Brev från Gerd till Märta den 15 april 1944 från Dresden

G. Zenker, Dresden Dürerpl. 24 an Frau M. Zenker, Salta, Enköping, Schweden

15. 4. 44.

Liebste!

Wer im Monat zwei Briefe schreiben darf, der kann den ersten mit bestem Gewissen am 15. loslassen, nicht wahr? Noch habe ich außer dem Telegramm keine Nachricht von Euch. Die erste Woche ist nun schon vergangen, mit jedem Tag steigen meine Chancen, einen Brief zu kriegen. Wenn Du ein bißchen Zeit hast, mußt Du mir in breiter Ausführlichkeit schreiben, ja? Ich möchte ja alles hören. Am meisten bin ich gespannt darauf, wie das Zusammentreffen mit den Verwandten zu Ostern vor sich ging. War Helene da?Was sagt Erik zu seinen Neffen? Wie geh es mit der Verständigung? Kriegt Erik nicht Lust, wieder ein bißchen Deutsch zu studieren, um in die sprachlichen Hintergründe von Rolfs Dialekt tiefer eindringen zu können? Ich habe besonders Erik gegenüber ein chronisch schlechtes Gewissen, weil ich ihm niemals, niemals schreibe. Du als meine Gesandte mußt dafür sorgen, daß er trotzdem von meiner brüderlichen Sympathie überzeugt bleibt. Ich habe den lebhaften Wunsch, daß es auch ihm einmal gelingen möge, eine Einladung von irgendeiner ...schaft [sic] oder ...front [sic] zu bekommen. Nur verlange ich rechtzeitige Anmeldung, damit im Artushof organisiert werden kann!

Du kannst Dir kaum vorstellen, was für ein schönes Gefühl es war, als es den ersten Alarm nach Eurer Abreise gab. Ich saß in der Hochschule und lachte über das ganze Gesicht. Glückliche Junggesellen! Selbst nachts bin ich nicht mehr so arg böse über die Sirene. Aber hoffentlich bleibt sie auch weiterhin so relativ selten zu hören wie bisher.

Gestern gab es große Aufregung im Hause v. Schumann: Es wurde nämlich um ½ 2 Uhr der Chef zum Mittagessen erwartet. Um zwei kam ich! Anstatt eines Blumenstraußes überreichte ich der gnädigen Frau 2 Dutzend Zigaretten, die ihr jedenfalls bei weitem mehr Spaß machten! Der Herr Gemahl wurde vorgeführt und zeigte sich als ein noch recht junger, etwas kühler Herr, mit dem man recht gut über allerlei sich unterhalten konnte. Meine liebe Marcelle war zunächst nur wenig zu sehen, sie mußte in der Küche stehen und Eierkuchen fabrizieren, die einzeln hereingebracht wurden. Na, Du kennst ja die Methode. Und eine heiße Suppe st... [en bit är bortklippt här - troligen en teckning på brevets baksida. /SZ] ... denn die Amerikaner waren im Anflug und wir ...... hungrig in den Keller gehen. O wie ich schwit...... nämlich so warm, daß man kaum noch den Som...... mag. Apropos: Ich habe mit vieler Mühe sechs herr...... für meinen Mantel aufgetrieben. Die Amerikaner kamen ...... doch nicht, sondern ließen uns in Ruhe unseren Likör trinken und unsre Zigarette rauchen. Ich kallpratade und machte Konversation. Der Herr des Hauses war 1936 im Sommer in Schweden gewesen. Er hatte bei der ASEA zu tun und war besonders begeistert von dem Stadshotell (oder Grand Hotell?) in Västerås. Eine Schande, daß ich den Namen dieser historischen Stätte vergessen habe! [Där Märta o. Gerd tillbringade bröllopsnatten 1939, tror jag. SZ] Von dem Likör war ich so animiert, daß ich anschließend in die "Feuerzangenbowle" gehen wollte. Schließlich landete ich aber leider bei Ralph A. Roberts in einem blöden alten Film.

