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Anm. Jag har ännu inte stött på Liber
1947. Kanske den aldrig har utgivits? Liber 1945-46 gjordes i ordning
i hast inför pappa Gerds ankomst till Sverige i december 1946.
Liber 1948-49 var ett dubbelnummer, vilket kanske stärker misstanken
att Liber 1947 aldrig funnits. Men å andra sidan borde väl
Liber 1948-49 då ha gjorts till ett trippelnummer, även om
det gått lång tid sedan 1947? - Jag hittade Liber 1950 instucken
i en annan Liber från 1980-talet, så ännu finns det
hopp!
Pappa fick plats på Atlas-Diesel i Sickla, i sydöstra
utkanten av Stockholm, och började där den 20 april. Han bodde
hos vår släkting Eva Widman på Södermalm, medan
resten av familjen stannade på Salta tills vi fick en trerumsvåning
på Cirkelvägen 19 i Gubbängen i juni och kunde flytta
in där i september/oktober.
Januari
1947
Brev från
Agnes Kiendl ("Nessi") till Märta Zenker den 1 januari
1947.
Eibishof, 1. I. 1947.
Meine liebe Märta!
Hab
herzlichen Dank für Deinen lieben Brief der uns ja leider die betrübliche
Nachricht von der Ablehnung des Einreisegesuches brachte. Schon längst
wollte ich Dir schreiben, damit Du u. Helene zu Weinachten einen Gruß
von mir hättet. Aber die letzten Wochen waren so voller Hetz u.
Verzweiflung weil unsre Ausweisung hier vor der Tür stand, - daß
ich mich einfach nicht zum Schreiben aufraffen konnte.
Nun sehen wir seit vorgestern einen Lichtstreifen am Horizont, eine
Hoffnung, doch bleiben zu können u. den Hof zu behalten. Alles
Nähere des Wie und Warum zu schildern bräuchte zu viel Zeit,
aber Du kannst mir glauben, daß es viel viel Kraft u. Zeit gekostet
hat.
Bern war ja nun sehr enttäuscht über die Ablehnung, - aber
da neulich hier in der Zeitung stand, daß Schweden seine Einreisebestimmungen
erleichtern will, möchte er es doch gern nochmal probieren. Er
wird Dir selbst darüber schreiben. Ich bin augenblicklich freilich
froh, ihn da zu haben. Man kann mit ihm alles besprechen u. beraten,
er hilft mir wo er kann. Aber ich möchte ihm doch wünschen,
ins Ausland zu kommen. Hier ist ja gar keine Aussicht u. Möglichkeit
für ihn u. in dem überfüllten Deutschland auch nicht.
Wie habt Ihr das Weinachtsfest verbracht? Sicher haben Deine 3 lieben
Bübchen Dir viel Glück gebracht u. Dir über die Sehnsucht
nach Eurem Vati etwas hinweggeholfen. Ist denn noch gar keine Aussicht,
ihn herüberzubekommen? Wieviel Jahre Eurer jungen Ehe gehen Euch
verloren! Und wieviel in der Entwicklung der Kinder, das Gerd gar nicht
miterlebt! Der einzige Trost ist, daß es Hunderttausenden so gehtu.
daß man dankbar sein muß, wenn man doch weiß, daß
der Vati lebt u. einmal doch heimkehren muß. - Wie geht es Helene
mit ihrem Vierblatt? So viel gehen meine Gedanken zu Euch allen. Ob
man sich je einmal wiedersieht?! -
Wir hatten - trotz allem - ein schönes frohes Fest mit einem schönen
Tannenbaum und viel viel Weinachtslieder-Singen, Besuch von Freunden
u. Freundinnen der Kinder, Gesellschaftsspiele u. Fröhlichkeit.
- Im November hatten wir Besuchs-Erlaubnis u. durften alle unsern lieben
Vati ½ Stunde sprechen. Er ist gesund u. arbeitet als Holzfäller
u. hat einen riesigen Vollbart!
- Euer schönes Paket ist leider nicht angekommen, nun muß
man es wohl aufgeben. Falls Du uns nochmals etwas schicken wolltest,
so wäre ich vor allem für Kleidungsstücke aller
Art für die 2 Großen sehr dankbar. Sie sind wohl noch
nötiger wie Eßwaren. (Größe 176-178, Schuhgröße
42-43!) Sie müßen manche Sachen abwechselnd tragen (guten
Anzug etc), Wolf hat keine Sonntagshose, keinen Pullover, - Bern's Anzug
wird an allen Ecken u. Enden zu klein. Wolfs Arbeitszeug ist schon 100
mal geflickt, - Hemden u. Unterhosen desgleichen. Oma u. ich flicken
alles wieder zusammen, aber wir sehen nicht, wie es noch den ganzen
Winter aushalten soll.
Nun liebe Märta, Dir u. den Deinen alles alles Gute für 1947,
besonders, daß Gerd zu Euch kommen kann. Sage bitte auch Helene
herzliche Grüße u. Neujahrswünsche.
Immer Deine tr. Base Nessi.
Mein armes Muttchen war wieder so krank (Blinddarmentzündung)
und muß so frieren, das ist mir ein großer Kummer. Sie wohnt
bei Leni in Zwickau.
Brevkort från
Gerd till Stefan från Borlänge den 4 januari 1947

Brev från
Märta till Gerd (c/o Widman, Södergatan 2IV,
Stockholm) den 13 januari 1947
Salta den 13. 1. 1947.
Kära lilla Du!
Ich soll auf Deutsch schreiben, damit Du es besser verstehst, sagt
ma. Puh! Also heute sind die restlichen 6 Pakete in Enköping angekommen
und wir bekommen sie morgen. Ist es nicht wunderbar? Gott sei Dank!
Und Eva Hakelius hat telephoniert, daß der Direktör Winberg
von seinem Bett aus auf Röda Korsets sjukhem mit dem Direktör
OTTERBÄCK, Saab gesprochen hat und sie wären sehr interessiert.
Du solltest anrufen. Namnanrop ist Saab und persönlich mit dem
Direktor eine Zeit zum Zusammentreffen vereinbaren. Da er oft auf Reisen
ist, kann es sein, daß Du ihn nicht triffst, und dann sollst Du
mit Major Nordkvist sprechen. Da solltest Du auf Direktör Winbergs
Gespräch mit OTTERBÄCK hinweisen. Da wäre es wohl gut
auch mit Atlas Diesel verhandelt zu haben und L. M. Ericsson. Kannst
Du mit dem Steeg und Reuter Mann auf Drottninggatan verhandeln wieviel
Du verlangen kannst. Wenn man zu wenig verlangt, da "diskvalificerar"
man doch sich selbst. Es ist natürlich schlecht ganz ohne Zeugnisse
zu kommen aber da mußt Du ganz deutlich und genau angeben mit
wem Du verheiratet bist und wie Dein Schwiegervater heißt.
Und Referenzen: 1) Agronom Axel Hakelius, Ordförande i mjölkcentralen
och dessutom i Jordbrukstekniska institutet. Der Vetter von Pappa: 2)
Direktör Hakon Swenson, Västerås und mammas Vetter 3)
Disponent Birger Wiberg, Chef für C. M. Wibergs Vagn o. redskapsfabrik.
Du wirst wohl sagen müssen, daß Deine Papiere gebombt seien
und daß Du nur ungern nach Graz schreibst, aber daß Du Deine
Arbeiten vorführen kannst und jetzt nur preliminär fragen
wolltest. Frag den Drottninggatsman, daß Du event. einem Deutschfreund
sprechen kannst.
Ich bin so froh über die Pakete! Mir geht es genau so wie heute
früh, da werde ich wohl morgen auch kaum kommen. Stefan fragt,
wie ich mich fühle, wenn ich nun seit so langer Zeit wieder mal
allein bin.
Könntest ja auch erwähnen: Direktören för Norrbottens
(NORRBOTTENS) Järnverk Bertil Åström, Luleå. Gespannt
auf den Bericht von Deinem ersten selbständigen Tag in Schweden.
Pappa fährt auf Rotary und mamma geht ins Kino und nimmt den Brief
mit.
Mit steifen Ohren
Deine Märta
Brevkort från
Gerd till Märta den 14 januari 1947
14. 1. 1130
Liebste!
Nun ist schon wieder ein Tag rum. Er verging mit orienteringssport.
Axel Lundquist Drottninggatan noch nicht erreichbar, wahrscheinlich
morgen. Kaum bin ich hier - schon kriege ich Post von Dir! Gunhild hat
mir einen Stoß mitten ins Herz versetzt, indem sie glaubt, daß
ich nur deutschgeschriebene Briefe verstehe! Danke schön für
alle upplysningar. Klingt ja sehr gut. Ich werde mich mit dem Direktör
aber erst dann in Verbindung setzen, wenn ich weiß, wann ich soweit
bin, daß ich ihm etwas zu zeigen habe. D. h. ich werde ihm bald
schreiben (preliminär), da es sonst unhöflich gegen Axel.
Hak. bezw. Winberg wäre. Dabei mußt Du mir aber helfen.
Liebe Kleine, das ist langweilig, daß Dein süßes Blinddärmchen
garnicht besser werden will. Du mußt Dich schonen und darfst nicht
nach St. fahren , sonst kommt das große scharfe Messer! Ich finde,
daß U.K. [Utlänningskommissionen?]
gut noch ein paar Tage warten kann. Am Samstag können wir dann
besprechen, ob Du nächste Woche mitfahren kannst, oder Erik, oder
ich allein, oder ob wir es doch schriftlich machen (unsympatisch).
Fein, daß die Pakete gekommen sind! Siehst Du, ich bin eben ein
Sonntagskind. Damit ist das große Abenteuer also glücklich
abgeschlossen. Eva (sic) ist rührend. Ich muß nur immerzu
bremsen, daß sie nicht zuviel tut. Das ist schwer, weil sie mich
kaum versteht. Das Gespräch ist ganz einseitig!
