Brev från Gerd till Gunhild den 11 juli 1934 från Dresden

11. 7. 34.

Liebe Gunhild!

Hab recht herzlichen Dank für Deinen lieben Geburtstagsbrief! Du brauchst mich garnicht so zu bedauern, mir geht es sehr gut auf der Welt. Heute früh um 6 Uhr habe ich eine sehr stilvolle Geburtstagsfeier abgehalten. Mit dem Glockenschlag waren es 25 Jahre, daß die Erde mich tragen zu dürfen das Glück und die Ehre hat. Märta schrieb: Må fru Fortuna blott ha lycka och framgång i beredskap för Eder under de 3/kvarts sekel som återstår till hundraårsdagen! Ich habe also noch eine phantastische Zukunft vor mir. - Im übrigen muß ich leider diesen Tag ebenso wie jetzt alle andern mit Pauken verbringen, was wegen des schönen Wetters oft schwerfällt. Jetzt mache ich eine Pause und habe mich zum Briefschreiben auf den Balkon gesetzt. Fåglarna kvittra osv. und der Schwedenpunsch funkelt in der Sonne.

Übrigens ist meine Schwedenreise nicht davon abhängig, ob ich läser och pluggar oerhört i ensamheten, sondern leider von anderen Faktoren, die nicht zu beeinflussen sind. Hoffen wir das beste! Für meine Prüfung ist es vielleicht ganz gut daß ich jetzt zwei Wochen allein hausen muß. Aber ich freue mich doch darauf daß die Damen nun bald wiederkommen! Du darfst uns nicht böse sein, wenn wir nicht schon zum frühest möglichen Termin nach Schweden fahren. ("Der kluge Mann baut vor", sagt Schiller!) Aber das geht natürlich nicht, daß Märta nur kümmerliche drei Wochen auf die Haupt- und Residenzstadt Dresden verwendet, wobei die Umgebung noch garnicht einmal eingerechnet ist! Ihr müßt Euch eben in das harte Schicksal fügen so lange ohne Tochter auskommen zu müssen.

Es tut mir sehr Leid, daß Ihr in Sorge wart wegen der Roehm-Revolte, und ich ärgere mich, daß ich nicht damals nach Schweden geschrieben habe. Denn das hätte ich mir ja an den Fingern abzählen können, daß Svenska Dagbladet wieder mal eine große Revolution und blutigen Terror aus den Vorfällen machen würde. Ich las Chicago Tribune und fiel fast vom Stuhl vor Erstaunen über die Unverschämtheit, mit der gelogen wurde. Als ob Deutschland auf dem Mond läge und mit Kannibalen bevölkert wäre. Goebbels hat gestern eine Rede im Radio gehalten (ich schicke sie mit), die zwar manchmal etwas übertrieben klingt, aber doch Wort für Wort berechtigt ist. Unglaublich, was die Presse zusammenphantasiert hat. Und nach der Geschichte von den Bazillen in der Pariser Métro und dem Luftangriff auf Paris, der am 15. vor sich gehen wird, traue ich Sv.D. auch verschiedenes zu! -

Nun hätte ich fast vergessen für die schöne Karte von dem Ausflug nach Gripsholm zu danken! Hurra, wie freue ich mich, daß ich den schönen Mälarsee bald wieder sehen werde. Und Strängnäs und Enköping und Stockholm und - last but not least - Borlänge!

Så var det slut för idag från GZ.

Ich grüße Euch alle recht, recht herzlich!

Dein Gerd.

Grüße und Dank an das allerliebste Schwesterlein, wenn es noch bei Euch ist!

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Ansvarig utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se

 
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Senast ändrat eller kontrollerat den 24 juni 2006.