Brev från Elisabeth Zenker till Märta den 11 januari 1945

11. 1. 45

Meine liebe Märta!

Gewiss habe ich Dir noch garnicht für Deinen lieben Brief gedankt u. tue es nun endlich u. gratuliere Dir zugleich zum neuen Jahr, das uns hoffentlich Wiedersehen u. Frieden schenkt. Herzlich gedachten wir Deiner u. Deines prächtigen Jüngsten an seinem Tauftag, wie gern wäre man da dabei gewesen bei der schönen Feier. Wenn Helenes- und Nachbars-Kinder mit dabei waren, hattet Ihr ja einen richtigen kleinen Chor! und hinterher schmausten alle vergnügt Deine feinen socker Kakor und lutschten Karameller.

Da will ich Dir nur gleich meine Schande gestehen: ich fand in einem Carton, als ich Haferflocken für Gerd heraus nahm eine Tüte Bonbons, konnte nicht widerstehen u. ziehe sie mir zu Gemüte, wenn ich bei meinen 3x Besuchen wöchentlich dort heize, koche etc. Bist Du mir böse? ich sollte sie eigentlich eben so treu verwahren wie die Einmachebüchsen, von denen noch keine geöffnet ist. Fleisch hatten wir immer genug, allerdings schneide ich für Gerd immer Speck ab. Das getrocknete Elchfleisch würde ich ihm gern auch mal machen, weiss aber nicht wie man das sachgemäss zubereitet. Schreib mir doch da mal ein Kärtchen. Ob Du Gerd mal bisschen Trockenmilch schicken könntest? die fehlt etwas [zu] seinen Haferflocken oder Griesbrei mitnehm.. [ett hörn bortrivet]. ¾ l Magermilch bekommt er wöchentlich. Sehr fein waren die Brühwürfel. Mehl dürft Ihr wohl nicht schicken? da könnte ich mal extra was backen.

Na, nun genug mit diesem Magentema. Aber alle sagen, dass Gerd gut aussieht u. das ist ja nun sehr Eurer Fürsorge zu danken. Wenn es nach mir ginge, fähre ich jeden Tag heraus, so lange es so kalt ist. So eine Mansarde kühlt gar zu schnell aus. Aber weisst Du, Du wirst Dich doch auch mal im Winter an Klotzsche freuen, die Kinder haben dort schon auf den stillen Strassen voller Schnee ein Paradies mit Ski u. Schlittenfahren. Und wie schön wird es erst im Wald im Sommer sein! Da müsst Ihr Eure schöne Heimat nicht zu bitter vermissen. Ein Schwimmbad ist ja auch nur paar Minuten entfernt im Walde. Zu besorgen ist auch angenehm, die Inhaberinnen von Kolonial- u. Grüngeschäft sind sehr freundlich. Leider ist nur Kl. jetzt vollgestopft von Evakuirten, vor allem hörst Du bald mehr litauisch als deutsch, da muss man oft lange warten im Geschäft, d. h. die Milch bringe ich aus Dresden mit um noch Zeit zu sparen.

Es geht uns allen gut, Hertha war nur etwas "grippig", hat aber trotzdem Dienst getan. 7 Tage musste sie über Neujahr aussetzen, weil eine Wöchnerin Gesichtsrose hatte u. Hertha der Bazillenrägerin sein konnte. Das waren ganz schöne Ferien mal. In der Gärtnerei (Gewächshaus, Tomaten ...) möchte ich [bortrivet] ...fangen, hab aber noch nicht den Schwung gefunden bei Schnee u. Kälte. Der Park ist heute ein Märchenwald.

Nun ade, liebe Märta, sei mit Deinen Schätzen u. l. Eltern tausend x
gegrüsst von Deiner Mutti

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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