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Brev från Gerd till Märta den 25/31 december 1944 från Dresden
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| Gerhard Zenker, Klotzsche, Mozartstr. 8 an Frau
Märta Zenker, Salta, Enköping, Schweden
25. 12. 44 Märtalein! Nun sitze ich bei Mutti sozusagen unterm Christbaum - ja ja, es ist etwas wert, einen Gärtner zum Schwiegersohn zu haben! - und schreibe einen Weinachtsbrief an meine Liebste. Nicht zu früh, wenn ein Brief zwei bis drei Wochen braucht, nicht wahr? Aber schon ein paar Wochen lang habe ich kaum Zeit zum Luftholen, und die durchgearbeiteten Nächte lassen sich nur noch mit Mühe nachzählen.Ganz gut, daß Du nicht da bist, sonst dürfte ich das am Ende garnicht? Sei unbesorgt, ich bin zwar etwas älter geworden, bin aber immer noch sehr schön. Andererseits brauchte ich Dich doch sehr notwendig, denn wer soll mir sonst meine Briefe schreiben? Kära lilla älskade Märta. Ich habe ja gestern abend ohne Unterbrechung an Euch gedacht. Denke Dir, welches Glück ich hatte: am 24. früh kam Dein Weinachtsbrief! Glaube mir, er war das Allerschönste am ganzen Weinachtsfest dieses Jahr. Du bist so unaussprachlich lieb - und geliebt! Ich freue mich auf Deinen Bericht von Eurem jul. Ich habe alle Stationen verfolgt, so gut ich konnte. Schön, daß dies Jahr der 24. auf den Sonntag fiel, und auf diese Weise schon der Vormittag frei war. Es war sonst aber auch schön, mittags nach Haus zu kommen in unsre festlich geschmückte Wohnung! Weißt Du noch auf der Emser Allee? Voriges Jahr war es am allerschönsten, meinst Du, das meine ich glaube ich auch. Na und diesmal - schon das Adventfeier muß doch ein Ereignis gewesen sein mit den sechs Kinderaugen! Für mich war es "bissel schön und bissel nicht schön". Ad 1: Ich brauchte keine Verse zu produzieren, zusammenzunageln, auszuschwitzen!! Ad 2: Ich konnte Euch garkeine kleinen Geschenke einwickeln. Das war wirklich trist und traurig. Und dabei seid Ihr ein so dankbares Publikum, zufrieden gestellt mit einem kleinen Nichts, wie z. B. einem kleinen Zettel in einem weißen Kasten, von dem Du sprichst! x x Mittags fuhr ich zur Ermelstraße. Es war grimmig kalt, aber Frau Dittner hatte es glücklicherweise beim Heizen sehr gut mit mir gemeint. Welches Zimmer assoziiert sich in Deinen Gedanken mit folgenden Begriffen: Schnitt-Geschwindigkeit - Mittagruhe - Morgen vor Meißenfahrt - Johannistag 39? J, also da wohnen die Damen jetzt, da haben wir gefeiert, und da sitze ich nun. Nebenan, unterm großen Canaletto, schlafen sie. Die Umräumung hat natürlich wärmetechnische Gründe, wie Du Dir denken kannst. Nachmittags mußte ich natürlich wieder den schweren Beruf eines Baumputzers ausüben, wurde aber dann damit belohnt, daß ich nach Freital fahren durfte, um einige Kleinigkeiten hinzubringen. Als ich vom Straßenbahnhof aus um die bekannte Ecke kam, strahlte mir das Kirchenfenster durch den Nebel entgegen, und ich kam gerade recht zur Christvesper. Sehr schön und stimmungsvoll. Vor Schluß ging ich und legte mein Päckchen vor die Wohnungstüre. Niemand war zu Hause, auch Anka reagierte nicht auf das Klingeln. Um sieben war ich dann wieder auf der Ermelstraße. Nun mußte ich meine schauspielerischen Talente aufbieten und für die kleine Brigitte den Weinachtsmann mimen, was mir mit Hilfe eines alten Morgenrocks, eines langen Bartes aus schmutziger Fensterwatte und eine fürchterliche Rute auch über Erwarten gelang. Erst gab es Tränen und gute Vorsätze, wie von der Mutter gewünscht, und dann große Freude über den ausgeschütteten Sack. Kennst Du den kleinen Jungen? Er ist ganz reizend mit seinen kohlschwarzen glänzenden Augen. Für Frau Dittner war es ein schwerer Abend. Ihr Mann war Soldat in Rumänien und sie hat seit der Zeit des rumänischen Abfalls nichts wieder von ihm gehört. Dann zündeten wir die Lichter am Baum an und feierten Weinachten und waren nett zueinander. Und ich war ein bissel traurig und ein bissel nicht traurig. Den ganzen Abend dachte ich so innig an Euch. Es war schön, den Kontakt mit Dir zu fühlen und besonders zu wissen, daß Du um 9 an mich dachtest. Das arme Radio kam auf diese Weise etwas zu kurz! Die gute Mutti hat mir auf geheimnisvolle Weise eine Flasche Holunderwein hergestellt und verehrt. Und sonst noch viele gute Dinge. Und von meiner Frau ein Päckchen, eine Woche lang charaktervoll aufbewahrt, das sich als ein schöner spannender Kriminalroman entpuppte. Danke schön, meine Aller-allerliebste. So übertrieben spät wie sonst gingen wir diesmal nicht zu Bett, mit der Folge, daß ich heute zu einer (für deutsche Verhältnisse) ganz ungewohnt frühen Stunde aufstand: halb acht! Da ist es nämlich noch beinahe dunkel. 