Brev från Elisabeth ("Mutti") till Märta den 30 oktober 1944

Frau Elisabeth Zenker, Dresden. Ermelstr. 13
an Frau Märta Zenker, f. af Sillén, Enköping, Schweden.

Meine liebe Märta!

Du bist gewiss traurig, dass Du zu Deinem Geburtstage keinen Gruss von der Ermelstr. bekamst. Ich habe aber sehr herzlich am 26. Deiner gedacht mit allen guten Wünschen für ein gesundes, glückliches Lebensjahr. Ich hatte nur den richtigen Zeitpunkt verpasst, Dir dies zu schreibenu. dann schiebt man es ja im Drang der täglichen Arbeit immer auf. Ich dachte ja auch immer , Du würdest plötzlich vor der Türe stehen, ausgerechnet wenn Gerd mal auf Reisen ist, was ja zuweilen vorkommt wie diese Woche auch.

Ihr habt gewiss einen schönen Geburtstag gefeiert u. früh kam dein Trio und Stefan konnte wohl schon singen: "här kommer Mammas vänner små"! und dann kamen mittags all Deine lieben Nachbarn u. Freunde zu "Kaffee und dopp", das Du mit bekannter Kunstfertigkeit zuvor gebacken hattest. Deine liebe Mutter, der ich sehr für ihren reizenden Brief danke, ist sicher in grossen Sorgen jetzt, Dich nun hergeben zu müssen u. denkt wer weiss wie schlecht es uns hier geht, was aber garnicht der Fall ist. Wir leben ja auf einer Insel des Friedens inmitten des brausenden Weltgeschehens u. haben es noch viel zu gut.

Nun aber, liebe Märta, gratuliere ich Dir herzlich zum eignen Nest, das nun auf die Mama mit ihren Vögelchen wartet. Es ist Schade, dass es dem hässlichen November entgegengeht, im Frühjahr sieht es dort sicher entzückend aus, denn im Garten stehen grosse Obstbäume u. hohe andre Bäume und der Wald ist so nah zu erreichen, da braucht Ihr nicht mehr mit dem Kinderwagen um den Platz in der Bahn zu kämpfen, sondern könnt behaglich den ganzen Tag im Walde liegen u. mit den Jungen spielen u. Beeren u. Pilze suchen, wenn auch nicht in schwedischer Fülle! Die Wohnung ist oder vielmehr wird, wenn sie erst eingerichtet ist, recht hübsch, doch viel mehr Platz als auf dem Dürerplatz, wenn auch längst nicht so gross als Borsbergstr. Aber dort hättet Ihr sicher jemanden als Untermieter nehmen müssen bei der grossen Wohnungsnot. Und in Klotzsche seid ihr wirklich und endlich mal "endlich allein".

Vorgestern war der Umzug, den Dir Gerd sicher dramatisch schildert. Es ist alles unbeschädigt angekommen, gestern am Sonntag hat Gerd tüchtig geschafft u. ich vergnügt mit, aber natürlich wirst Du Dir dann alles einrichten wie es Dir besser gefällt, ich setze alles nur so vorläufig hin. Ob ich vorerst mit draussen schlafe, wird die Zeit ergeben, jetzt in den Mondnächten fahre ich abends zurück. In Laubegast gibt's zwar immer viel Arbeit, aber ich werde ihnen da etwas untreu. Früh war ich 14 Tage bei Fr. Dr. ... die den Arm gebrochen hatte.

Nun ade für heute, es grüsst Dich herzlich mit all Deinen Lieben Deine Mutti u. Hertha.

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 24 juni 2006.