Vielen Dank für Nessis Brief. Ich hoffe so sehr, daß sie
dort bleiben können. Ich habe mitten in Postkontoret laut über
Hannes' Vollbart gelacht.
Grüße u. Küsse! Dein Gerd.
Brev från
Sibylle Zenker till Märta den 19 januari 1947
19. I. 47.
Meine liebe Märta,
Wie habt Ihr Weinachten und Neujahr verlebt? Ich habe an Dich gedacht,
als ich in Görlitz war. Ich war froh, daß ich überhaupt
zu meiner Schwester resisen konnte. Auf dem Neu. Bahnh. bekam ich die
Genehmigung nicht, aber als ich am nächsten Tag zum Hauptbahnhof
ging, erhielt ich sie. Von Görlitz nach Dr. verkehrte nur noch
1 Zug; der D.-Zug früh um 6 Uhr. Ich kam aber auch gut mit ihm
zurück. Im Januar mußte ich wieder hier sein, trotzdem die
Schule erst am 13. I. anfangen sollte.
Nun sind leider Kohlenferien bis auf weiteres; das ist ganz scheußlich.
Unsere armen Kinder! So viel ist nachzuholen, und nun schon wieder die
Unterbrechung. Wir Lehrer haben in der Zeit genug zu tun. Die Neulehrerausbildung
wird ganz stark betrieben u. schriftliche Stellungsmaßnahmen zum
neuen Lehrplan werden gefordert u. s. w. Da ich wöchentlich 6 Std.
Geschichte gebe, arbeite ich nun Bücher der neuen Geschichtsauffassung
durch: Mehring, Engels...
Als ich hier ankam, fand ich ein Päckchen von Käe Dörries
vor. Eine herrliche, weiße Strickjacke. Da ich Käte kaum
kenne, war ich sehr erstaunt. Hans meinte nun, sie stammtewahrscheinlich
von Dir, K. hätte sie nur gesandt, da Du an diese leichter schicken
kannst. Simmt das? Jedenfalls danke ich Dir sehr von Herzen dafür.
Ich werde sie auftrennen, u. dann muß meine geschickte Schwester
Else etwas sehr Schönes daraus stricken.
Wir leiden hier sehr unter Kälte u. Dunkelheit. Ein um den andern
Tag ist der Strom ganz weg. Oft ist auch an Stromtagen kein Licht da.
Und ich koche doch alles auf meinem kl. elektrischen Kocher. Ich muß
also des öfteren nachts kochen; den ¾ 11 Uhr kommt der Strom
wieder. Vorige Woche hatten wir 3 Tage hintereinander keinen Strom.
Ich holte also den Kocher dicht ans Bett. Als ich früh gegen 6
Uhr noch mal anstecke, um das Essen dann in die Kochkiste zu setzen,
kippt der Topf beim Umrühren, - die kochenden Erbsen auf meinen
Arm u. ins Bett! Ich stehe vorsichtig auf, um Ordnung zu machen, - da
geht das Licht aus! - Tableau! Ich bekam eine Riesenbrandblase am Unterarm
- aber sie heilt gut ab. Ich war garnicht beim Arzt; denn 3 Stunden
Warten kostet das mindestens. Nun juckt es nur noch tüchtig.
Habe ich Dir mal von meiner Freundin Erna aus Eisenach erzählt?
Wir waren oft zusammen an der See. Hans Christoph u. Ott, ihr ältester
Junge, waren gute Freunde; sie waren auch zusammen in Swinemünde
1940, zu Rad von Dresden aus. Erna war diesen Herbst 3 Tage bei mir.
Sie hatte gleich im Juni 45 Nachricht von Ott aus dem Gefangenenlager
in Cherbourg. Dann keine Nachricht mehr. Am 18. XII. 46 bekam sie vom
Schweizer Roten Kreuz ein Schreiben, daß Ott am 25. IX. 45 in
Trouville s. mer bei einem "accident" ums Leben gekommen sei.
Er liegt in Trouville s. mer begraben. - Sie nimmt an, daß er
um heimzukommen, zu den gefährlichen Hafenarbeiten gemeldet
hat, u. daß er durch eine Mine getötet wurde. - Nun sind
die 2 Freunde vereint! - Aber Erna hat noch 1 Jungen u. 2 Mädel
- und ein Heim. Auch ihr Mann ist noch da, Studienrat in Eisenach. Auch
Ott war ein besonders feiner Junge. Seine Briefe sollen jetzt - zusammen
mit anderen - gedruckt werden.
Von meinem ältesten Neffen Hermann ist auch keine Nachricht da.
Seine Frau mit 2 Kindern lebt als Evakuierte in Bayern in einer Baracke,
- ihre Heimat, Breslau, ist ja verloren. Was soll aus ihr und den Kindern
einmal werden; wenn der Vater nicht wiederkommt? - Meine Nichte Inge
mit ihren 3 kleinen Mädeln lebt jetzt noch in Görlitz. Ihr
Mann hat Stellung als Architekt in Augsburg, - er wird wohl demnächst
seine Familie rüberholen. Er möchte nach Amerika auswandern.
- Die 3 kleine Mädel sind dauernd krank. Die Älteste, Ingegretel,
liegt schon seit 6 Wochen im Krankenhaus, - Nierensachen, - sie ist
noch stark herzkrank. Inge ist sehr tapfer u. hat Flucht u. Heimkehr
mit den 3 Kindern allein durchgeführt. Das jüngste Kind war
eben geboren, als sie fliehen mußten.
Wie geht es Deinen Buben? Was macht das Patenkindel Stephan? Bitte,
erzähle mir mal von ihnen! An Deine Eltern viele Grüße.
Dir selbst noch einmal von Herzen Dank! Möchte das Jahr 47 ein
gutes für Dich werden u. Dich mit Gerd vereinen!
Deine Sibylle.
 |
| Margaretas dop ägde rum i Uppsala domkyrka. Därefter
mottagning hemma på Egilsgatan. Fr. v. Erik Zenker, Mariann
Tiblin, Karin af Sillén, Margareta af Sillén, Ingela
Tiblin, Stefan Zenker, Ann-Margret Tiblin, Karin Tiblin. (Rolf hamnade
utanför.) |
 |
 |
|
Ingela (skymd), Karin m. Margareta, Mariann,
Gunhild, Erik Z.
|
Med sparkstöttingar vid Salta Vaska. Erik,
Märta, Rolf, Stefan, NN.
|
Februari
1947
Brev från
Nanna Schweitzer f. Zenker till Gunhild af Sillén den 16 februari
1947
Dresden A-46 Kleinzschachwitzer Ufer 3
16. II. 47
Meine liebe Gunhild!
Dein lieber Brief, der uns vorgestern in's Haus kam, hat uns so unendlich
gefreut. Habe sehr viel Dank dafür. Er hat gerade 1 Monat gebraucht,
bis er zu uns kam. Das ist furchtbar lange. Es wird aber wohl mit der
verschneiten und vereisten Welt zusammen hängen, durch die die
Post sich jetzt den Weg bahnen muss. Wir haben es jetzt jedenfalls schon
in der vierten Woche Tag und Nacht unter -10 - -20o C. Ihr
im hohen Norden scheint es wärmer zu haben. Es ist recht bitter,
da ja kein Mensch Kohle und Holz hat und wärmer als +7 - +9o
C findest Du es bei keinem Menschen mehr. Es ist schon erstaunlich,
dass wir alle noch so im grossen und ganzen gesund sind; gottlob auch
Mutti, sie hustet zwar und Schnupfen hat sie auch, aber bis jetzt beides
nicht so bösartig wie in anderen Jahren. Hoffentlich kommt sie
auch so über das Frühjahr weg; denn zum liegen darf sie mit
ihrem mageren Körper nicht kommen.
Dein glücklicher Brief hat uns mit froh gemacht. Wir können
es uns garnicht mehr vorstellen, wie es ist, voll Glück und Freude
zu sein. Hier siehst Du kaum je einen Menschen mehr lachen. Das Leben
ist für uns in Deutschland furchtbar ernst und schwer geworden.
Ihr könnt es Euch nicht vorstellen, wie unser aller Leben jetzt
aussieht. Kälte, Dunkelheit, Hunger, keine genügende Kleidung
usw. usw. - Um so mehr freut es uns, nun von Euch so viel Gutes zu hören
und ich gönne es Märta - der kleinen lieben Schwester - von
ganzem Herzen. Nur - sie sollen uns nicht ganz vergessen, wir sehnen
uns mehr als jemals im Leben nach Liebe und Zusammengehörigkeit.
Aber Otto und ich, wir dürfen nicht klagen, uns Beiden geht es
gut, schon deshalb, weil wir beisammen sind. Otto hat in seinem Beruf
als Gartenarchitekt doch schon recht viel zu tun. Zwar sind es alles
Arbeiten und Planungen auf lange Sicht aber sie hängen doch immerhin
mit dem Aufbau zusammen, der ja einmal kommen wird. Da gibt es unendlich
viel interessante städtebauliche Fragen. Otto sitzt im Ausschuss
der hiesigen Architekten für das Siedlungswesen und ländliches
Bauen. Da hat er viel Sitzungen usw. Der Heimatschutz hat für Otto
als Landschaftsgestalter oft Aufgaben, so dass wir immer gerade leben
können. Auch die Malerei bringt immer allerhand ein. Da wir unser
Geld fast ausnahmslos auf der Sparkasse hatten und es nun eingefroren
ist, ist es sehr wesentlich, dass wir soviel verdienen als wir zum leben
brauchen, und das tun wir gottlob.
Ich selbst habe von einem Verlag auch einen zweiten Auftrag erhalten,
und zwar ein Unkrautbüchlein von etwa 60 Unkräutern aufzustellen.
Das heisst, sie zu beschreiben (Name, Familie, Heimat, Vorkommen, Blütezeit,
Wuchs, Wirkung, Verbreitung, Bekämpfung) und dazu je 1 Federzeichnung.