31.12. Liebes Märtalein, ich bin ja ein Schurke, ein Hund, ein häßlicher Mensch. Wie kann ich mich nur so schlecht betragen! Und wer weiß, wie lange dieses Opus noch meine Brieftasche zieren würde, wenn nicht zufällig wieder einmal ein Sonntag gekommen wäre und noch dazu der Monatsletzte mich energisch an meine Postkontrollkarte erinnerte. Im neuen Jahr werde ich ein neuer Mensch, ganz gewiß! Du bist ein Zauberkünstler. Du ziehst Deine Postsendungen so genau und ferngelenkt wie V2. Vorhin kam Dein Brief mit Forldvärlden [sic] und dem Taschenkalender! Kann es ein passenderes Ankunftsdatum geben? Liebste. Ich bin sehr froh ihn zu haben, das weißt Du ja. Am 1. Weinachtsfeiertag habe ich bei Mutti gefaulenzt, fuhr dann abends wieder heraus in die mittlerweile eiskalt gewordene Wohnung - kleiner Flirt mit hübschem Mädchen in der Straßenbahn - und am 2. Feiertag saß ich zuhause und arbeitete. Dann folgte wieder eine bis oben hin angefüllte Woche. Eine angenehme Abwechslung war der Film "Philharmoniker". Rekommenderas. Elsa und Gulli nicht besucht, fast schon peinlich. Morgen! (?) Frau Laube hat 5 ½ Zimmer, 5 Kinder, 2 Mädchen. Sie mußte 1 Zimmer abgeben! Mich hat bisher nur geschützt, daß ich immer nicht anzutreffen bin, aber das kann ja nicht ewig dauern. Schreib einmal, wie es jetzt steht. Was meint Prof. G.? Wird immer nur kurzfristig verlängert? Das habe ich nämlich hier immer angegeben, und das ist das Beste für mich. Ich habe mit Interesse das deutsch-schwed. Programm mit dem Aufsatz von G. gelesen. Das ist ja ein fabelhafter Mensch, muß ich sagen. Wie kann denn meine einfache Frau mit so einem großen Tier verkehren? Ich fühle mich direkt gehoben. Immerhin möchte ich erwähnen, daß mein Professor auch ein großes Tier ist. Jetzt faulenzt er in Graz im Schoße seiner riesigen Familie. Eine Remuneration ist diesmal ausgeblieben, der Teufel soll ihn holen. Wo ich doch die hundert Mark gerade so notwendig brauche! Ach was, ich schreibe noch ein Zettelchen dazu. Vielleicht wird es konfisziert. Ich habe für dieses Jahr 30 Zentner Kohlen bewilligt bekommen. Davon werden mir allerdings 8 Ztr. abgezogen: Vier, weil ich noch welche habe, und vier, weil meine Familie momentan ganz gut ohne deutsche Kohlen auskommt und vor Ende Januar wahrscheinlich nicht wiederkommt. Trotz diesem Abzug könnte ich mir doch die Wohnung ganz behaglich warm machen, wenn es nicht ziemlich nutzlos wäre, abends nach dem Heimkommen noch Feuer zu machen. Und früh ist natürlich keine Zeit dazu. Es würde ja auch kaum lohnen, da ich eigentlich doch nur 1 - 1 ½ Stunde noch auf bin! Wie steht die Aktion Bertchen? Er hat Pech gehabt: Mia war über Weinachten krank und der Kleine hat auch etwas, ich glaube Keuchhusten. Der Brasilianer Miehe, der Ungar Fronius, der Kroate Vassiljevic und der Ostsachse Zenker soupierten neulich in den Drei Raben und nahmen anschließend den Kaffee im Kreutzkamm ein. Dort also hält meine Familie ihre Kuchenorgien ab! Es wurde doch Zeit für mich, das auch mal zu probieren! Nun muß ich noch ein ernstes Wort mit Dir reden, und zwar über Dein Schlafzimmerprojekt. Wie willst Du denn einen Spiegel an einer schiefen Wand aufhängen, wenn er nicht nur den Fußboden spiegeln soll? Das ist überhaupt kein "Pelarsal", sondern ganz einfach ein Kabuff. Wir werden uns erst noch sehr genau überlegen müssen, ob man es überhaupt als Schlafzimmer verwenden kann und nicht als Staubstube, weil es so dunkel ist und das Fenster so klein. Im Grunde bin ich doch mehr dafür, das kleine Zimmer hinten als Schlafzimmer zu benutzen und das linke Eckzimmer als Kinderzimmer, auch wenn die Entfernung etwas groß ist. Wir können es ja ausprobieren, da Ihr, Stefan und Du, so tüchtig im Schrankrücken seid. Der Schnee fällt in Massen. Bald ist das alte Jahr zu Ende, von dem wir einen so großen Teil getrennt voneinander verbringen mußten. Für das Kommende unsre Wünsche auszusprechen ist ja wirklich nicht nötig. Du und ich fühlen genau dasselbe. Du Liebe, Liebe, wir werden immer glücklich sein, weil wir uns immer liebhaben werden. Einmal muß auch für unser Deutschland wieder eine glücklichere Zeit kommen und damit auch für unsre kleine, große Familie! Nun fahre ich in die Stadt und schaffe den Brief auf die Post. Um 2400 bin ich zuhause, da kann ich besser an Dich denken als bei Mutti. Viel Liebe von Deinem Gerd. |
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