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Brev från Märta till Gerd den 5 juli 1946 från Salta
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Den 5 juli 1946 Min lilla rara Gerd, hab Dank für Deinen Brief, geschrieben am Hochzeitstag und erst vier Wochen später hier. Und von Dresden gehen die Briefe nicht mal 14 Tage. Wie kommt denn das? Es muss ja entsetzlich sein für Dich nun wochenlang meine Jubelbriefe zu bekommen, wenn Du die Ablehnung schon hast. Ja, welche sind nun Deine Pläne? Kannst Du nicht noch einmal in der amerik. Zone versuchen, meinst Du? Giesecke kennt ja eine Dame dort, die hierher kommen wird. G:s Adresse ist Prof. Dr. Fritz G. 24 Hamburg 39, Bebel Allee 159. Er liegt im Krankenhaus, wir schreiben aber unter dieser Adresse. Wenn Deine Wege mal zu ihm führen sollten, sag auch Danke schön! Otto Ruge will helfen schreibt er heute, ich weiß nun aber nicht wo, ehe ich etwas weiteres von Dir erfahre. Nun fährt auch Graf Folke Bernadotte ins britische Hauptquartier um die schwed. Arbeit in Deutschland zu besprechen. Da will ich ihm vorher auch noch mal schreiben. Und vielleicht hilft sein Bruder, pappas alter Freund, Graf Carl B. mit einer Fürbitte bei der amerik. Gesandtschaft in Sthlm. Arbeiten kannst Du bestimmt hier. Ich kenne einen Arzt der es tut und wieviel einfacher wäre es für Dich als Ingenieur. Und Ingenieure werden so gesucht. Ja. das tun sie wohl meinetwegen, dass sie Dich reinlassen. Aber auch viele sudetendeutsche Berufsarbeiter sollen herkommen, ich glaube Glas und Leder, weiß nicht genau. Alle unsre Bekannten halten es für selbstverständlich daß Du hier arbeiten und wirken wirst. Das wird auch sicher gehen. Und gut gehen. Ich kann ja auch direkt schreiben und rund fragen. Aber deswegen brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen. Wenn Du bloß bald hier wärst, mein lieber, geliebter Gerd. Ach Du, ach Du. Du! Es ist so schön einen Brief von Dir zu bekommen. Als ich Stefan heute erzählte, sagte er: Mamma, då ha vi blivit ändå rikare! Reich an Briefe meinte er. Sie kommen meist sonnabends mit 14 Tage Pause. Am 10. Mai als ich abends mit meinen Freundinnen in Sthlm saß und aufgeregt war, kurz vor Miehes Ankunft, da sagte ich ihnen; "Wenn man sich schon jetzt so fühlt, wie wird es einem zu Mute sein am Tage vorher, ehe wir unsren Männern begegnen." Ja, mit diesem Gedanken beschäftige ich mich oft und jetzt träumte ich, daß Du morgen kommen solltest und ich lag und war bloß erstaunt daß ich es für so selbstverständlich hielt und so ruhig war. Ach ja, ich träume so viel von unsrer erster Wiederbegegnung bei Tag und Nacht. Ja, ist es nicht wie eine Verlobungszeit? Dieselbe Sehnsucht, und doch noch grösser. Für Dich die ungewisse Aussicht auf das Leben im neuen Land wie für mich damals. Bloß mit dem wesentlichen Unterschied, daß wir nun genau wissen, wie eng wir zusammen gehören und wie glücklich wir zusammen sind. Und die Kinder. Ja, es wird gut gehen. Mia hat uns eingeladen mit dem Kanu nachzukommen, wenn es brenzlich wird. Auf Salta haben wir Bilder aufgenommen, ich schicke bald welche, wenn ich eine Bestätigung daß Du die andern gekriegt hast, habe. Ich schreibe 1 Brief und 1 Karte wenigstens pro Woche. Hast Du noch Briefmarken. Sag, wenn ich Dir bald wieder Pakete schicken kann. Laß mir das tun. Nun hoffe ich ja doch, daß Gen. Steffens was machen wird. Gott segne ihm, wenn er es kann. Herr Röntsch sitzt seit über einem Jahr in Lübeck und wartet, inzwischen hilft er glaube ich in der schwed. Kirche, aber es geht ihm ja auf die Nerven keine richtige Arbeit zu haben. In Sv. D. stehen täglich viele Stellen für Ingenieure. Ich habe schon auch Bertchen e... angeboten. Heute waren wir wieder baden. Ich konnte leider nicht, und saß am Ufer mit lilla Ää auf dem Schoss, da sah ich Rolf auf dem schmalen Steg plötzlich wackeln und "da lach er" wie Tante immer sagte. Ich stürzte hin und schrie auf Mamma u. Erik, kam aber selbst erst hinund zog ihn hoch. Es war nicht tief, aber viel Stein und ich schrie ihm den Kopf rauf zu strecken, das behauptet er gehört zu haben, konnte aber nicht und sank unter der Wasserfläche und glaubte daß er ertrinken würde. Der arme er lag dann eine Stunde bei mir, ganz ergriffen und der kleine Erik wich nicht von ihm, und streichelte ihn immerzu und sagte: Ja, lilla Wonnen (Rolf) har du ramla i brunnen, lilla Rollen! Es war rührend den Kleinen zu sehen, wie schnell er es kapierte, daß was Ernstes vorgefallen war. Die Erdbeeren fangen an und auch die Blaubeeren. - Musikalisches: Ich geniesse eine neu Konzertreihe Berühmte Symphonien. Gestern Haydn mit dem Paukenschlag und Mozart nr. 40 g-moll. Und das letztere kannte ich wieder! - Wann werde ich ein schwed. Buch schicken dürfen? Komm bald und hilf mir weiße Haare rausreissen. Ich aber bleibe Deine, Deine Märta Wills Du zu Hellmuth oder was mit List anfangen. Dörries, Helmuths und auch Werner Ackermanns Kinder können vielleicht hierher kommen später. Gib mir die Adressen. Viele wollen ja Kinder haben, wo sie ein bißchen wissen, was es für welche sind. Gott behüte Dich. Märtalein. |
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