Det här brevkortet kom
fram först efter ca. en månad. /SZ
23.
2. 45
Meine
Allerliebste!
Nun bin
ich in Vilsbiburg gelandet, meinem neuen Arbeitsort für hoffentlich
nicht allzulange Zeiten. Sehr primitiv, aber sicher vor Engländern
und Russen.
Ich müßte
Dir von den Bombennächten und -Tagen erzählen, aber
das wird wohl schriftlich nicht gehen. Wir sind wunderbar behütet
worden. Bei Nanna stellte sich am Freitag auch Sibylle ein. Sie
hat so gut wie nichts retten können. Alle "unsere"
Wohnungen sind zerstört: BB [Borsberger
Str.], Moltkeplatz, Strehlener Str., Ostbahnstr., am
Wettiner Bhf. Am Sonntag war ich auf d. Dürerplatz u. traf
Herrn Örtel. Alle sind gerettet. Tante war gerade verreist.
Sachses waren (angeblich) die ersten aus dem Keller, Örtels
mit ihrem Säugling die letzten. Den zweiten, schweren Angriff
überstanden sie in der Sandgrube auf d. Spielplatz liegend!
Der Keller brannte noch, nach 5 Tagen. Die geliebten Fensterhöhlen!
Jeder Stein eine Erinnerung. Weit u. breit alles ausgebrannte
Ruinen. Das ganze war der gemeinste Massenmord, den man sich denken
kann. Der große Garten und die Elbufer sind ganz umgepflügt.
Eine Verwandte von Seidels ist auf d. Stübelplatz v. Tieffliegern
erschossen worden. In der Innenstadt ist es ganz grauenhaft. Wer
von Bekannten betroffen ist, wird man erst nach u. nach erfahren.
Die arme Gulli ist auch abgebrannt. Von ihr selbst habe ich noch
nichts gehört. Die vielen verbrannten kleinen Kinder. Märtalein,
womit haben wir unser Glück verdient?
Ich habe
lange nichts von Dir gehört, und es wird nun auch noch lange
dauern. Das ist schwer. Ich liebe Dich so!
Dein
Gerd.
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