Brev från Nanna till Märta den 6 november 1946 från Dresden

6. 11. 46

Meine liebe Märta!

Was magst Du nur von uns treulosen Menschen gedacht haben? So sehr waren unsere Gedanken am 25.10. bei Dir. Aber die Zeit war mir unter den Händen weggelaufen. Ich schaffe einfach das Tagespensum nicht mehr und abends war's meisten lichtlos. Also lass Dir erst einmal von Herzen die Hände schütteln und Dir alles, alles Gute wünschen. Und dann lasse sie Dir noch einmal voll Dankbarkeit für Dein feines Paket schütteln. Wir sind ganz entgeistert über Ulrich K.'s optimistische Erzählung, die wir mit unseren prakt. Erfahrungen absolut nicht in Einklang bringen können.

Vom 25.10. - 5.11. war Tante Hertha Ackermann bei uns. Das war für uns eine riesengrosse Freude. Ich liebe sie ja so ganz besonders. So viele Erinnerungen binden uns. Wir waren zusammen auf der Bastei und in Zinnwald. In Zinnwald war dicker Winter. — Auch bei uns war's eine recht kalte Woche, gestern hatten wir morgens -7° C. Nun scheint Gott sei Dank diese erste Kältewelle gebrochen zu sein, heute waren wieder bis +7° C. Das ist im Hinblick auf die 3 Ztr. Briketts die wir bekamen recht gut.

Zum Glück gibt's die sogenannten Presssteine jetzt frei verkäuflich. Bis jetzt wurden 2 Ztr. Kartoffeln pro Kopf ausgegeben. Das wäre recht wenig u. wir hoffen sehr auf mehr. In den HO Läden gibt's nun immer mehr Herrlichkeiten: echte Mohrenköpfe, Schillerlocken, Buttercrêmetorten usw. Auch Speck (1 Pf. 40,-), Wurst (100 gr. 5,-), Schokolade (die Tafel 9,- DM). Aber da wir augenblicklich nur noch 38,- [eller 78,-] in der Bank haben ist der Weg versperrt. Aber Otto hat schöne und grosse Aufgaben bei der Landesregierung, so dass wir ja auch einmal zu Gelde kommen werden, besonders da wir schon allerhand Aussenstände bei ihr haben. Dann läuft ein neues Sportplatz-Projekt a. d. Elster; ein Restaurationsgarten - Heidemühle - und 3 kleine Hausgärten. Wir müssen also dankbar sein, es läuft wieder an.

Rechte Sorge macht uns Tante Marga. Ihr Befinden war erst so gut und jetzt auf einmal verfällt sie zusehends, so dass wir ernsteste Sorge haben. — Wieder blieb dieser Brief, der mir so auf der Seele lag einige Tage liegen. An 2 Nachmittagen war ich im Krankenhaus. Es geht ein klein wenig besser, das Fieber — von dem man unheimlicher Weise nicht weiss woher es kommt liess nach, aber noch ist sie sehr schwach. Ich schrieb doch an den Helmuth und bat, dass wenigstens einer der Söhne einmal kommen möge. Nun telegraphierte Helm. gestern um Aufenthaltsgenehmigung für 14 Tage zwecks Erlangung eines Interzonenpasses. Da gibt's nun sehr viel Lauferei. Bescheinigung der Notwendigkeit des Kommens vom Arzt, Unbedenklichkeitserklärung vom hiesigen Stadtbezirk, Genehmigung vom Rat der Stadt Dresden. Im Stadthaus sagte man mir, dass es jetzt sehr schwer sei derartige Papiere zu bekommen aber in Anbetracht der Schwere des Falles wolle man mir dazu behilflich sein. Hoffentlich, ich hätte so gern einmal einen Sohn hier. Man müsste doch für den schlimmsten Fall allerlei wissenund Vollmachten bekommen. Grossvaters Grab ist ja noch hier. Vielleicht könnte man Tante M. da zu Ruhe legen. — Aber noch besteht ja eine kleine Hoffnung auf Gesundung. Grosse Sorge macht die Zukunft so und so.

Dein schönes Weizenmehl wurde hauptsächlich zu Weissbrot für Tante M. Sie verträgt so schlecht das schwarze Brot. So hast Du ihr und mir geholfen. Hab Dank. eine grosse Bitte: Hättest Du wohl noch Kinderschuhe für 1¼ + 2¼ Jahre? (20 + 22) Meine nette Nachbarsfrau (so nette Arbeiterfamilie) weinte heute so bitterlich weil sie für das Bübchen (1 J.) u. das Mädel (2 J.) so garnichts warmes und Schuhe anzuziehen hat. Vielleicht findest Du noch etwas, es wäre so schön. — Otto will Gerd für die grosse Überraschung bald danken! Ihr guten Leute!! — Wenn Otto am Dienstag aus Bockwitz Geld mitbringt geht endlich an Dich u. Rolf ein Päckchen ab.

So herzlich und dankbar grüsst Dich

Deine Nanna.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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