Brev från Cläre Immisch till Gerhard Zenker den 7 oktober 1973.

Den 7. X. 73.

Lieber Gerd, Bitte lach mich nicht aus und sei mir auch nicht böse, wenn ich Dich über meine Sorgen behellige. Es liegt auch kein akuter Grund vor an plötzlichen Tod zu denken. Doch heisst es mit 81 J. mit Recht: Bestelle Dein Haus. Auch der hiesige Freundeskreis wird klein und es muss Vorsorge getroffen sein, dass für Mitbewohner u. Hauswirt eine möglichst geordnete u. reibungslose Räumung der Wohnung vorbereitet ist. Und die Verwandten? In Dresden, Schweden, Nessi lehnt für sich und ihre Kinder alles ab. Ich hatte Wolfgang bestimmt, nach ihm Leni, nach ihr Bärbel. Diese ist und bleibt psychisch krank, öffnet keine Briefe, es würden die grössten Schwierigkeiten entstehen. Sie ist unterrichtet, dass sie nicht in Frage kommt. Und nun schien alles klar, die neugewonnene Hilde Immisch in Stuttgart (65 J.) tritt ein. Nun hat sie einen psychischen Zusammenbruch und kommt, wenn überhaupt, lange nicht in Frage. Ihr Sohn Gerd mit 2 Immischbuben bleibt, ist mir auch lieb und zuverlässig.

Geldlich wird so Gott will keine Not sein, ich habe in den letzten Jahren ein überraschend grosses Sparkonto zusammengebracht 4500. Wenn es bleibt und ausser der Frage an den Staat nicht durch notwendige Altersunterbringung (für die es und das monatliche Einkommen nicht reicht, so dass die Wohlfahrt einspringen muss) ist das zwar kein Vermögen, aber es belastet die, die das Übrige übernehmen wenigstens nicht. Für die antiken Möbel liegt die Adresse eines Interessenten, Antiquitätenhändler bereit. Aber - und das beunruhigt mich erneut bei Hilde Immischs Versagen: Es stammt ja fast alles von Oma Zenker Bilder, vor allem das Kinderpastell von meiner Mutter, eine Zeichnung von Oma, ein Aquarell von Altrahlstedt u. dergl. Diese Dinge müssten ja unbedingt in Zenker Hände. Und Du bist so weit fort. Auch das handgemalte Geschirr von Oma. da fiel mir auf einmal ein, dass ja Dein jüngster Sohn in erreichbarer Nähe ist. Glaubst Du, dass er sich von Zürich aus einsetzen könnte und würde? Dann gib mir bitte die Adresse. Das Testament muss ich wegen Hildes Krankheit so wie so noch mal ändern und könnte ihn dann neben Gerd Immisch einsetzen.

Wer hätte gedacht, dass man mal solche Sorgen hätte. Also gib Antwort. Bei einem etwa - hoffentlich nicht, notwendigen Umzug in ein Heim müsste bis auf Sachen für ein Zimmer ja auch das andere fort. Als Helferin dafür hat sich Frieda Körte (jetzt Kloster Kirchberg bei Horb) angeboten. Aber über den Rest müssten ja auch die Nachlassempfänger entscheiden.

Hoffentlich geht es Euch gut.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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