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Brev från Gunhild till Gerd den 28 juni 1946
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Fr. G. af Sillén, Enköping Schweden an Dipl. Ing. Zenker, Vilsbiburg bei Dr. Rud. Kastl Salta den 28. 6. 1946 Mein lieber Gerd! Wie lange ist es eigentlich her, seit ich an Dich geschrieben habe? Ich habe ja auch diesmal so lange gezögert in der Hoffnung ich konnte an Deinem Geburtstag Dich ganz persönlich zu meinem Herz drücken! Aber diese Hoffnung scheint jetzt wieder gescheitert zu werden. Das Schreiben war uns ja so lange vermeint und dann --- ja was sollte man schreiben. Märta hat Dich wohl jetzt etwas von unserem Alltagsleben erzählt. Und daß wir an Dich immer dachten, hoffe ich daß Du wirklich trotz Entfernung vernommen hast. Mein armes Kopf hat bei Tag und Nacht gearbeitet um auszudenken, wie man irgendwie etwas für die armen getrennten tun könnte. Alles war ja bis jetzt vergebens. Heute Abend fuhr mich durch das Kopf daß ich doch an Herrn Truman schreiben muß, wenn Erik wieder da ist mit seiner Schreibmaschine und seinen Sprachkentnissen. Es tut mir so leid daß Du deinen kleinen Sohn Erik nicht kennen lernst, ehe er so richtig entwickelt ist. Es geht bei ihm jetzt so schnell. Schon lernt er kleine Sätze zu sagen. Und hat ein wunderbares Gedächtnis und ein Vermögen zu kombinieren. Er ist ja auch so lieb und still und weint ja höchst selten. Alle Leute hier auf Salta haben ihn furchtbar gern und verwöhnen ihn mit Kuchen und Bonbons! Stefan ist wirklich klug und denkt ja so viel immer. Und was er sich noch um alles in Dresden gut erinnert. Gestern hat Frau Schwarz angerufen und als Märta ihm das erzählte, hat er sogleich von dem kleinen Jungen gesprochen. Und als wir ihm von Hans Chri. erzählten, da sagte er sogleich, daß er sich so gut erinnerte, wie er mit "eisernen Soldaten" mit ihm spielte. Lieber, lieber Gerd, kannst Du Dir eigentlich vorstellen wie wir uns alle nach Dir sehnen? Es war so hübsch für Märta die Familie Miehe hier zu haben. Sie lebte dann gewißermaßen auf und zurück in die alte glückliche Zeit. Unter anderen Schwierigkeiten ist es ja bitter so bloß ein Kind bei den Eltern zu sein und keine eigene Freunde zu besitzen, aber da kamen diese nette Leute wie nachgesandt. Helene sorgt sich sehr um die Mutter. Sie bekommt jetzt ganz bestimmt Einreisevisum hier in Schweden, wenn sie bloß die Ausreisegenehmigung hätte! Ich war im Mai zu Hennings Geburtstag in Domnarvet. Sie haben ja ein schönes Haus für Sommerfrische jetzt, was Märta Dir vielleicht schon erzählt hat. Die Mädchen sind so nett und lieb, die kleine Ann-Margret eine wahre Schönheit. Hennings größte Sorgen sind die großen Steuer! Das ist vielleicht ein bißchen zu viel gesagt, er hatte ja immer während des Krieges seine langen Einrufungsperioden, was ihm eine wahre Plage war. Von dem lieben Onkel in Norwegen habe ich dann und wann einen Brief. Er ist immer so rührend teilnehmend. Scheint aber daß er jetzt nicht mehr tun kann. Ob jetzt da die Post geht, ein persöhnliches Schreiben von ihm etwas tun könnte? Es ist jetzt spät geworden und mein kleiner Schlafkamerad Rolf wartet zwar unbewußt aber trotzdem auf mich. Er kommt jeden morgen zu mir gekrochen. Er ist sehr warm und weich und ähnelt dabei meinem lieben Per, wie in manchen Sachen. Das sagen alle, die ihn auch bloß flüchtig sehen. Auch der kleine Erik ähnelt sehr den ersten Aufnahmen von Per. Im Herbst wird es 9 Jahre her! Und stell Dir vor, was für Jahre! Jetzt komme ich dann endlich zu der Hauptsache: Dir von meinem ganzen Herzen zum Geburtstag alles, alles Gute zu wünschen. Was ich in diesem "Gute" einschließe, verstehst Du genau so gut wie ich. Wir danken Gott, daß alles für uns trotzdem so gut abgelaufen ist. Viele haben es ja viel schlimmer. Ich liebe zu denken, daß Mimi in ihrem Himmel für uns gebeten hat und gelenkt und auch weiterhin, was sie kann, tun wird. Märta lag ihr ja während dieser ganzen Zeit so ums Herz. Wie sie immer, immer für sie zu Gott flehte! Ja, nochmals lieber Gerd die besten Wünsche und Grüße von uns allen. Deine Schwiegermutter |
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