Brev från Märta till Elisabeth Zenker den 2 augusti 1967

Farsta den 2. 8. 67

Liebe Mutti, liebe Cläre!

Habt Ihr es nicht so heiß wie wir? Von Helene hörten wir, daß Deine Reise gut ging.

Nun will ich nur ein bißchen von unsrer Reise erzählen. Wir starteten von Salta ½ 5 früh den 13.7 und hatten eine sehr hübsche Fahrt nach Göteborg wo wir ein paar Stunden vor Abgang des schönen neuen Schiffes kamen. Gerd nahm seine Seekrankheitstabletten und gab auch mir, so daß wir noch schläfriger wurden. Dabei war das Meer, die Nordsee, ganz ruhig. Wir schliefen so gut, Gerd mit einem Herrn, ich mit drei Damen zusammen, und zwar so lange daß die Frühstückszeit um war als wir aufwachten. Bald tauchte nun Holland auf und schließlich hatten wir 2 ½ Stunden Kanalfahrt bis Amsterdam. Wir suchten uns ein Zimmer in Harlem und badeten in Zandvoort bei den Dünen. Am Abend strolchten wir in Amsterdams Freudenviertel herum. Recht bald nahm ich Gerds Brieftasche zu mir in die Handtasche, denn bei der Wärme zog er ja dauernd die Jacke aus und dazu in diesen sonderbaren Vierteln, da kann man ja nie wissen was passiert. Als ich so mal in Frankreich kurz vor Chartres Benzin bezahlen sollte, sagte det Benzinmann: Oui, c'est la même chose dans notre famille, c'est madame qui est le ministre des finances.

Aber zurüch nach Holland. Dort sind ja jetzt so viele Indonesen und so bestellten wir Nasi goreng, das Spezialgericht mit Reis u. allen möglichen Sachen darin. Es kostete nicht viel und war sehr reichlich. Am nächsten Tag ins Rijksmuseum zur Rembrandts Nachtwache. Sehr schön war auch ein Bild von Rembrandts Mutter, das jemand anders gemalt hatte. Im Museum gab es ein Restaurant, sehr gut, denn nach diesen Stunden war man ja todmüde.

Wir fuhren nach Delft, weiß und grün und still, abgesehen von dem vielen Läuten natürlich. Dort wohnten wir sehr hübsch, eine steile holländische Treppe hoch, Blumenkästen vor unsren Fenster und Blick auf den Kanal u. alle Antikläden. Am Sonntag Besuch in Rotterdam, am Stefans Geburtstag zerstört. Mitten unter den neuen Banken im Zentrum, ein großes Farsta, steht eine leidende Stahlfigur, wo das Herz rausgerissen ist. Bad in Hoek van Holland. Furchtbar voll von Autos überall. Wir wagten nicht so lange zu bleiben um nicht in den Heimwärtsschlangen stechen zu bleiben.

In Breda (kapitulierte den Spaniern) Nacht im Motel, schöne Betten aber ein kolossaler Lärm vom Verkehr draussen. Anstatt wie erst geplant über Antwerpen-Brüssel nach Paris, fuhren wir des schönen Wetters wegen über Walcheren, wo die großen Überschwemmungen waren nach Vlissingen an der Scheldemündung. Überall viele Obstbäume, wir kauften wunderbare Kirschen. Jetzt wird ja so viel in Holland gebaut um die Insel zu vereinen, aber hier war noch eine Fähre, kostete fast nichts, nach Breskens. Bald waren wir in Belgien u. fuhren nach Brügge, das mir eine Freundin empfohlen hat. Und es war schön. Wir saßen zum Essen am großen Markt mit seinem Belfroi, dem alten Turm. Alle Kanäle waren beleuchtet, uralte Gebäude, ein Beguinenhof, es war wirklich sehenswert.

