Brev från Märta till Gerd den 11 oktober 1946

Salta den 11. 10. 1946

Mein Gerd, seit dem 4. 9., d. h. am 4. 9 war Deine letzte Karte datiert, und seitsem habe ich nichts von Deiner Hand, d. h. doch, nämlich Schmidts Adresse heute. - Das ist schlimm. Drei Wochen ohne Post zu sein! Dabei schloß die letzte Karte: Mit den besten Vorsätzen für baldiges wiederschreiben. Hast Du wenig zu sagen oder viel zu tun? Ich sorge mich so wenn ich nichts höre.

Denke mal, Stefan hat sich ab und zu während des Sommers über sein linkes Bein beklagt, daß es weh täte und daß er damit nicht so schnell laufen könne, wie die anderen Kinder. Morbror dachte, daß es vom Wachsen käme u. ma. auch, denn Erik hat es als Kind gehabt. Nun ist es aber plötzlich schlimmer geworden u. Stefan hinkt u. kann kaum in einer Treppe gehen. Da bin ich zum Kinderarzt ins Akademische Krankenhaus gefahren u. er sagte gleich, Ja der Rücken ist ja schief. Ich erzählte von seiner Halsoperation mit 2 Jahren u. dann wurde Stefan geröntgt (?) u. es hat sich herausgestellt daß er an der linken Hüfte eine tillväxtförändring hat d. h. es ist "brosk" heißt wohl Knorbel auf deutsch, nicht wahr. Und das hängt mit seinem Entbindungsschaden zusammen, aber ist eine überkompensation der Natur. Es ist aber keine Inflammation u. muß nicht operiert werden. Nun soll ich zu einem anderen Professor, einem Chirurgen, schlimmstenfalls muß der arme kleine Stefan in einem Gipsbett liegen. Diesen Prof. Hultén, den Henning kennt, habe ich heute nicht erreichen können. Der andere hstte vorläufig vorgeschrieben, daß Stefan im Bett bleiben soll u. das Bein nicht anstrengen darf. Aber ich brauchte gar keine Sorge zu haben, er würde wieder ganz gesund werden.

Stefan war bis jetzt so nervös u. ungeduldig, aber die 3 Tage im Bett bisher haben ihm so lieb gemacht u. er ist so geduldig. Das ist doch bes. schlimm so gesund im Bett zu bleiben und ich mache ihm schon mit dem Gedanken vertraut, wie es im Krankenhaus ist. Ach ja! Hoffentlich wird dies nicht zu aufregend für uns beide (St. + mich). Gerd lilla.

Gulli war hier über eine Nacht, das war hübsch. Wir haben gemeinsam das Aussendepartement geschrieben, wegen ein Gerücht, daß man die Deutschen in Schweden zurücksenden will um dafür unsre deutsche Männer zu bekommen. Man hat auch eine große gemeinsame Petition ans Rote Kreuz gemacht. Gulli fand, daß sich Stefan und Rolf so ähnlich sahen, sie waren bloß grösser geworen, aber die Gesichter wären die alten.

Jetzt klingelt es so in meinen Ohren. Bist Du es? Ach, mein liebster Gerd!

Henning u. Lene waren 8 Tage in Sthlm. Sie hatten dort Kristina Söderbaum gesehen, aber niemand sonst hätte sie erkannt. Und wenn Greta Garbo da ist, da stehen die Leute stundenlang Schlange.

Die arme Karin hat heute Brustentzündung bekommen u. liegt nun wieder im Krankenhaus mit hohem Fieber. Und Erik tut seine kleine Tochter so leid, die nun mit kleinen babies zusammenschlafen muß, die sie schon 3 Wochen alt ist.

Nanna schrieb mir wie gesagt so nett, daß sie so viel eingemacht hat für sich und Mutti. Und sie war so glücklich über Päckchen von Dir. Aber warum höre ich nie was von Suse? Hast Du selbst noch was zu essen von den Geb.tagspaketen? Soll ich Dir wieder eins schicken? An welche Adresse?

Ich höre eben, daß bei Euch schon in den Bergen Schnee gefallen ist. Hier war Frost aber Stiefmütterchen und Studentenblumen blühen noch. Ingela wird heute 10 Jahre und da ist es auch 10 Jahre her seitdem Erik u. ich die Motorradpanne hatten und beim Bauern übernachten mußten auf dem Wege nach Upsala.

Ich habe Dir Fotos geschickt in fast alle zwei bis drei Briefe. Nun sagt Gulli, das darf man nicht. Hast Du sie bekommen? Marie Schwarz ist am Stadttheater in Stuttgart.

In Hoffnung und Liebe
Deine Märta

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
Till Liber hemsida  
Senast ändrat eller kontrollerat den 24 juni 2006.