Der Auftrag macht mir viel Freude. Wenn ich nur mehr Zeit hätte.
Der tägliche Kleinkram nimmt so viel Zeit weg; das Anstehen vor
den Läden usw. - Jetzt fängt nun so langsam meine Kaninchenzucht
wieder an. Ich will dieses Jahr 4 Häsinnen je 2x decken lassen,
so dass ich mit 40-48 Jungtieren rechne. Das Serumwerk braucht Tiere
dringend. Sie zahlen gut, und wenn wirklich eine neue Geldentwertung
kommen sollte, wovon alle reden, so habe ich in den Tieren eine wertbeständige,
gute Anlage, und 2 Tiere bezahlen mir die Monatsmiete.
Eben kam ein glücklicher Brief von Märtas Mann vom 31. 1;
fein. - Sag hat Märta und die Jungens unsere Weinachtsbriefe bekommen?
Otto schrieb an Stefan, ich an Rolf. Sie sollten doch von ihren Paten
wissen, dass sie an sie denken. - Unser an Gerd geschicktes Weinachtspäckchen
kam nun auch zurück, wir essen mit Behagen unsere eigenen Pfefferkuchen
aus dem Salta-Mehl auf, jetzt ein ungeheures Geschenk. Es war schrecklich
schwer das Mehl wirklich bis Weinachten zu sparen, zu oft kam man in
Versuchung es zur Abendsuppe zu verwenden, aber es gelang.
Eine wirkliche Hungersnot wird für uns jetzt erst im Frühjahr
kommen, wenn die Kartoffeln alle sind. Meine reichen bis April, Seidels,
bei denen ich eben war sind in 3 Wochen fertig. Was soll bloss dann
werden. Von knapp 2 ... Nährmittel kann man doch nicht leben, weil
eben alles fehlt, Fett, Fleisch, Fisch, alles, alles. Na, irgendwie
muss es ja gehen. Von April ab wird es dann wohl hoffentlich Brennessel
geben, die haben uns vorm Jahr erhalten. Solltet Ihr wirklich etwas
schicken wollen, so lasst bitte leider alle Luxusdinge fort. Haferflocken,
Trockenmilch, Süsstoff sind Dinge, die sehr, sehr helfen. Aber
das soll kein Betteln sein.
Otto und ich wir grüssen Euch Alle, Alle. Elof, die Kinder, die
Enkelkinder und besonders Dich.
Deine
dankbare Nanna.
Brev från
fru Margarete Wessner till Märta den 25 februari 1947
Tante Wessner var den
älskvärda dam, som hyrde ut en del av sin våning vid
Dürerplatz åt oss åren 1941-44.
Nichtewitz, d. 25. 2. 47
Liebe Frau Zenker!
Ihren lieben Brief bekam ich kurz nach Weinachten. Wie sehr freute
es mich, einmal etwas von Ihnen zu hören. Herzlichen Dank dafür.
Besondere Freude machten mir die beigefügten Bildchen. Da hörte
ich gleich wieder Stefans Stimmchen, wenn die beiden Geister früh
an meine Tür klopften: "Tante, zu dir kommen?" Nun guckt
er schon so verständig in die Welt; Rolf ist wohl verschmitzter.
Aber der kleine Erich muß ja ein allerliebstes Kerlchen sein.
Die Bilder liegen vor mir in einer Briefschale; ich sehe sie mir zu
gern an. Hoffentlich heilt Stefans Bein recht gut; es wird ja eine Geduldsprobe
für ihn sein, so lange still zu sitzen. Daß er so musikalisch
ist, freut mich auch; Sie werden schon später einen Lehrer für
ihn finden; jetzt ist es ja doch noch zu früh.
Hoffentlich hatten Sie zu Weinachten die Freude, Herrn Zenker bei sich
zu haben. Wie wird er sich über seine drei Buben gefreut haben.
Ist er noch an der techn. Hochschule tätig? Wenigstens haben Sie
niemand von Ihren lieben Bekannten eingebüßt bei dem Dresdner
Unglück, allerdings wie durch ein Wunder. Ich mag Dresden gar nicht
wiedersehen. Die alte schöne Stadt wird es ja doch nie wieder.
Nun schreiben Sie mir, liebe Frau Zenker, daß Sie im Dez. ein
Paket an mich abschickten. Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre
Güte, daß Sie an mich dachten. Leider ist bis jetzt nichts
davon zu sehen und zu hören. Ich fürchte sehr, ich bekomme
es nicht. Bei uns wird jetzt zu viel gestohlen. Und wie würde ich
mich darüber freuen. Man könnte doch Alles jetzt zu gut gebrauchen,
auch Zwirn. Der schwarze fehlt mir schon lange und es ist nichts zu
bekommen. im Gegenteil, es fallen immer wieder Sachen weg, anstatt daß
sich die Lage besserte. Meine größte Sorge gilt jetzt dem
Brennmaterial. In kurzer Zeit geht mein Holzvorrat zu Ende und ich weiß
noch nicht, woher ich mir neuen beschaffen soll. Kohlen bekommen wir
auch nur ganz wenig.
Wenn das Wetter anders wäre, holte man sich etwas aus dem Wald.
So haben wir aber schon monatelang die strenge Kälte. Seit ein
paar Tagen ist es milder, aber nun schneit es wieder unaufhörlich.
Und es gibt doch so schon genug Elend in Deutschland; so Viele haben
nichts Warmes anzuziehen. - Wie sind denn in Schweden die Verhältnisse
nach Kriegsende geworden? Ich erfahre so gar nichts, was draußen
in der Welt vor sich geht. Ich halte Winterschlaf um Feuerung zu sparen
von abends 8 bis früh 8 Uhr, habe das aber schon lange satt und
warte mit großer Sehnsucht auf den Frühling oder wenigstens
auf milderes Wetter. Sonst waren die Winterabende oft so gemütlich,
wenn man im warmen Zimmer bei einem guten Buch sitzen konnte. Man hat
sich sein Alter doch etwas anders gedacht. Jüngere können
wenigstens die Hoffnung haben, daß es noch einmal wieder besser
wird. Nun schicken Sie bitte nicht mehr so viel kalten Wind von Norden
her.
Stefan danke ich noch für das grüne Schweinchen; es will
leider nicht fressen und fett werden. Mit recht herzlichen Grüßen
an Sie, liebe Frau Zenker, und an Ihre Lieben will ich schließen.
Erfreuen Sie bitte wieder einmal mit einem Briefe.
Ihre dankbare M. Wessner
Mars
1947
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Karin, Margareta och Erik af Sillén
i salongen på Salta.
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Brev från
Sibylle Zenker till Märta den 10 mars 1947
10. III. 1947
Beginn der Friedensverhandlungen!
Meine liebe Märta,
Heute kam Dein Brief vom 7. II. - über 1 Monat ist er gegangen;
da will ich nur gleich antworten, daß Ihr vielleicht zu Ostern
einen Gruß von mir habt. Außerdem habe ich jetzt noch mehr
Zeit, denn die Schule hat nicht im vollen Umfange begonnen.
Also vorerst - vielen Dank für Deinen lieben Brief! - Die Verwandten
sehe ich kaum. Hans war am Geburtstag von Hans Christoph, am 2. I.,
einmal bei mir. Seit dem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Aber
Mutter hat mir die gute Nachricht über Gerd mitgeteilt. Ach - muß
das schön gewesen sein! Wie habe ich mich mit Dir gefreut! Was
tut nun G. in Schweden? Wird er Arbeit finden? Bitte, schreibe doch
einmal darüber; es interessiert mich so. Du schreibst von Wohnungswechsel,
da müßt Ihr doch allerhand Pläne haben.
Daß Stephan das Stillehalten so gut übersteht, ist ja herrlich.
Was hat nun der Arzt gesagt? Ja - laß ihn ruhig mit der linken
Hand arbeiten , - aber gewöhne ihn auch daran, die rechte zu gebrauchen.
Das fällt einem Linkshänder viel leichter, als wenn wir die
Linke nehmen sollten. Das ist ja gerade der Vorteil, den die Linkshänder
haben. Denke an Menzel, der mit beiden Händen malen konnte - als
Linkshänder! Wir verlangen in der Schule, daß alle
Kinder rechts schreiben; zum besonders schönen Zeichnen mag ruhig
die Linke genommen werden. [Fungerar bra för
mig: Jag skriver på tangenter och kastar mest med vänster,
skriver och ritar med penna med höger. SZ]
Ja, ich war zu Weinachten in Görlitz, am 2. I. kam ich zurück.
- Du fragst nach dem Frieren! Ach, Märta, - nur gefroren!
Weißt Du, man erkältet sich beim Wechseln vom Warmen
zum Kalten. Nun ich saß fast immer kalt, - da gewöhnt
sich der Körper an den Zustand. Wie ich's ausgehalten habe, bei
-15°, -20° - drei Tage lang ohne zu heizen im Zimmer zu wohnen
- das weiß ich eigentlich selbst nicht recht. Ich habe nur an
dem Tage, wo Karin zu mir kommt (einmal in der Woche) und am Wochenende
geheizt. Aber im Grunde weiß ich überhaupt nicht, wie ich
es aushalte, dieses Leben. - Ich bin, glaube ich, sehr gesund. Wie froh
war ich, diese Gesundheit an meinen Jungen weiter geben zu haben! -
Aber was brauche ich nun diese Gesundheit! Wie lange will ich denn noch
leben? - Doch das sind unnütze Fragen - verzeih! - Schlimmer noch
als die fehlende Heizung war daß wir so oft keinen Strom haben.
Ich koche doch alles auf meinem kleinen elektrischen Kocher. Gas haben
wir gar nicht, under Zähler ist entzwei. Was tust Du nun, wenn's
abends kalt und dunkel ist? - Da kannst Du gar nicht arbeiten!
