Brev från Gerd till Märta den 23 februari 1945 från Vilsbiburg

Gerd Zenker bei Dr. Rud. Kastl, 13 b Vilsbiburg (Niederbayern)

Älskade lilla Märta!

Det är så ohyggligt länge sen jag hörde något av Dig. Och hur är det vice versa? Det gör mig så ont att veta, att Du går och oroar Dig så länge efter anfallet på Dresden utan att höra nånting närmare. Tråkigt att behöva sitta och skriva på ett språk som man ej alls behärskar, men nödvändigt är det ändå, för det sitter en kollega bredvid mig och "gör långa ögon". Ja du lilla vän, jag har det inte alls dåligt, må Du tro. Jag har så mycket att berätta, men var ska jag börja?

Egentligen hätte ich gleich nach dem Angriff Dresden verlassen können, ich hatte nur noch alles Erreichbare aus der zerstörten Hochschule zusammenraffen müssen, um möglichst reibungslos hier unten weiterarbeiten zu können. Aber ich wollte doch unsre Wohnung noch soweit herrichten, daß ich sie mit gutem Gewissen Ausgebombten, Schlesiern oder Russen überlassen konnte.Versuche einmal Dir vorzustellen, was es für ein Gefühl ist, alles im Stich zu lassen mit der Aussicht, es nie wiederzusehen. Das ist ja beinahe so schlimm wie ausgebombt zu sein, nicht wahr?

Sehr viel Zeit kostete es, alle Wege zu Fuß machen zu müssen. Von Laubegast nach Klotzsche 3 ½ Stunden, von Kl. zur Hochschule 2 ½ Stunden usw. Zur Hochschule war es außerdem schwierig, weil man ja durch die Stadt muß, oder das was früher die Stadt war.

Das Gepäck, das ich mitnehmen wollte, packte ich in unseren Kinderwagen, der für diesen Zweck noch ganz brauchbar schien, und wollte damit nach Freital schieben u. von dort aus mit dem Zug wegkommen. Als es soweit war, sank mir aber doch der Mut angesichts der hochgetürmten Ladung und des bevorstehenden vierstündigen Marsches! Ich stieg deshalb in Kl. in einen überfüllten Flüchtlingszug, fuhr bis Neustadt, dann über Friedrichstadt nach Coswig. Die Fahrt von K. bis C. dauerte acht Stunden! In diesem Stil ging es über Leipzig und Hof weiter nach Landshut. Eine unglaublich langweilige und anstrengende Fahrt, die drei Tage und zwei Nächte dauerte.

Vilsbiburg ist ein kleines Städtchen nicht weit von Landshut. Abends um 6 kam ich hier an, hatte keine andere Weisung als: Sie gehen nach V., dort ist Herr Weymann, der für Sie Quartier besorgt hat und besetzt hält. Dort fangen Sie an zu arbeiten. Alles Weitere hören Sie später. Das war etwas mager, nicht wahr? Auf der Post erfuhr ich W's Adresse, aber dort war nur zu erfahren, daß er am Morgen desselben Tages nach Dresden zurückgefahren war. Da stand ich nun. Der ganze Ort überfüllt von Flüchtlingen. Aus Gnade und Barmherzigkeit wurde ich in einem Gasthof noch in einer Dachkammer mit 4 Betten untergebracht. Sehr schmutzig und unbehaglich.

Am nächsten Tage wollte ich mir ein Privatquartier suchen. Das schien aber ganz unmöglich zu sein. Da traf ich zu meinem Vergnügen einen Jüngling von schöner Gestalt! Und das war mein geliebter Chef, Herr Professor List! Der hat es also auch recht eilig gehabt, aus Dr. wegzukommen und in ruhigere Gegenden überzusiedeln! Men inte var han ensam inte. Du kommer visst ihåg allt ont vi pratade med Miehes, Martinsons osv. om honom och sin fru v.d.B. Nu blir det nog snart hela staden som pratar om honom och sin fru v.d.B.! Herr Z., es ist gut daß Sie dasind. Die Quartierfrage ist sehr gut gelöst, wir haben über 20 Privatzimmer beschlagnehmen lassen, gleich kommt Frau v.d.B. und wird Ihnen Ihr Quartier zuweisen! Schön, so plötzlich aller Sorgen ledig zu sein.

