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Brev från Märta till Gerd den 26 juni 1946
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Salta den 26. 6. 1946 1 Foto Mein eigener, geliebter Gerd, so waren es sogar 12 Jahre her. Hast Du auch an Graupa gedacht gestern? Ich erwachte von einem Liebestraum um sieben. Und dachte an Dich. Den ganzen Tag über. - So oft habe ich Dich gebeten zu sagen, ob Du auch um 20 Uhr, schwed. Zeit montags an mich denkst. Ich gestehe, ich habe es jetzt im Sommer oft vergessen, aber den Winter über nie. Und Du? Wir waren gestern baden zum ersten mal, lilla Erik und ich. Stefan u. Rolf haben schon vor paar Wochen richtig im Wasser gespielt und wir Großen, standen atemlos auf dem Ufer über so viel Mut. Und nun war Ää auch so tüchtig und stiefelte einfach raus und zog mich mit, bis es ihm über die Schultern ging. Es ist Schade daß wir nicht früher heirateten. Von jetzt aus gesehen. Da hätte ich jetzt sicher 5 Kinder, das möchte ich ja nicht aber sonst. - Hast Du die Bilder von Ääs Taufe bekommen. Von Klotzsche bekam ich keine. Du kannst Dir nicht denken wie es war für mich die sechs Wochen nach den Angriffen auf Dresden wo ich kein Lebenszeichen von Dir bekam. Um halb eins am 14. saß ich hier oben und hörte es im Radio, ich konnte nicht weinen, nicht denken, gar nichts. Mamma stand unten und schrie laut. Und dann die genauen Berichte, daß pro Person eine Brandbombe geworfen wurde ungefähr, nach drei Wochen kamen genauere grausige Schilderungen, wie man keinen Schritt machen konnte in Dresden ohne auf Leichenteile zu treten, und immer noch nicht wissen, ob Du lebst. Die Zeitungen überboten sich in ihren Schilderungen. Es war eine psychische Tortur. Schließlich kam eine Karte von Dir: Im nächsten Brief wolltest Du mir eine ganz große Überraschung mitteilen. - Die Überraschungskarte wurde dann für mich, daß Du lebst. Daß Du nach Vilsbiburg gehen wolltest erschien eine Nebensache zu sein. Aus Vilsbiburg kamen 2 Karten und ein Brief. Die letzte Karte am 9. 3 abgeschickt. Hast Du das Telegramm "Innigste Grüße" bekommen, daß ich schickte, als kaum noch der Telephonverkehr aufrecht erhalten wurde. Ich kann wohl sagen, daß die schwerste Zeit, war die sechs Wochen nach dem Angriff in Dresden. Daß Du den Kriegsschluß überleben solltest dort unten, daß hoffte ich sicherer, wenn auch mit großer Unruhe. Wenn man Monate hindurch unter einem solchen Druck lebt, wird man irgendwie gleichgültig und kalt. Und negativ. Am 18 April war ich in Stockholm bai Frau Röntsch, ihr Mann sitzt seit einem Jahr in Lübeck und wartet auf Reiseerlaubnis, und traf dort Elsa. Nach 2 Monaten Lager in Lübeck wurden sie endlich rübergelassen, die Schwedinnen. Es sei eine furchtbare Zeit gewesen dort, sie hätten sich gezankt und geschlagen. Am 13 fuhren sie mit Rot Kreuz Bussen von Dresden ab. Elsa zögerte bis zuletzt ob sie mitfahren sollte, sie erfuhren am morgen erst von Graf Bernadottes Aktion, und Elsa lehnte erst ab, und raffte eine Stunde vorher ihre Sachen zusammen und an dem Abend wurde ihr Haus zerstört. Sie sagte zu den anderen Frauen, die ihre Männer in Deutschland lassen mußten, daß sie froh war, daß ihr Mann tot war, und daß sie niemand dazulassen hatte. Überall sahen sie ja das Flüchtlingselend. Rut war sogar ohne ihren Mann zu treffen einfach zu Fuß nach Finsterwalde gelaufen. Er kam nach Haus und war verzweifelt daß sie weg war. Schließlich konnte sie ihn doch telephonisch erreichen und da war er froh, daß sie weg war. Elsa sagte, daß Du genau der alte wärst und nicht schlecht ausgesehen hast. Das war schön zu hören. Und nun sagten ja Miehes dasselbe. Miehes waren so stolz, daß sie uns nun überholt haben, sie sind ja sechs Jahren verheiratet, und wir bloß fünf wenigstens de facto. Die Ablehnung, wurde sie irgendwo begründet? Was kann ich machen noch und Du? Kann man nicht erfahren, warum man Schwierigkeiten macht? Kannst Du nicht rein menschlich bitte, bitte sagen, lassen Sie mich doch zu meiner Familie, die ich so sehr liebe? Wird Deine Sache in Frankfurt entschieden oder in U.S.A.? Bernadotte war jetzt in Amerika, ich weiß nicht ob er da was für uns alle tut. Wir müssen hoffnungsvoll bleiben, ich kann mir nicht denken, daß es lange dauert bis die Erlaubnis für die Bernadotte arbeitet, kommt. Aber ruhe nicht eher als bis Du die Genehmigung hast. Dann erst beginnt wieder das Leben für mich, wenn ich meinen geliebten Gerd wieder in die Arme habe. Viel Liebe und einen kleinen Kuß
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