Na - also die Schule fing am 3. II. an, d. h. die Kinder kamen in die
Eishöhlen von Klassenzimmer u. bekamen Schulaufgaben, die sie am
nächsten Tage abgaben, um neue zu erhalten. Die Oberklassen machen
da natürlich viel Arbeit durch Korrektur der Hausarbeit. Ich habe
aber wieder ein 1. Schuljahr. Wie soll man denn Hausarbeiten aufgeben,
die müssen ja erst schreiben u. s. w. lernen. Nun ich mache es
so: Ich habe die Eltern mobilisiert und gehe 5 mal in der Woche mit
einer Gruppe von 8-10 Kindern in eine warme Küche oder Stube, -
nachher gebe ich dem Rest der Klasse in der Schule selbst Aufgaben.
Mir graute erst recht vor diesem "Küchenunterricht"
- aber es geht sehr gut. Ich sitze stets schön warm, die Mütter
sind sehr nett, und man kann mit den Kindern vorwärts kommen. Leider
ist meine Klasse recht wenig begabt - da macht es viel Mühe und
wenig Spaß. Von 9 - ½11 Uhr bin ich in der Küche,
von 11 Uhr an in der Schule. Korrektur ist wenig, - also habe ich mehr
freie Zeit, - wenn auch allerhand Nebenarbeit wie Geschichtskurse, ...lehrerausbildung
u. s. w. dazukommt. Wie hätte ich mich früher über die
freie Zeit gefreut! Jetzt fürchte ich sie fast.
Mit der Wohnung werde ich nicht viel tun können. Gerd oder
Du - Ihr müßtet mir offiziell den Auftrag geben, Eure Wohnung
u. Sachen für Euch zu verwalten, indem ich dort wohne. Vielleicht
wäre das ein Weg. - An sich habe ich es mit der Wohnung nicht schlecht
getroffen, - ein hübsches Zimmer, nette Leute, - aber kein eignes
Heim! Aber ich bin schon froh, daß alle Möbel im Zimmer u.
alles Geschirr u. s. w. - mein Eigentum ist.
Ich grüße Euch alle recht von Herzen.
Deine Sibylle.
Brevkort från
Elisabeth Zenker till Märta den 20 mars 1947
Abs. Elis. Zenker, 10a Dresden A27, Ermelstr. 13
Bundesland Sachsen, Sowj. Besatz. Zone, Deutschland
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D. 20. 3. 47.
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M. liebe Märta!
Grosse Freude bereitete mir Dein l. Brief, der freilich 4 Wochen gereist
war. Zu hübsch war es, von d. Kindern zu hören, wie reizend
muss der Kindertisch in Upsala gewesen sein von dem Helene erzählte.
Hoffentlich kamst Du vom Professorbesuch mit Stefan guten Mutes zurück
u. er war zufrieden mit d. Befinden des tapferen lieben Jungen. Und
Dein grosser Junge? was mag er mit St. erreicht haben? Wie sehnsüchtig
denke ich an Euch alle.
Seid vorgestern ist nun endlich Tauwetter u. die Elbe hat Hochwasser.
- Sag mal, kannst Du nicht Deine Bekannte fragen, wie deren Mutter hier
d. Ausreisegenehmigung erhielt? Ich bekomme keine Antwort aus Berlin
v. der schwed. Kolonie, Major Thomson , an den ich auf Rat d. Polizei
hier schrieb. Auch aus Hamburg keine Nachricht, die Helene so lange
schon ankündigte.
Nun kann ich auch wieder m. Arbeit tun mit d. dummen Fingern. In d.
Wohnung ist's noch sehr kalt u. nichts mehr zu heizen. Bleibt weiter
gesund u. fröhlich mit einander u. seid alle herzlich gegrüsst
von
Eurer Mutti.
April
1947
Brevkort från
Gerd till Märta den 22 april 1947
Liebste!
Dieser war der erste Streich... Na ja, es geht. Eine faule Sippschaft
ist das dort draußen. Arbeitszeit ½ 9 - ½
5, eine halbe Stunde Lunchpause mindestens, sonnabends bis 12.10. Leider
reicht die Zeit nicht, um den Zug 12.40 zu erreichen, ich kann also
erst 15.40 in E. sein.
Zuerst war ich bei meinem gefrälstem Bruder u. bekam meinen Ausweis.
Die Wohnungen werden in 3 Abteilungen gebaut, die erste soll 1. Oktober
fertig werden, genügt aber bei weitem nicht der Nachfrage, "det
blir slagsmål". Man kann sich noch nicht anmelden. Ich
muß jedenfalls auch anderweit suchen. Eva macht natürlich
schon große Pläne u. sucht die besten Straßenbahnverbindungen
nach allen Richtungen heraus.
Kostenlose Krankkasse für uns alle. "Interessekontor"
sorgt wie ein Vater für mich, bezahlt Miete, Versicherung, Abonnement
beim Haarschneider usw., ich brauche es nur zu bestellen. Noch nicht
beim Arzt gewesen, wurde hinbestellt. Lamner verreist, unser Konstruktionschef
hält mir langen Vortrag, führt mich herum und stellt mir 200
Svenssöner vor. U. a. Ing. Munck! Nett, baumlang wie alle Adelsmänner.
Ich habe aber nichts mit ihm zu tun.
Mein Zimmer: Acht mehr oder weniger sympathische Knaben u. auch ältere
Herren, lesen Zeitung u. unterhalten sich über Motorboote. Sehr
häßliches zugiges Durchgangszimmer. Oberlicht, kein Fenster.
Eigener Tisch, eigener Stuhl. Man trägt graue Schutzmäntel.
Sehr nettes kleines Ingenieurchen aus anderem Büro führt mich
den Rest des Tages herum u. versorgt mich mit Arbeit (= Lektüre,
ausgerechnet auf Englisch). Ing. Överby, den Namen wird man sich
merken müssen. Nette Kantine, aber langes Schlangestehen. Schwer,
einen Platz zu bekommen. Neben meinem Tisch steht ein Telefon. Denkst
Du etwa, ich antworte? I wo! Konzentration ist unmöglich in diesem
Stall. Im Zug kenne ich schon einen Haufen Leute.
Am
Kai (Stadsgården) herumgebummelt. Panzerschiff Oscar II. Selbst
die Russen haben halbmast geflaggt für Krischan.
Eva lädt zu festlichem Willkommessen ein. Gomm auf de Gautsch!
[= Komm auf die Couch??]
War es hübsch bei Schuberts? Habe ich was verpaßt?
"Ich freu mich Montag schon auf den Sonntag." In diesem
Sinne, immer mal wieder, [mation von Christians Mutter!!] Tante Jenny
erinnert sich an die Lousie [Louise? Pil till Christians
Mutter.]
Dein Gerd
Kuß!
Brevkort från
Gerd till Märta den 23 april 1947
23. 4.
Liebste!
Nun fühle ich mich schon als A-D-Veteran. Ich weiß sogar
schon, wohin die Türen in meinem Zimmer führen, und wie die
Kollegen an den Nachbartisch heißen. Leider lerne ich kein Wort
Schwedisch, abgesehen von ein bißchen Geschwätz hin und da.
Ich sitze nämlich und lese Englisch und Deutsch, ausgerechnet.
Der erste Arbeiter, mit dem ich sprach, hielt mich für einen Norweger.
Als ich mich als Faschistenhund zu erkennen gab, stellte sich heraus,
daß er eine deutsche Mutter hat u. ausgezeichnet Deutsch spricht!
Ich betrachte das als günstiges Vorzeichen.
Ich habe mich poliz. angemeldet, aber mantalsskrivningen ist nur einmal
im Jahr, im November. Mittagessen am günstigsten bei Norma. Heute
versuchte ich hushållsskolan Margareta, das lohnt sich aber nur
für ausgesprochene Freßsäcke. Die Amerikaner haben Ruge
als Gouverneur für Triest vorgeschlagen! Er wird es doch nicht
annehmen?! Morgen gehe ich in ein winziges Bumskino und sehe mir Urlaub
auf Ehrenswort an. Im Jahre des Herrn 1947!
Ich fühle mich so fremd u. ausländisch. Komisch zu denken,
daß dieser Lebensabschnitt möglicherweise eine Dauereinrichtung
ist und daß ich - wer weiß - vielleicht noch mit 80 Jahren
in Stockholm sitze. Eva ist nach wie vor rührend u. übertrifft
sich selbst.
Ja - ajö då!
Dein Gerd.
Brev från
Otto Schweitzer till Stefan den 27 april 1947

Brevkort från
Gerd till Märta den 28 april 1947
28. 4.
Liebste!
Tack så mycket för senast! Ich merke, daß ich doch
nicht genügend vorbereitet worden bin, um meinen ehrenvollen Auftrag
ausführen zu können. Wie heißt diese Vereinigung ungefähr,
die Redner ausleiht? Wo u. wann soll der Mann sprechen, bezw. vor welchem
Auditorium? Stell Dir vor, Du bist ich und kommst zu diesem Herren.
Was sagst Du da? Ist schon früher einmal einer in Teda gewesen?
Ich kann doch nicht gut hinkommen u. etwas von den Leuten verlangen,
wovon ich keine Ahnung habe.
Nun sitze ich an meinem neuen Platz. Hell u. geräumig, aber auch
nicht viel ruhiger. Auch hier sind die Leute nett. Ein Saal mit ungefähr
12 Zeichnern und ebenso vielen Tischen und Zeichenbrettern. Scheußliches
Montagswetter! Bist Du auch so überalle Maßen lieb, wenn
ich nicht da bin?
Eva weiß noch nicht, ob sie kommen kann. Von Tante J. glaubt
sie bestimmt, daß sie nicht mitfährt. "Vi har ju
några veckor att tänka på det."
Ja lilla Märta, som sagt var.
Jenny: "Nej tack så rysligt mycket. Kanske senare när
det är varmt."
Dein Gerd.
Brev från
fru Margarete Wessner till Märta den 29 april 1947
Nichtewitz, d. 29 April 47
Liebe Frau Zenker!
