oft an Euch und besonders an die Kinder. Wie gern würde ich miterleben wie sie sich entwickeln. Ob wohl mal eine Reise nach Schweden möglich sein wird? So werden wir uns immer fremder und die Verständigung schwerer. Warum muß denn alles so sein? Wir haben doch nichts Böses getan! Euer Heim würde ich auch mal gern sehen, wie Ihr es Euch zurecht gebaut habt. In die Klotzscher Wohnung kommt man ja nicht mehr hinein. Vielleicht könnt Ihr mal etwas erreichen, wenn Ihr mal herkommt. Denn warum könntet Ihr nicht kommen? In Berlin habe ich mir sehnsüchtig am Stettiner Bahnhof den Schwedenzug beguckt, und habe gedacht, es wäre schön, wenn Ihr aussteigen würdet. Vielleicht erkennt Ihr mich nicht mehr mit den vielen weißen Haaren. Frau Dittner und ich leben so schön und einträchtig miteinander. Dafür bin ich so dankbar. 2. Osterfeiertag, spät abends! Wieder ist der Brief liegen geblieben. Es war so viel zu tun und abends bin ich immer totmüde. Heute habe ich eine schwere Geburt hinter mir! Nun habe ich den letzten Bohnenkaffee aufgegossen, daß ich länger aufbleiben kann. Ich möchte doch mit Euch nicht aus der Verbindung kommen. Und meine Sehnsucht nach Euch Geschwistern kann ich gar nicht beschreiben. Gestern verlebten wir einen reizenden Nachmittag bei Nanna u. Otto bei herrlichsten [sic] Wetter, aber kühl. Mutti schrieb mir von Deinem häßlichen Hautjuchen. Ob Du mal ein Feldkümmel-Bad nehmen kannst? Das lindert zumindest das Jucken! Oder Eichenrinde? Die schwedischen Ausdrücke dafür kann ich leider nicht, da müßt Ihr Mutti fragen. Die innigsten Grüße schickt Euch Eure
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