Nachmittags zogen wir durch den ganzen Ort und sahen uns verschiedene Zimmer an. Das beim Metzger wäre ja recht nahrhaft gewesen, war aber ein Doppelzimmer und etwas dunkel. Schließlich entschieden wir uns für den Doktorund das habe ich bisher noch nicht zu bereuen gehabt! Ist es nicht erhebend, in so hoher Gesellschaft auf Wohnungssuche zu gehen? Dann mußte ich gleich in die Arbeit steigen, ohne mir die Stadt näher ansehen zu können, und fuhr am nächsten Tag (Montag) mit L. im Auto nach München. Mit der Eisenbahn war wieder einmal garnicht durchzukommen , obgleich die Entfernung doch recht gering ist.

In V. gibt es jeden Tag mehrere Male Alarm, den aber kein Mensch wirklich ernst nimmt. Ebenso wie wir früher in Dr. Bei klarem Wetter sieht man oft große Geschwader vorbeifliegen. Kein schönes Gefühl, wenn man schon erlebt hat, wie es ist im Ernstfall. Hoffen wir, daß die Ruhe der Vilsbibürger begründeter ist als die der Dresdner!

Ursprünglich sollten nur wir beide, Kollege Herschmann aus Graz und ich, nach V, um von der umständlichen Eisenbahnverbindung nach Mü. unabhängig zu sein. Durch die Zerstörung Dresdens hat sich die Lage aber mit einem Schlage geändert, und es kommen im Lauf der nächsten Zeit eine ganze Anzahl von Leuten herunter. Auch Bertchen! Wahrscheinlich bringt er auch Mia und den Kleinen mit. Martinson ist auch zu erwarten.

Ach weißt Du, wenn nicht die dunkle Zukunft wäre und der täglich schmerzende und bohrende Gedanke an die verlorene Heimat, es wäre wunderbar, ein idyllisches Leben hier unten, wie man sich's kaum besser wünschen kann. Was aus dem übrigen Labor wird, weiß ich noch nicht. Vielleicht Radeburg, wenigstens vorläufig. Es ist natürlich hart für mich, ohne meine vielen Mädchen arbeiten zu müssen, jeden Dreck muß ich selber machen. Wenn nun wenigstens Pappas Gisela hier wäre. Aber ein Mädchenpensionat können wir nicht gut errichten, es hat so schon Mühe genug gekostet, trotz der Flüchtlingsscharen ein Unterkommen für uns alle zu finden.

Weißt Du, daß Mammas Gisela ein Brüderchen bekommen hat? Hertha hat es zur Welt gebracht. Es kann auch ein Schwesterchen sein.

Vilsbiburg 1945

Wie soll ich Dir Vilsbiburg beschreiben? Es hat 3000 Einwohner, wirkt aber kleiner als ½ Enköping. Es besteht in der Hauptsache aus 2 Straßen, von denen die eine mehr ein Platz ist. Umgeben von reizenden kleinen Häusern, an der einen Seite abgeschlossen von einem alten Stadttor, auf der anderen Seite von einer Brücke über den Fluß (die Große Vils, im Gegensatz zu der noch kleineren Kleinen Vils). Bei Mondschein ist das Ganze ein vollständiges Spitzweg-Idyll.

Ich brauche von meinem Arbeitstisch zu List ungefähr so lange wie in Dresden vom Zennerbau ins Labor zu Ullmann hinüber und bin dabei doch quer durch die ganze Stadt gegangen. Da ich täglich 2 Stunden Fahrzeit spare, hoffe ich, hier gut arbeiten zu können u. nicht immer so weit im Rückstand zu bleiben wie in Dresden.

Nun ist das Papier zu Ende und der postalische Februar in 20 Minuten abgelaufen. Hoffentlich bekommst Du den Brief in absehbarer Zeit! Liebste! Meine Liebste, wie sehne ich mich danach, mit Dir zu sprechen. Briefe sind ja nichts.

Immer Dein Gerd.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 24 juni 2006.