Brev från Otto Schweitzer till Märta den 7 oktober 1946
Otto Schweitzer
Dresden A 46
Kleinzschachwitzer Ufer 3
Dresden den 7 Oktober 1946

Liebe Märta!

Nimm auch von mir recht recht herzliche Geburtstagsgrüsse und viele guten Wünsche an. Wie schön wär es wenn doch Gert jetzt auch dabei sein könnte. Wie ich die Bilder von den Jungens sah, dachte ich, wie schade das gerade in den Jahren, wo die Junges den Vater so als alles überragend sehen, Gert nicht bei ihnen sein kann. Aber eine Freude war es, auf den Fotos zu sehen wie gesund und kräftig sie sich entwickelt haben.

Ich malte jetzt nach einer früheren Skizze die Dresdener Frauenkirche von der Brühlschen Terrasse aus und alle sagen dass es gut geworden ist. Ach wenn man doch alles so rasch aufbauen könnte, wie man es malen kann. Ganz traurig wird man dabei wenn man die wundervollen Linien nachkonstruiert. Für meinen Grünflächenplan von Dresden bekam ich einen Preis, jetzt hab ich einen Grünflächen und Verkehrsplan für Chemnitz in Arbeit. Dort ist auch viel in der Innenstadt zerstört.

Mutti las uns gestern deine lebendige Schilderung von dem Besuch im Auto bei Helene und Henning im Sommerhaus vor. Ich kann mir alles nach meinen norwegischen Erinnerungen recht gut vorstellen. Sicher könnte man dort auch viele schönen Bilder malen. Wir waren jetzt wieder eine Woche im Erzgebirge in Georgenfeld bei Zinnwald. Ich habe dort der Bekannten das Dach mit Holzschindeln geflickt und dreschen geholfen. Auch einige Aquarelle hab ich dort oben gemalt. Einen Blick nach Böhmen hinein mit den wundervollen Bergkuppen des Böhmischen Mittelgebirges, die Caspar David Friedrich so herrlich zart auf seiner Böhmischen Landschaft gemalt hat. Es war für uns eine Freude im Neuen Zentralmuseeum im Schloss zu Pillnitz grade dieses Bild und einige andere schöne von Caspar David Friedrich wiederzusehen. Auch von Canaletto waren die meisten da. Aber auch viele Moderne sind da, die können aber nicht die Sixtinische Madonna und viele andere die man schmerzlich vermisst - vergessen machen.

Es wird viel getan mit Ausstellungen und Sonderschaues um Dresdens alten guten Ruf als Kunststadt wieder zu gewinnen. In der Nordhalle, dem ehemaligen Armeemuseeum, eine moderne Kunstschau.Früher eine reiche Käthe Kollwitz-Gedächtniss-Ausstellung. Da gab es viele interessanten Diskussionen über den Sinn der Malerei und der Graphik. Es ist wie nach dem ersten Weltkriege, es muss sich ausgären und abklären und wird dann wieder zum ewigen Quell der Kunst zurückfinden.

Nochmals Dir und den Kinder sowie Deinen lieben Eltern
recht herzliche Grüsse

Dein Otto

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 9 juni 2007.