Brevkort från Gerd till Märta den 23 februari 1945

Det här brevkortet kom fram först efter ca. en månad. /SZ

23. 2. 45

Meine Allerliebste!

Nun bin ich in Vilsbiburg gelandet, meinem neuen Arbeitsort für hoffentlich nicht allzulange Zeiten. Sehr primitiv, aber sicher vor Engländern und Russen.

Ich müßte Dir von den Bombennächten und -Tagen erzählen, aber das wird wohl schriftlich nicht gehen. Wir sind wunderbar behütet worden. Bei Nanna stellte sich am Freitag auch Sibylle ein. Sie hat so gut wie nichts retten können. Alle "unsere" Wohnungen sind zerstört: BB [Borsberger Str.], Moltkeplatz, Strehlener Str., Ostbahnstr., am Wettiner Bhf. Am Sonntag war ich auf d. Dürerplatz u. traf Herrn Örtel. Alle sind gerettet. Tante war gerade verreist. Sachses waren (angeblich) die ersten aus dem Keller, Örtels mit ihrem Säugling die letzten. Den zweiten, schweren Angriff überstanden sie in der Sandgrube auf d. Spielplatz liegend! Der Keller brannte noch, nach 5 Tagen. Die geliebten Fensterhöhlen! Jeder Stein eine Erinnerung. Weit u. breit alles ausgebrannte Ruinen. Das ganze war der gemeinste Massenmord, den man sich denken kann. Der große Garten und die Elbufer sind ganz umgepflügt. Eine Verwandte von Seidels ist auf d. Stübelplatz v. Tieffliegern erschossen worden. In der Innenstadt ist es ganz grauenhaft. Wer von Bekannten betroffen ist, wird man erst nach u. nach erfahren. Die arme Gulli ist auch abgebrannt. Von ihr selbst habe ich noch nichts gehört. Die vielen verbrannten kleinen Kinder. Märtalein, womit haben wir unser Glück verdient?

Ich habe lange nichts von Dir gehört, und es wird nun auch noch lange dauern. Das ist schwer. Ich liebe Dich so!

Dein Gerd.

 

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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