Nun ist es endlich doch Frühling geworden nach diesem langen harten
Winter und die Bäume stehen jetzt hier in Blüte. Recht spät
ist Alles daran, die Felder können nun erst bestellt werden der
großen Nässe wegen. Und diese Jahr hätte doch Alles
recht zeitig reifen mögen, um die Notlücke bis zur nächsten
Ernte zu überbrücken.
Bei Ihnen werden sich besonders die Kinder freuen, daß sie nach
der langen Winterhaft wieder hinauskönnen in Freiheit, Luft und
Sonne. Hoffentlich hat Stefans Behandlung guten Erfolg gehabt, so daß
auch er sich wieder herumtummeln kann. Es mag eine harte Geduldsprobe
für den kleinen Kerl gewesen sein. Ich hoffe auch, daß Sie
den Winter gut überstanden haben in gesundheitlicher Beziehung.
Bei mir war es der Fall, nur einen Finger hatte ich mir beim Holzhacken
gequetscht und der ist nach 7 Wochen noch immer nicht ganz in Ordnung,
so daß ich lange Zeit gar nicht nähen konnte.
Ich freue mich, daß man nun wieder zum Holzholen in den nahen
Wald gehen kann und hole mir fast jeden 2ten Tag einen kleinen Handwagen
voll. Dadurch kann ich das zugewiesene Holz für den Winter auf
sparen. Und ich bin so gern im Wald. Ein anderes Vergnügen habe
ich hier nicht. Wenigstens konnte ich mir jetzt einmal einige gute Bücher
leihen, Lesestoff vermiße ich hier sehr, und in den Tageszeitungen
steht auch nichts Erfreuliges [sic], im
Gegenteil bekümmert Einen sehr das Schicksal Deutschlands, wenn
man die Verhandlungen liest. Für mich neigt sich ja das Leben dem
Ende zu; aber die nächste Generation wird kein schönes Leben
haben, sie bedauere ich.
Liebe Frau Zenker, nun hätte ich Ihnen ja gern den Empfang Ihres
Paketes angezeigt. Es tut mir sehr leid, daß ich das nicht kann.
Es ist ja nicht nur für mich, sondern auch für Sie eine Enttäuschung.
Haben Sie aber nochmals herzlichen Dank, daß Sie mir die Freude
machen und mir helfen wollten. Ich las in der Zeitung, daß die
Hälfte aller Auslandspakete verloren ginge, d. h. gestohlen würde.
Mit der Moral ist es eben jetzt schlecht bestellt in Deutschland und
wird mit den zunehmenden Nöten noch schlimmer werden. Die zuständigen
Post- und Bahnstellen sind wohl machtlos, etwas dagegen zu tun oder
kümmern sich nicht darum. Ich hätte mich doch so sehr über
das mir zugedachte gefreut und hätte etwas Zusätzliches auch
so gut gebrauchen können, auch Zwirn oder Stopfgarn, woran großer
Mangel ist. Es denken zwar Alle, auf dem Dorfe hat es keine Not. Aber
zu kaufen bekommt man hier trotz aller Bemühungen nichts; z. T.
sind auch Kartoffeln, Möhren und Kohlrüben in den Mieten erfroren
u. verfault. Aber wer noch hat, gibt nur gegen Tauschware ab. So sieht
man täglich Fremde mit gefüllten Rucksäcken abwandern
und muß sich auch sorgen, ob man mit den geringen Vorräten
bis zur nächsten Ernte reicht. Nach Brot muß man sich jetzt
schon immer viele Stunden anstellen. Erfreulich ist das Leben jetzt
wirklich nicht mehr.
Nun ich denke, liebe Frau Zenker, daß Sie es schöner und
besser haben und gönne es Ihnen sehr. Nur das Getrenntsein von
Hrn. Zenker wird Ihnen schwer sein. Ich hoffe, Sie haben immer gute
Nachrichten aus Dresden. Ich schließe den Brief mit recht herzlichen
Grüßen an Sie und Ihre liebe Familie. Laßen Sie bitte,
einmal wieder von sich hören. Das würde sehr freuen.
Ihre Margarete Wessner.
Maj
1947
Brevkort från
Gerd till Märta den 1 maj 1947
1. 5. 47.
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Liebe!
Eigentlich hätte ich ja gestern abend schreiben wollen,
aber ich habe es reineweg vergessen, bis ich um elf im Bett lag.
Ist das nicht schmählich? - Ja, das war ja ein recht winterliches
Frühlingsfest. Ich war um 8 auf Skansen, das war ganz hübsch
mit den vielen Weißmützen und den Feuern. Reitertournier,
Volkstänze, Chöre, "Platzmusik". Aber soviel
Menschheit, beinahe wie in d. Dresdener Straßenbahn. Dann
trieb ich mit dem Strom ins "Tivoli" hinein. Unmöglich,
irgendwo zu fahren oder fliegen, vor jeder Bude stand eine endlose
Schlange. Ich Statistiker stand und rechnete vor jeder Schlange.
Resultat: zwischen 20 und 70 Minuten Wartezeit!! Ein Vergnügen
gab es aber ohne Warten:
Nein, das war nichts für einen Gelehrten. Aber einen anderen
Spaß hatte ich gestern: das erste Geld! Schööön.
Da brauche ich also keine finanziellen Kunststücke zu versuchen,
um über den Mai zu kommen. Aber: 25 % Steuern, bis ich einen
Skattsedel habe, dann (schätzungsweise) ungef. 17 %. Das
ist ja aber nicht so schlimm. In meiner Freude rannte ich gleich,
um Radioapparate anzusehen. Ich glaube schon, wir sollten den
kleinen Philips nehmen. Ich habe Angst vor gebrauchten, vielleicht
dumm.
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Eva will unter keinen Umständen mehr als 30.- nehmen. Nichts zu
machen. Gerührtes, fünfminutenlanges Händeschütteln.
Tant Jenny kommt mit 2 Briefen! Tack lilla Du. Wie nett, der diskrete
Brief vom Rudl. Ja visst, die guten Leute müssen was kriegen. Das
Auslösen in München kostet ja eine Menge Geld, und das Porto
nach Dresden! Weißt Du noch genau, was Du einpacktest? Darüber
sprechen wir wohl am Sonntag. Nun schreibe ich an Frau Mutter Zenker.
Aber nicht über Atlas Diesel. Tack för vitsippan! Ja, ich
weiß nicht recht, ob ich gestern abend 21h
an meine Liebste dachte. Kann schon sein! - Die Aussicht von Solliden
ist so schön bei Einbruch der Dunkelheit. Ein ganz ganz kleines
bißchen wie Lingnerterasse.
Leb wohl, mein kleines bißchen, hol mich ab "wie gewöhnlich",
så är Du snäll.
Kuß Gerd.
Widman heißt es (bezw. sie).
Brevkort från
Gerd till
Märta
den 7 maj
1947
7. 5.
Liebe Kleine!
O hur härligt... Lächerlich, wie schnell alles jetzt
grün wird. Nun gehe ich ohne Mantel zur Arbeit. Kann ich mir ja
leisten, so überaus elegant wie ich bin. Außerdem bin ich
dabei, meines Lebens größten Wahnsinn zu begehen, nämlich
einen Radioapparat zu kaufen. Ein
Mann mit so vielen Schulden! einer so zahlreichen Familie! So wenig
Geld in der Tasche! Das ist der Fluch des Abzahlungssystems. Gestern
habe ich mir einen kleinen Philips und einen großen, hübschen
Aga heimkommen lassen u. habe sie den ganzen Abend auf Herz und Niere
geprüft. Der Große ist 120 kr = 6 Monate teurer als der Kleine,
aber ich glaube, wir sollten trotzdem lieber den großen nehmen,
weil er natürlich in verschiedener Hinsicht viel besser ist. Schließlich
sind wir ja mindestens 10 Jahre mit dem Ding verheiratet. Wie schade
daß ich dich nicht da habe, um wenigstens 50 % der Verantwortung
abzuwälzen! Nun bin ich es allein, der in der Verwandtschaft in
einen unsoliden Ruf kommt.
Helene schrieb mir u. hat uns Zenkers noch einmal für Pfingsten
eingeladen. Auf nach Hinsnoret! - Heute bin ich zu Kroppkakor eingeladen,
weil ich nicht weiß, was das ist (wahrscheinlich habe ich es bei
Dir schon hundertmal gekriegt.) Sonst gibt es nichts neues. Ich habe
ein kleines 5 Seiten-Berichtchen in schauerlichem Schwedisch verfaßt
und Lamner überreicht. Mußt Du zur Feier des Namenstages
korrigieren, damit es in etwas besserer Form auf die Nachwelt übergeht.
Mach's gut, Kleine. Stefan paps nicht so!
Dein Gerd.

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Ur Stefans fotoalbum: Favoritkusinen Ingela.
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Mariann, Karin, tant Lene med Ann-Margret.
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Brev från
Elisabeth Zenker till Märta den 22 maj 1947 från Dresden
(eftersänt till Södergat. 2IV Widman den 8 juni).
Meine liebe Märta!
Das war ja wie ein Wunder: Deine l.[liebe]
Karte, die am 15. geschrieben, aber am 20.5 abgestempelt ist, kam heute
früh, also nach 2 Tagen schon an. Das ist ja schon über-friedensmässig!
Hoffentlich antwortet Dir das Konsulat nun eben so postwendend wie ich
u. dann können wir weitersehen, was sich tun lässt. So verschieden
wird es ja gehandhabt. Frau Dittner erzählte von einem Fall in
Berlin, wo ein höherer ehem. Offizier aus dem Westen seine gesamte
Habe u. Möbel, die in seiner Berliner Wohnung von Ausgebombten
benutzt wurde, zu sich nach dem Westen holen durfte! Aber das war eben
nicht in der russ. Zone.