Bad in Ostende, großartig wie an der Riviera. Wohl 50000 badeten an den kilometerlangen Plagen, wir lösten uns ab in der Wache bei meiner Handtasche, da höre ich plötzlich drei mahnende Trompetensignale des Strandwächters. Ich war zu weit weg um was zu sehen aber hatte doch den starken Verdacht es könnte Gerd gelten. Es war nämlich eine grüne Flagge wo man baden konnte, eine gelbe bedeutete Gefahr und eine rote: Verboten. Tatsächlich: Gerd hatte die 50000 als Feiglinge betrachtet und sich selbst zur gelben Flagge begeben. - Bei Ebbe und Flut werden ja dort gefährliche Strömungen, die einen mit hinaus ziehen. Rolf hat es ja damals erlebt 1958, da mußte er fürs Leben kämpfen. Du kannst verstehen, daß ich Gerd nicht mehr aus den Augen ließ auf der Reise.

Fast ohne Grenzkontrolle überall, kamen wir nach Dunkerque. Gerd suchte uns ein Zimmer, sehr hübsch, nur war er traurig, daß das Hotel le Tigre hieß u. ein großes Bild von Clemenceau hatte. Wir aßen aber wo anders und zwar schönes französisches Fleisch. Am Nebentisch saß eine Dame u. mischte sich selbst ihr Salat mit Zwiebeln, Oel usw. Das macht Gerd ihr seitdem nach zuhause. Wieder Baden u. zwar in Calais, wo die Fähren gleich nebenan ständig hin u. her nach England gingen und auch Flugzeuge mit Mann u. Auto.

Nun war es Zeit sich nach Paris zu begeben um Stefans Ankunft zu erforschen. Wir fuhren quer durchs Land über Beauvais nach St. Germain en Laye. Dort übernachteten wir und sahen den schönen Schloßpark und den noch schöneren Park von Versailles zum 2. Mal. Noch eindrucksvoller jetzt und diesmal auch das Schloß mit allen Sälen und Gemälden von David u. Delacroix. Dorthin kamen Autobusse mit Nonnen, sogar schwarze und auch gelbe alle so gut angezogen dans cette chaleur. Auf kleinen Wegen kamen wir nach Orly u. erfuhren daß Stefan entweder um 22 am selben Tag oder am 8.30 am nächsten zu erwarten war. Also erst Hotel suchen in der Stadt. Spannend u. aufregend die Fahrt hinein in dem tollen Verkehr. Aber alles ging gut. Hotel de la Paix 7 Treppen hoch: un grand lit und ein gewöhnl. Bett. Dort konnte Stefan schlafen. Das kostete nur 5 francs extra.

Am nächsten Morgen kam er, 2 Stunden verspätet, ich dachte ob sie wohl extra Brennstoff für die beiden Stunden haben. Aber schon der Start in New York war 2 Stunden zu spät. - Was für ein frohes Wiedersehen, und er ist ganz der liebe alte, völlig unverändert.

Nun gings nach Chartres, sehr schön und Mont St. Michel ganz aufregend merkwürdig. Ehe Chartres angefangen war, stand dies schon fertig. Hier kommt das Meer bei Neumond u. Flut so schnell wie ein galoppierendes Pferd mit hohen Wellen u. viele haben das Leben im Quicksand verloren. Normandie war so schön , aber unheimlich die Invasionsküste zu sehen u. die vielen Militärfriedhöfe. Auf einem deutschen waren 4 dicke Bücher mit Namen, auch ein Zenker. Schöne Katedrale in Rouen u. Amiens. Nette Wirtshäuser mit gutem Essen. Nacht in Honfleur, Nacht in Rocroi an der Belg. Grenze.

Dann Olpe nur kurz mit Karin u. Rüdi u. Adele u. Willi u. die süßen Kinder. 7 Stunden im Auto gesessen u. auf der Fähre gewartet in Puttgarden. Nun glücklich hier. In Sthlm alles vertrocknet, auf Salta besser. Boy lebt nicht mehr. Sie trauern furchtbar.

Viele Grüße von uns allen
Eure Märta

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 24 juni 2006.