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Brev från Märta till Gerd den 12 april 1946
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Märta Zenker, Salta, Enköping, Schweden an Dipl.Ing. Gerd Zenker, bei Dr. Rud. Kastl Vilsbiburg, Niederbayern, Kirchstraße 50 Salta den 12. 4. 46 Mein liebster, liebster, Gerd, wie lange Zeit werden wir wohl nun die Briefe brauchen? Nun, wo soll ich denn anfangen, ich habe Dir ja so viel zu sagen. Einen R.K. gruß habe ich zurückbekommen, ein eigenartiges Gefühl, das Papier wieder in die Hand zu bekommen. Es war der vom Oktober und er kam am 2. april. - Womit sollen wir denn nun unser Gespräch anfangen. Ach was für Lücken gibt es nicht zu füllen allein im Bezug auf die Kinder. Ich muß Dir zuerst erzählen, wie ein Tag bei uns ist nun. Ich schlafe in meinem Zimmer, ganz allein. Das alte weiße Bett ist raus. Vorne rechts am Fenster habe ich einen Divan aufgebaut, sehr breit, da können alle drei mich früh besuchen und das tun sie auch. D. h. Stefan, der in Erik ehem. "Kabyssa" schläft, wacht fast jede Nacht auf, wenn es noch dunkel ist, und geht ganz unbeirrt ohne Licht anzuzünden zu mir und oft wache ich früh auf ohne zu merken gleich, daß der kleine Stefan neben mir schläft. Um halb neun ruft der gute Erik, der sich immer "Ä-ä" nennt: "Redan kissat sängen." Und bald kommt Rolf im rosa Nachrhemd ganz lautlos aus sängkammaren geschlichen und klopft immer. Während ich sie anziehe, kocht ma. Haferflocken u. Eier. Dann overalls anziehen und raus mit ihnen. Rolf fährt immer Holz, Ää geht zum Hühnerhaus und Stefan macht dies und das. Gern sprechen sie mit den Arbeitern. Rolf will "hästkörare" werden und Stefan "bilkörare". Denk mal zu Advent habe ich Stefan Stille Nacht u. Hosiann spielen gelehrt auf dem Klavier mit einer Hand. Und seitdem sitzt er nun oft da und spielt Melodien nach seinem Gehör. Wir haben zuerst eine lange Liste gemacht was er alles bringt: Tannenbaum, Brahms Wiegenlied, Choräle und viele schwed. Kinderlieder und Schlagers. Aber nun kann er wirklich alles was er singen kann und er lernt so schnell eine Melodie. Neulich habe ich ihn aus dem Bett geholt als in Beethovens 9. der Freudenchor kam. Da bemerkte er: Mamma, det skulle inte heta Alle Menschen werden Brüder utan alla mänskor bli kusiner, för fruar kan ju i alla fall aldrig bli bröder med varann. Dies erzähle ich bloß damit Du ein bißchen von seinem Geistesniveau erfährst. Ach Du, wie schön es ist wieder schreiben zu können. Abends gehen sie nun 19 Uhr ins Bett. Da lese ich ihnen fast immer ein paar Märchen oder biblische Geschichten vor. Stefan kennt schon sehr viel davon. Rolf ist so hübsch geworden, ausgesprochen die Schönheit in unsrer Familie mit seinen Samtaugen, die immer so freundlich strahlen. S. + R. möchten so gern eine Schwester haben, ich habe aber erklärt das geht nicht, dazu braucht man auch ein Pappa. Sie haben mich aber überbewiesen: Lilla Erik haben wir ja ohne Dich bekommen. Da habe ich nun ohne was zu verbergen in allen Einzelheiten erzählt wie alles vor sich geht. Und ich bin so zufrieden mit mir daß ich das gemacht habe. Henning ist so unglücklich, daß seine Kinder da nicht Bescheid wissen. In dem Alter ist es ja viel schwieriger. Denk Mariann ist 11 Jahre. Renate wurde 10 als wir zu ihnen kamen. Aber ich habe S. + R. gesagt, man darf über solche Dinge bloß mit den Leuten sprechen, die hier zu der Familie gehören. Da hat Stefan zu Eriks Frau gesagt ein paar Monate nach der Hochzeit: "Tante Karin har Du inte fått nån kärna av morbror Erik än, så Du kan få ett litet barn? Jag skulle bli så glad, om Du fick det." Var det inte rart? Nu vet han också, att hon ska få det i mitten på september. Dann sitzen mamma u. ich am Radio und stopfen u. stricken oft bis um elf, pappa ist sehr oft fort. Im Bett lese ich ein paar Seiten, habe Faust diesen Winter studiert, jetzt gerade Was there love once von Raymond. Und ich lerne spanisch im Rundfunk. Das macht viel Spass. Da freue ich mich natürlich besonders auf Bertchen. Felice Pasquas! Vom Eise befreit sind zwar die Bäche, der Mälarsee aber noch nicht und wir haben ein wenig Schnee bekommen. Gerd, mein Liebster, das Bild von Dir in der Jacke [troligen denna /SZ] da ist so gut, wie noch keines von Dir. Ich liebe es so und gucke Dich immer tief in die Augen vorm Einschlafen. Gott hilfe uns, daß wir Dich bald hierhaben. Ich betete mit Ää: "och att pappa får komma till Salta", då sa han: "Pappa ingen mössa, fryser huvet." Stefan u. Rolf kannten Dich gleich wieder. Ich bin auch zuversichtlich. Wir gehören immer zusammen. Du mußt sagen: Ich will zu meiner Frau, ehe sie ganz alt u. hässlich wird. Ich habe ja Jubiläum dies Jahr. Weißt Du noch Deinen Geburtstag damals? Viele Küsse und Liebe. Schreib bald wieder. Montags um 20 Uhr denken, nicht vergessen. Kuß, mein Gerd, Deine Märta |
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