Nun soll ich Dir von Nanna viele Grüsse sagen, es interessierte
sie so sehr, was Du von den deutschen Kindern schreibst. Es wäre
ja zu schön, wenn Du gute Menschen ermitteln würdest, die
welche aufnehmen, denn Du selbst hast doch wohl mit Deinem Kleeblatt
schon genug Arbeit, oder hatten Deine guten Eltern dran gedacht? Aber
weisst Du, viel nötiger als Kätes Kinder, die viel besser
ernährt worden sind, haben es hier Frida Seidels Barbara (14 J)
u. Armgart, die wohl 11 J. ist u. Anne Wellers Brigitte (12) u. Annemarie
(10) die in der Schuluntersuchung "Ernährungszustand ganz
ungenügend" gesagt bekamen. Nanna meint, vor'm Jahr waren
Wellers Kinder, aber jetzt doch mehr Fridas am elendsten. Was Frida
selbst immer noch durchzumachen hat, kann ich Dir garnicht so schreiben,
- das richtige Kesseltreiben ist es. Deshalb wäre ihr auch so das
Glück zu gönnen, wenn wenigstens eine ihrer Mädel, vor
allem Barbara, die nicht wie 14 aussieht, mal etwas rausgefüttert
würde.
Es kommen nun für uns alle recht schwere Monate, wo es keine Kartoffeln
mehr gibt u. das was auf d. Karten steht oft mit "Austausch"
beliefert wird, also z. B. anstatt Fleisch dann Quark von Magermilch.
Gemüse natürlich garnicht, wir essen eigentlich jeden 2. Tag
Brennesseln, die zum Glück in Schweitzers Nähe wachsen, hier
in Striesen gibt's natürlich keine. Sie schmecken auch richtig
gut so mit Kartoffeln zus. gekocht, aber wenn letztere in baldiger Zeit
alle sind, machen die Brennesseln allein auch nicht satt. Wie bitter
schwer ist da das Leben für Mütter mit viel Kindern!
Also wenn Du was für die Rüger-Enkel tun könntest, sie
irgendwo unterbringen, - wieviel Dank würdest Du ernten! Das ist
der grosse Haken bei meiner geplanten Reise, - ich schäme mich
fast, so hier alle im deutschen Elend sitzen zu lassen u. komme mir
fahnenflüchtig vor. Und doch sehne ich mich so sehr nach all m.
lieben Kindern "im hohen Norden"! Das ist ja wohl zu verstehen
nach 8 u. 3 Jahren!
Jetzt will ich den Brief noch wegschaffen damit er schnell hoffentlich
reisen kann. Mit 1000 Grüssen Dir u. all Deinen Lieben.
Deine Mutti.
Brevkort från
Gerd till Märta den 29 maj 1947
Donnerstag abend.
Märtalein!
Ob Ihr denn wieder zuhause seid? Schönen Dank für die Karte.
Den blanken Knopf werde ich leider selbstverständlich vergessen.
Sv. wollte ich anläßlich einer "Dienstreise" zur
TH besuchen, er ist aber bis 3. 7. in Göteborg. Das Planimeter
kam gut an. Besten Dank an Gunhild!
Ich sah im Fahrplan, daß ein Bus um 17.35 vom Bahnhof abgeht,
den werde ich benutzen, außer wenn mir die Post morgen Näheres
über das Rad bei Thulins bringt.
Mach's gut. Auf bald!
Dein Gerd.
Juni
1947
Brev från
Märta till Gerd den 3 juni 1947
Salta den 3 juni 1947
Mein geliebter, allerliebster Gerd!
Nun habe ich so viele Briefe geschrieben: gestern an Dagens Nyheter
(Anzeige) Mittwoch oder Donnerstag mußt Du sie drin lesen, und
an Linds i Borlänge. Vorgestern an Erik und Mutti (von Pfingsten
erzählt) und heute an Böhmes, Kuzzers und nun auch an Dich,
mein Gerd!
Jag är så glad över det här bifogade kortet, som
Du förstår, som om det gällt mig själv, nästan.
Så rart skrivet av Curt Heinz. Kannst Du nachfühlen wie glücklich
sie sind? Och dom, som ej haft varandra sen sommaren1939. Sie möchte
ich furchtbar gern in meiner Nähe haben.
Ma. hat an Erik geschrieben, sah ich, daß ich Freitag früh
nach Sthlm. fahre. Da sagen wir wohl das und sehen uns bei Eva um 17
Uhr! Soll ich auch eine Wohnung kaufen? Es gibt doch solche wo man ein
paar Tausend einmalig bezahlt und dazu gew. Miete. Deine kleine Frau
nimmt alles.
Erik schreibt von seinem Kamerad, wie der als sie das Bett teilten
wohl von seiner Frau träumte, weil er anfing Eriks stjärt
abzutasten zugleich auch die Brust, worauf Erik sich diskret immer mehr
an die Kante zog. Zustände wie in Deiner alten —
— — — [sic].
Heute war Pa. auf Wappa von Tante Anna gebeten zu einem
Konferenz mit Alfs Bruder und einem alten Freund von Alf Ins. Furchtbar!
Ma. hat an Klingbergs geschrieben und von dem wohltuenden Regen erzählt.
Stefan hat von Rolf Anders. eine Angelrute gekriegt. Nun mußte
ich gestern und heute mit zum See. Nichts hat es gebracht, aber unsre
badeten alle drei. +18° soll es im Wasser sein. Ich mag das nicht
den Wurm auf den Angelkroken (?) zu setzen, men mamma gör det med
Schwung.
Schon wieder ist es um 12. Heute habe ich mal wieder
so zärtlich an Dich gedacht. Auktionsrechnung u. Röntgen bezahlt
61 + 20. Frottéhandtücher gemacht 9 St. Viele Pelargonien
und Dahlien gepflanzt. Stefan hatte wieder Zahnweh! Morfar auch!
Ich bin Dir heute treu geblieben!
Deine Märta
Brev från
Gerd till Märta den 3 juni 1947
Brev från
Nessi Kiendl till Märta den 4 juni 1947
Eibishof, 4. Juni 1947.
Meine liebe Märta!
Vor etwa 2 Monaten erhielt ich von einem Salzburger Spediteur die Mitteilung,
ich solle ein schwedisches Spendenpaket bei ihm abholen. Ich telegrafierte
ihm, er solle es sofort hierherschicken. Es erfolgte nichts. Dann schrieb
Bern an ein junges Mädel in Salzburg u. diese schickte uns dann
das Paket. Bern holte es Samstag Abend in der Stadt ab. Am Sonntag früh
wurde die ganze Familie zum Auspacken versammelt! Das gab ein Ah und
Oh, - hättest Du es nur hören können! Ob es nun das Paket
vom vorigen Jahr war? Vielleicht brauchte es so lange, weil Du nicht
"Österreich" draufgeschrieben hattest. Es war wohl geöffnet
worden u. etliches gestohlen aber das ist ja bei dem langen Unterwegssein
kein Wunder. Trotzdem waren noch Herrlichkeiten drin! In den Haferglocken
waren Maden, sonst war alles noch gut u. die Haferflocken haben wir
durchgesiebt.
Du glaubst nicht, liebe Märta, welche herrliche Hilfe diese Dinge
für mich sind! Und welches Glück für die Kinder: Schokolade!
Bonbons! Kakao! Alles Dinge, die wir ja gar nicht mehr kennen! Wir dürfen
ja nicht klagen, wirklich gehungert haben wir noch kaum. Aber wenn man
fast nur von Kartoffeln u. Gemüse lebt, so fehlt eben doch vieles
und es macht viel viel Kopfzerbrechen wie man täglich alle satt
bekommt.
Bern geht früh um 6 aus dem Hause, kommt nur 9h Abends
heim. Ich muß ihm für den ganzen Tag Essen mitgeben. Auch
Gerold geht um 6h fort, kommt gegen 2h heim, muß
auch viel mitbekommen und beide brauchen was Ordentliches beim Heimkommen.
Wie herrlich ist der Zucker! Und wie glücklich ist bes. unsre Oma
über den echten Tee u. wir alle über den Kaffee! Und der Speck
gibt viele schöne Mahlzeiten. Die Weizenflocken sind auch so herrlich
nahrhaft u. wohlschmeckend, - dies alles ist wundervoll. Hab vielen
innigen Dank auch von all meinen Leutchen.
Vor einigen Tagen kam auch das schöne Paket von Deiner Mutter
mit dem schönen dicken Wintermantel der Wolf wie angegossen passt
u. den er sehr gut brauchen kann u. die schönen festen Schuhen,
die Burgl für den Winter dringend nötig hat! Auch dafür
danke ich Euch von ganzem Herzen. Auch von Helene bekamen wir solch
schönes Paket, es war nur 3 Wochen unterwegs und auch ganz herrlich.
Sogar die Butter war noch tadellos. So kommen wir uns jetzt vor, wie
die Krösuse. Ich habe gleich eine ganze Menge beiseite gebracht
für die schlimme uns bevorstehende Zeit im Lager.
Im Juni soll angeblich der Transport gehen, mit dem wir Hof u. Heimat
verlassen sollen. Hannes, der ja Gott Lob seit dem 2. Mai daheim ist,
rennt täglich auf Ämter u. Behörden, englische u. oesterrische,
um zu erreichen, daß unsre Ausweisung verschoben wird, bis über
das deutsche Eigentum entschieden ist. Aber es ist sehr wenig Hoffnung,
daß es noch gelingt. Oma kann bleiben u. will es auch, bis wir
für sie ein Unterkommen gefunden haben. Für Bern und Wolfram
kämpfen wir noch u. hoffen es zu erreichen. Bern arbeitet weiter
bei dem Gartenarchitekten (bittet aber sehr weiterhin auf ihn zu denken,
wenn eine Einreisemöglichkeit nach Schweden besteht!). - Wolferle
ist bei einem Bergbauern auf100 m Höhe, herrlich gelegen, hat es
gut, wenn auch viel Arbeit! Aber er ist wie Kind im Hause als Ersatz
für einengefallenen Sohn. Er möchte sehr gern dort bleiben.
