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Brev frεn Marianne Schweitzer ("Nanna") till Mδrta Zenker den 19 juni
1949
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Dresden - A46, den 19. Juni 1949
Was magst Du bloss von mir denken! 3 Wochen schon ist's her, dass Euer feines, ach so wohltuendes Paket ankam, längst ist alles aufgegessen und Du hast noch keinen Dank! Schämlich! Verzeih. Ihr ahnt ja nicht, wie Gutes Ihr uns antut mit solch einem Paket, denn der Hunger nach diesen Dingen ist noch wie vor der gleiche. Wie himmlisch diese Margarine. Das ist genau die Monatsration von uns Beiden zusammen an Fettigkeit, und Du kannst Dir denken, dass man noch so sehr sparen und zerren kann, nach 5-6 Tagen ist die Dekadenration eben aufgebraucht und dann ist Brot und Essen eben trocken. Fleisch gibt's auch nur noch 1x im Monat 250 gr und davon muss 50 % in Wurst genommen werden, die aber nur mit 70 % beliefert wird. Die anderen 2 Fleischdekaden gibt's Fisch oder Eier (200 gr = 3 Eier). Aber wir können dieses Jahr Kartoffeln kaufen, und das ist ein riesengrosser Fortschritt gegen die Vorjahre wo die Monate Juni-Juli wirkliche Hungermonate waren. Mit Grauen denke ich an die beiden Jahre in denen Brennesselbrei ohne Mehl, ohne Kartoffeln oft die einzige Rettung war. Dafür können wir dieses Jahr nicht dankbar genug sein. Aber der Mensch ist doch undankbar, ist etwas erreicht, schreit er nach mehr eben Fett und Fleisch. Da ich gestern absolut keine Zeit aufbringen konnte mich nach den 500 gr Heringen anzustellen und die Fettigkeit alle ist, ist heute der Sonntag etwas mager. Das heisst wir haben es ja so gut. Wir haben jetzt tägl. 2¾-3 l Milch von der Mecke! D. h. es bleiben für uns immer so 1½ l, das andre geht fast tägl. fort. Gar zu viele Menschen brauchen etwas. 3x wöchentl. holt Brigitte Dittner 1½ l. Du glaubst nicht wie gut die Milch ist. Jetzt an den ersten Erdbeeren besonders. Leider haben wir seit Wochen Regen Regen und seit Tagen fast Kälte, schon nicht mehr Kühle. (+ 9° C). Die Beeren, die nicht faulen, röten sich ohne Süsse und Aroma zu bekommen. Zu Schade. Ich hoffte so Tante Marga etwas Gutes mit den Beeren bieten zu können. T. M. kommt nun am Mittwoch endlich, nachdem sie eigentlich schon am 6. hier sein wollte. (Sie wird übrigens am 8. 8. 80 Jahre alt, denkt davon.) Ich freue mich, dass sie so gern hier war, dass sie nun so gern wieder kommt. Ausserdem nehme ich egoistisches Menschenkind dankbar ihre Hilfe an. Ich schaffe jetzt schwer alles allein. Otto ist sehr viel unterwegs, tagelang, so dass Viehzeug und ca 1000 qm Gemüseland und Haushalt und allerhand Zeichnerei (Pläne) allein auf mir liegen. Daher leider auch meine Brummelei mit diesem Brief. Aber Du scheinst den vorigen nicht bekommen zu haben. Denn da bedankte ich mich sofort insbesondere für den fabelhaften Mantel [?] + am Rande des Briefes. Zu Ostern feierten wir Brigitte Wellers Konfirmation, jetzt war Käte Dörries mit Heiner da, der westlich aussieht, alle hiesigen Gleichaltrigen um Hauptlänge überragt. Dass Otto so viel zu tun hat ist schön, auch interessante, schöne Aufgaben. Jetzt arbeitet er viel als Landschaftsgestalter für die Landesregierung bei Planungen für Neubauernsiedlungen. Es sind zwar nachträgliche Korrekturen aber doch schön. Ihr kennt ja Otto, in jede Aufgabe geht er mit grossem Idealismus, nach klingendem Lohn fragt er kaum. So wird er sehr gebraucht. Was macht Gerd? Wie geht's den Jungens? Seid Ihr in Salta? Es sind doch wohl Ferien? Wie viel denken wir an Euch. Im neuen Päckchen ist ein rosa Tischtuch mit weiss-schwarzen Punkten, 12 Servietten und 3 weisse Tischtücher. Hoffentlich kommts gut an. Denke Dir, Barbara hat ein ziemlich schweres und jetzt Armgart ein leichteres Herzleiden. B. ist sehr zart geworden so dass ich mich so sorge. Sie hungern wohl manchmal. Friedel verdient ihr Brot mit Spinnen. Gottlob dass Mechtild und Wolfgang gut ernährt werden. Nun leb wohl, ich will nun melken und füttern gehen (21 Kaninchen, 1 Ziege, 2 Hühner). Otto grüsst Euch so herzlich mit mir. Ob Stefan seinen Brief bekam?
Gibt's den Struwwelpeter in Schweden? Hier gibt's ihn wieder und ich würde ihn gern Erik schicken. Bitte schreibe es einmal. |
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