Nun muß ich Dir von Lists neuester Teufelei berichten: Mit sofortiger Wirkung erhöhe ich die Arbeitszeit um eine halbe Stunde täglich; sie beginnt um 7 und endet um 17 Uhr.Heute habe ich des guten Beispiels halber tatsächlich Ernst gemacht und bin um 5 aufgestanden. Wie soll das gehen, wenn diese Zeit auch im Winter beibehalten wird? Christina würde Dich doch erst um 6 dazu zwingen, aufzustehen. Wir werden eben doch die Sache so organisieren, daß alles beim alten bleibt. Bedenke, in Wirklichkeit ist ja erst um 4 Uhr, wenn der Wecker rasselt! - Heute hat meine neue, vorläufig letzte Sklavin ihren Dienst angetreten. Sie versteht wenig, macht aber einen intelligenten Eindruck, sodaß ich die beste Hoffnung habe. Jetzt sitzen 8 Menschen in meinem Zimmer, das ist ein bißchen reichlich. - Der gute Miehe hat mich zum Wochenende nach Tanneberg eingeladen. Vielleicht fahre ich in 8 Tagen hinaus; diesmal geht es nicht wegen Frau v. Sch. Montag, Mittwoch, Freitag esse ich bei Mutti, die übrigen Tage brate ich mir selbst etwas zurecht. Mit dem Inhalt von Muttis Truhe und vom Kleiderschrank könnte ich ja eine vierzehntägige Belagerung ganz gut überstehen, meinst Du nicht? Wenn Gisela Dienstags u. Sonnabends kommt, ist auch Mutti da. Das ist schon besser bei so vielen unverschlossenen Türen! Sie macht ihre Sache sehr gut, alles ist blitzsauber. Am Ostermontag früh halb elf kam Gulli gerannt. Glücklicherweise ahnte ich das schon vorher, sodaß es einigermaßen manierlich aussah in unsrer Wohnung. Seitdem habe ich noch nichts weiter von ihr gehört. Ich weiß nicht mehr, ob ich Dir Grüße ausgerichtet habe.

Tante Else hat Dir einen langen Brief geschrieben. "Meine Wohnung steht nun so unbenutzt, es ist wirklich schade, überlegt es Euch nochmals, ob Ihr sie nicht haben wollt. Während des Krieges kehre ich kaum heim und Ihr könnt doch in der Engigkeit nicht hausen. Überleg es also nochmal mit Gerd. Ich will nämlich im Mai nach Dresden kommen für 8 Tage und wenn bis dahin niemand sich gemeldet hat, jemand rein nehmen in die Wohnung." Sie bleibt in Schlesien (Krikau über Namslau), weil sie dort auf dem Gut bei ihrer Kusine so dringend gebraucht wird. Nach dem Eibishof kann sie dieses Jahr nicht gehen, weil Nessi eine Bombenfamilie in ihr Wohnzimmer einquartiert hat! Trotz des 3. Zimmers, trotz des schönen Balkons, trotz des Bades! Denn das würde ja praktisch heißen, auf eine neue Wohnung zu verzichten. Außerdem müßten wir wohl wieder in ihren Möbeln wohnen, und das kommt jetzt natürlich überhaupt nicht mehr in Frage. Aber ist es nicht rührend von unsrem Elschen? Du mußt ihr wirklich einmal schreiben.

Den ganzen Winter haben wir in der TH gefroren wie die Schneider. Und jetzt heizen sie, daß Gott erbarm.

Gib meinen kleinen Jungen je einem Kuß auf die Nase. Ihr Abendgebet hat bisher geholfen, kein böser Engländer, und kein böser Akaner und kein böser Russe ist gekommen und hat etwas kaputtgemacht!

Ich liebe Euch so sehr. Habt mich lieb und denkt an mich! Küsse!

Dein Gerd

Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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