Was wir 4 - Hannes, ich, Gerold, Burgl dann draußen im Reich
anfangen, wo u. wie wir unterkommen werden, das ahnen wir noch nicht.
Es graut uns, wenn wir daran denken!
Wie freue ich mich für Euch, daß Ihr nun endlich wieder
vereint seid! Was liegt alles zwischen dem Pfingsten, das Ihr bei uns
in Spanheim verlebtet u. heute! Bitte schreibe mir doch auch mal ausführlich
von Euch allen. Hast Du keine Bilder von Deinen 3 Buben?
Daß mein geliebtes Muttchen im März heimging, kann ich noch
immer nicht fassen. Wie sehnte sie sich, uns alle noch mal zu sehen!
- Wie fehlt mir ihre Liebe, ihre langen, teilnehmenden, guten Briefe.
Wie schwer waren ihre letzten Jahre und die letzten Monate nur Hungern,
Frieren u. Krankheit. Und ich konnte ihr nicht helfen, nicht bei ihr
sein. Damit kann ich nicht fertig werden.
Ich tröste mich nur damit, daß sie nun jenseits allen Leides
ist. Das Leben läßt selbst uns Jüngeren nicht mehr viel
Hoffnung auf bessere Zeiten, alles ist so trostlos, - wir müssen
den Alten die Ruhe gönnen. Ich wünsche Helene nur von Herzen,
daß sie ihre Mutter bald zu sich nehmen kann und nicht diesen
Schmerz erlebt ihr in Krankheit u. Not nicht helfen zu können.
Es ist schon spät Abends geworden und ein Tag mit 33° im Schatten
und Wascherei hat mich recht müde gemacht u. die Hände sind
kaput durch die Aschenlauge, da es keine Seife gibt. Also entschuldige
bitte die Schrift. Auch wird der Brief recht durcheinander sein, da
sich alles neben mir unterhält u. ich sehr oft weggerufen wurde.
Dir u. all den Deinen herzliche dankbare Grüße!
Deine Nessi.
Brevkort från
Märta till Stefan den 6 juni 1947, från Stockholm till
Salta
6. 6. 47 kl. 21
Kära Du!
Jag hittade nyss en 10-öring utanför Centralen. Den ska Du
få. Hoppas jag hittar pengar åt Rolf o. lilla Erik också.
Fick just i kväll ett kort fr. morb. avsänt i går m.
Brit. Museum på o. gratul. till bröllopsd. Nu ha vi varit
på bio o. hört Moldau, det var så vackert.
Pappa har best. en stuga åt oss, alldeles egen stuga, som heter
TROLLEBO o. som Atlas Diesel bygger åt oss, men den är inte
färdig förrän 1948, 1 okt. Men det blir väl rart.
Dom ska bygga 16 såna små hus. 200 kr inkl. värme.
Nacka byggn.nämnd däremot sa, att härute finns det inget
att hyra. Det är bara Atlas D. som bygger åt sina anställda.
Nu har jag skrivit till morb. också. Jag glömde blommorna
på tåget, så jag fick hämta dom sen hos konduktörn.
Jag såg på bio, hur kungen kom hem o. småprinsessorna
kysste honom O. Sibylla log så rart.
Sov gott och var lika snälla som vanligt!!
Mamma
Brev från
Sibylle Zenker till Märta den 7 juni 1947
Dresden, den 7. VI
Meine liebe Märta,
Eben erst habe ich die Büchse mit dem Milchpulver aufgemacht.
Es ist so herrlich, daß ich Dir gleich noch einmal schreiben und
danken muß. Milch - wie lange habe ich keine Milch getrunken!
- die gibt's für uns doch überhaupt nicht mehr. Das ist ja
ein Hochgenuß! Habe nochmals Dank!
Montag schon will meine Schwester zurückfahren. Da umschließt
mich wieder die Einsamkeit. Gut, daß ich sie ertragen kann.
Ja, - ich brauche sie oft sogar; wenn sie auch eine sehr herbe Freundin
ist. Warum das Schicksal nur gerade mich zu solchem Alleinsein bestimmt
hat! Aber das sind unnütze Fragen, die einem so am Abend kommen.
Entschuldige! - Else hat viel für mich gearbeitet: gewaschen, geflickt,
gestopft u. s. w. Nun ist wieder alles in Ordnung. - Hier gehen wieder
einmal allerhand wilde Gerüchte um. Ich glaube sie nicht. Mich
kann ja auch nichts mehr treffen. Aber "Frieden", "Ruhe"
ist noch lange nicht.
Ein Glas mit herrlichen roten Rosen steht vor mir. Ich habe fast immer
Blumen im Zimmer. Eine Schülerin ist Gärtnertochter! Auch
von Elisabeth - [oläsl.] Du Dich noch
an diese [oläsl.] von mir? - bekomme
ich welche, wenn ich sie in ihrer Gärtnerei i. Radebeul besuche.
- Auf der Post sagte man mir, daß man Briefe bis zu 1 Pfund nach
Schweden schicken kann. Hast Du einen Wunsch, den ich Dir erfüllen
kann? Überlege was mal!
Eine Kollegin von mir, die 70jährige Frau Busch, ist Tochter einer
Schwedin. Sie erzählte mir auch heute von Schwedenpaketen.
Gute Nacht! Grüße alle Deine Lieben von mir. Recht von Herzen.
Deine Sibylle.
Brevkort från
Gerd till Märta den 16 juni 1947
D. 21. 5. 47. Gratuliere nachträglich zum 12 jährigen Jubiläum!
Hörru Du!
D. 16. 6. 47. Da taucht es wieder auf, das gute Stück. Nein, was
ich gestern für eine schöne Abend-Radpartie gemacht habe!
Nie hätte ich vom Auto aus gesehen daß Karl-Gustaf Kungsråg
II angepflanzt hat. Außerdem habe ich die schöne Upsala-Tochter
getroffen. Ich fuhr so langsam, daß ich passend zum 20.45-Zug
kam. Das Rad habe ich für Blomberg - Strömsta hinterstellt,
ich habe keinen Zettel bekommen. Schönen Dank für gestern,
meine Kleine, es war hübsch, aber im Handumdrehen vorbei. Heute
bin ich todmüde und zu garnichts zu brauchen, vielleicht macht
es die drückende Wärme. Als ich gestern heimkam lag ein Brief
von Mutti da, das war hübsch. Hält die Luft noch in Stefans
Hinterreifen?
Ins Bett, die Motten warten. O wie will ich mich breit machen!
Grüße die ganze Doppelfamilie!
Dein Gerd.
Brevkort från
Gerd till Märta den 17 juni 1947
17. 6. 17h.
Tüchtig! tüchtig! Hast Du das wirklich in der kurzen Zeit
übersetzt? Da wird der kleine Överby aber froh sein, wenn
er garnichts mehr zu tun kriegt. Und Pyk erst! Es war aber sehr unvorsichtig
zu schreiben "ich habe es gern gemacht". Denn das soll
nicht das letzte Mal gewesen sein!
Ach Kleine, wenn Du nur wüßtest, wie warm es auf einem 200
pfundigen Dieselmotor ist. Es muß weiß Gott kein Vergnügen
sein, Maschinist auf einem Afrikadampfer zu sein!
Gestern kam ich leider zu spät heim, als daß ich noch auf
die Post hätte gehen können (obs. meine grammatikalische Meisterschaft!).
Nein, nun muß ich zu PUB laufen und meinen Schal umtauschen. Leb
wohl, meine kleine Liebste!
Dein Gerd.
Kopia av brev
från Märta till Firma Bjerkes byggen den 20 juni 1947
Salta Gård, Enköping d. 20. 6. 47
Ingeniör Gate
Stockholm
Åberopande mitt telefonsamtal med Ingeniör Gate, ber jag
få anmäla mig som sökande till en 3-rumsvåning
vid Firma Bjerkes byggen i Gubbängen.
Min make är ingeniör hos Atlas Diesel med 12000 kr. årsinkomst.
Vi ha tre barn och f. n. hyr min man ett möbl. rum och jag bor
med barnen hos mina föräldrar, godsägare af Sillén,
Salta, Enköping.
Min man är tysk medborgare och har sedan i julas varit i Sverige,
och då vi inte på tre år på grund av kriget
haft ett eget hem, skulle vi med största tacksamhet ta emot ett
ev. erbjudande att få hyra hos Eder. Jag har talat med Eder kusin
Britt-Maja Bergman, som väl känner vår familj och som
lovat lägga in ett gott ord för oss.
Med utmärkt högaktning
Märta Zenker f. af Sillén
Salta Gård, Enköping, tel. Svinnegarn 8
Juli
1947
Brevkort från
Gerd till Märta den 10 juli 1947
10. 7.
Du Gute! Schönen Dank für Deinen lieben Brief mit
Beilagen! Glücklicherweise habe ich die Anweisung auf der Rückseite
des Umschlages zu spät gesehen. Wie hätte ich es denn bis
morgen aushalten sollen?! Ich verspreche Dir aber, den Brief morgen
zur Feier des Tages noch einmal ganz langsam u. andächtig zu lesen.
Dann werde ich auch der Geschichte von S. A., R. P. und E. K. (oder
S. P., R. K., E. A., oder S. K., R. A., E. P.?) die gebotene Aufmerksamkeit
widmen. [Mamma brukade berätta sagor om "Stefan
Andersson", "Rolf Pettersson" och "Erik Karlsson"
för sina söner.]
Ja, was hast Du doch für einen alten Knawatzen [??]
zum Mann. Wie soll das erst in zwei Jahren werden? Ich glaube, dann
nehme ich Urlaub und entziehe mich allen Huldigungen indem ich mich
nach Lappland zurückziehe. Heute fühle ich mich so fein und
weltmännisch infolge der Bügelfalten in meiner neuen, noch
vollkommen unbepubsten Hose (bin mir leider über die Orthographie
nicht ganz sicher). Möge es ewig so bleiben!
Vielen Dank für den heutigen, heldenhaft ungeöffneten Brief.
