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Brev
från Otto Schweitzer till Stefan den 27 april 1946 från Dresden
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Es ist Sonntag Nachmittag. Wir sitzen im Garten unter den Bäumen auf einer Wiese. Da denke ich an meinen Patenjungen im fernen Schweden. Unten auf der Elbe fahren die Schiffe. Personendampfer und Frachtkähne. Ganz hoch fliegen die Möwen und kreischen genau wie an der See. Du hast nun bald deinen 6. Geburtstag. Sicher bist du schon ein grosser Bursch geworden. Ich kann mir vorstellen wie das Leben auf dem Gut dir gefällt. Ich brauche nur daran zurück zu denken wenn du mit deiner Mutter aus eurer Stadtwohnung in unsre Gärtnerei und Garten kamst und wie du da anfingst aufzutauen, herumzusausen und alles aufzunehmen. So würdest du mit viel Freude auch unser jetziges Heim und unsern Garten betrachten. Das Häuschen ist aus Holz - hier sagt man Baracke - aber dort in Schweden ist es ein richtiges Haus! Ich las und betrachtete heute das Buch von Carl Larsson "Das Haus in der Sonne", schwedisch "Ett hem" und "Larssons". Darin erinnert viel an unser Haus. Vor allem wohnen auch so glückliche Menschen darin - dein Patenonkel Otto und deine Tante Marianne. Und alles haben sie selbst eingerichtet auch und bemalt und viele Bilder hängen darin von uns. Der Boden - ein Sandhaufen und Lagerplatz - ist mühsam von uns umgearbeitet und trägt nun schon das erste Gemüse und viele Blumen. An der Hofecke ist ein Kaninchenstall. Darin sind 4 Alte und 16 Kleine. Der Stall ist wie ein Gewächshaus gebaut und es stehen noch kleine Tomaten, Tabak und andere grüne Pflanzen darin. An den kleinen Kaninchen hättest du sicher auch viel Freude. Unser Zu diesem Jahr blüht hier so vieles miteinander, was sonst lange nacheinander zum Blühen kommt. Es fehlt dringend Regen. In unserm kleinen Garten können wir die Regenbrause aufstellen und giessen. Ganz frech sind hier die Vögel - sonst hatten sie diesen Winkel ganz allein für sich und müssen sich erst an uns gewöhen. Zu deinem Geburtstag werde ich besonders herzlich an dich denken. Ich wünsche dir alles Gute - Gesundheit und viel Freude. Die Mutter wird dir den Brief vorlesen und vielleicht mich einmal berichten wie es dir geht und wenn es möglich sein wird bitte sie um ein Foto. Sonst hören wir durch die Grossmutter Zenker die täglich kommt von dir und Euch.
[Tante Nannas handstil:] Auch Tante Nanna grüsst Dich und die Mutter und Brüder und die Grosseltern sehr vielemals. Wir möchten so sehr gern einmal zu Euch kommen, aber das geht nicht. Vielleicht kommt Dein Pappa ja nun bald. Das wird fein.
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