Du hast recht, das Mädchen ist wahnsinnig unvorsichtig. Aber nicht
verflucht! Leider leider ist der Brief so konventionell, daß ihn
jeder lesen könnte, selbst die eigene Frau. Na ja, da kann man
nix machen. Der Regen ist gewiß gut für E's Knie! Weckt mich
morgen nicht zu zeitig mit eurem Gesang.
Ich grüße meine vier Lieblinge. Kuß!
Brev från
Gerd (c/o
Widman, Stockholm)
till Märta den 16 juli 1947
|
Brev
från Märta till Gerd (c/o
Widman, Stockholm) den
17 juli 1947
Salta den 17. 7. 47
Kära Du, ja stanna Du. Nog är det tråkigt, men
det är ju viktigt att Du gör ett gott intryck. Och så
kommer Tant Rut och Nina hit på supén och över
söndan. Annars blir det bara de närmaste grannarna,
ej stadsbor. Far Du till skärgårn då?
Tänk, Stefan har ont i benen då och då. Och
särskilt i dag har jag hållit honom så stilla.
Han har suttit inne och lekt. Och i kväll haltade han så
och hade t. o. m. ont i själva höften. - Nu ska jag
bädda honom på verandan riktigt, åtminstone till
12. Kanske längre, om det går o. så ska jag ringa
och be att få komma till professorn på tisdag. Jag
är så ledsen. - Men på morgonen efter nattens
vila är han bättre.
Ja, så ska jag skriva till stackars Laube. Vet Du, jag
tror, att vi ej få kontraktet, förrän det gått
igenom priskontrollnämnden, så att summan, som vi betalt
kan fyllas i.
I går kväll kl. 21 kom farbror Axel från en
tjänsteresa m. sin byggnadsingeniör. Farbr. A. visste
ej vad jag hette, när han skulle presentera! - Och i kväll
var det en stilig agronom här, som jag bara såg genom
köksfönstret, som sa: Min faster Ellen Key! Så
det så.
I går var vi till sjön o. badade, kallt, o. plockade
5 liter skogshallon. Dom slår ärterna med slåttermaskinen
i dag och ha därvid klippt av benen på 4 harungar,
som dom sen fick slå ihjäl. Berätta det för
tanterna!
Jag är så bekymrad i kväll, så jag vet
just inte, vad jag ska skriva. Så roligt med Din portfölj!
Kostar?
Då ses vi inte, förrän den 26 då. Hoffentlich
alle froh! I morgon börjar Fredrik med fruntimmersveckan,
då brukar det alltid regna lite.
God natt sov gott och trevlig veckända.
Din gamla Märta. Kuss.
Vad säger Du om laboratoriechefen i Finspång? Har
skrivit Stefan Andersson-saga till lilla Karin på 3 ark
i går! Kyss igen.
Hur länge gäller Ditt uppehållstillstånd?
Kuss!
An Laube geschrieben: Vielen Dank für Ihren Brief. Die
Anschrift ist nach wie vor Dresden Ermelstr. Schreiben Sie aber
an mich, wenn Sie einen besonderen Wunsch haben usw.
Kuss von Märta Zenker
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Stefan.
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Rolf och mamma Märta.
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Erik framför "klätterträdet"
på Salta.
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Brev från
Gerd till Märta den 19 juli 1947
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Brevkort från
Gerd till Märta den 22 juli 1947
Brevkort från
Gerd till Märta den 24 juli 1947
Dank für Deinen Brief, fleißiges Mädchen. Ja, min gamla
åsna, ich wunderte mich nur, wie Du wissen konntest, daß
mein Taschentuch so durchlöchert ist!
Nun ist die Schwiegermutter im Anmarsch! Hur känns det? Vorbei
mit der goldenen Freiheit für die Schwiegertochter! Ich bekam heute
die sensationelle Nachricht von Hel. 10 Tage Quarantäne ist ja
langweilig!
Hast Du mich beim 50 Jahrestag würdig vertreten? Hätte ich
selbst eine Glückwunschadresse verfassen sollen? Natürlich!
Man kann sich ja nicht immer nur auf seine Frau verlassen.
Cläre schrieb u. fragte nach dem Schicksal des großen Schrankes!
Die Woche ist ohne große Ereignisse verstrichen, ausser der ersten
lächerlich-feierlichen Sitzung des Wohnungsvereins.
Hoffentlich bleiben H + H bis Samstag bei Euch!
Muß lilla Märta.
Dein Gerd.
Brev från
Eric Oxenstierna till Märta den 24 juli 1947

Brev från
Elisabeth Zenker till Gunhild af Sillén den 27 juli 1947
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An Frau Gunhild af Sillén, Enköping, Schweden
von " Elisabeth Zenker, Dresden A21, Ermelstr. 13
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D. 27. 7. 47
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Liebe Gunhild!
Gerade hatte ich an meine liebe Schwester geschrieben, die 4 Tage bei
mir zu Besuch war und so besorgt, uns nicht zu viel "wegzuessen",
- dass zwar alle Büchsen leer seien, dass aber der liebe Gott noch
immer wunderbar weitergeholfen hat, da kam die Karte, dass ich auf der
Post ein Paket aus Schweden abholen könne. Welch frohe Ueberraschung!
Unbeschädigt konnte ich Eure guten hochwillkommenen Gaben in Empfang
nehmen u. danke Euch vom ganzen Herzen dafür. Ihr könnt Euch
ja vielleicht gar nicht vorstellen, wie Ihr uns damit wieder ein Stück
vorwärts helft im so mühseligen Kampf ums tägliche Sattwerden.
Hätten wir Schweitzers nicht mit Gemüse, das nun mit Eurem
schönen Mehl oder Bohnen gekocht werden kann, so wäre ich
- seit Wochen ohne Kartoffeln - ganz ratlos, was kochen.
Und nun gar zur Ermunterung der kostbare Kaffee u. Butter u. gute Seife
für die spröde Haut, alles mit Dankbarkeit begrüsste
Sachen wie auch das nahrhafte Knäckebrot. - Ja, diese Freude entschädigte
mich so für die bittre Enttäuschung, die ich 4 Tage vor der
ersehnten Abreise nach Schweden hatte. Ich war gerade beim Packen, als
das Telegramm kam: "Transport auf unabsehbare Zeit unmöglich
wegen Grenzschwierigkeiten". Wie hatte ich mich gefreut und
wenn es auch schwer war, von vielen Lieben hier auf lange Zeit Abschied
zu nehmnen, so überwog doch die Sehnsucht nach den schwedischen
Kindern u. Enkeln, sie endlich wieder einmal umarmen zu können.
Nun heisst es sich bescheiden u. hoffen, dass es doch einmal möglich
sein wird, ehe die Zeit dahinfliegt u. ich immer älter u. unnützer
werde. Denn ich möchte doch nach Kräften noch helfen u. mit
arbeiten können in Haus u. Garten. - Nanna meint, Du habest etwas
geahnt von der vereitelten Reise, denn Du schriebst in Deinem Brief
an sie in Bezug auf der Reise: "Hoffentlich ist es nicht zu
spät". Aber vielleicht meintest Du bloss, weil der Sommer
gar so kurz ist.
Nun werde ich das schöne Hinsnoret wohl nicht in der frohen Ferienzeit
mitgeniessen können. Meine Gedanken eilen aber ebenso zu Märtha
u. Gerd, ich bin so glücklich, dass sie so schnell sich ihr eignes
Nest bauen können. Aber natürlich fühle ich auch sehr
mit Dir, liebe Grossmama Gunhild u. Elof, es wird wieder so still um
Euch und Du wirst das jahrelange schöne Zusammenleben mit Tochter
u. Enkeln schmerzlich vermissen. Aber zum Glück ist es ja keine
weite Fahrt zu einander, kein Luleå oder Malmö oder gar "zwei
tiefe Wasser" wie zwischen Helene u. mir. Viel, viel Arbeit
gibt's nun für Euch u. ich wünsche Euch, dass Ihr sie in guter
Gesundheit u. ohne allzuviel "Aufregungen" übersteht.
Für heute grüsse ich Dich u. all Deine Lieben herzlichst
und mit nochmaligem innigen Dank für Eure fürsorgende liebevolle
Hilfe als
Deine tillgivna
Elisabeth
Brevkort från
Gerd till Märta den 29 juli 1947 från Stockholm
29. 7
Märtalein! Ihr saht so über alle Maßen niedlich aus,
wie Ihr so nebeneinander auf der Bank saßest (saßt) und
Abschied winktet. Ich war längere Zeit der Mittelpunkt allgemeiner
wohlwollender Aufmerksamkeit. Überfüllter Zug, ich bekam aber
doch einen Fensterplatz - im Speisewagen, trank eine Tasse Kaffee.
Heute war ich auf Norrlandsgatan. Sie haben nur bis 17h
offen. Willst Du ihnen nicht lieber einen Brief schreiben? Würde
ich viel origineller finden als wenn ich versuche telefonisch zu verhandeln.
Anschließend war ich auf Artillerigatan, um zu sehen wie Onkel
Konstantin u. Tante Anna Zenker wohnen. Na scheußlich. Der Dürerplatz
war direkt vornehm dagegen. Lustiger Anblick, das Namenschild im Hausflur
zwischen allen Sven- und Karlsons! Vorm Haus stand ein Auto A-7411.
Fast wie Eau de Cologne! dachte ich. Und was sah ich kaum 10 Minuten
später? A-4711!! Zum abergläubisch werden. Soll ich nicht
anfangen in der Lotterie zu spielen?
Ja, das sind meine großen Erlebnisse. Und Deine? Bei Dir passiert
natürlich wiedermal nichts. Aber das ist ja bekanntlich das Beste,
was einem passieren kann, oder?
Einen lieben kleinen Kuß von Deinem Schnupfengerd.
Augusti
1947
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Märta och Gunhild på Stallgärdet
på Salta.
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Brevkort från
Gerd till Märta den 10 augusti 1947
10.8.
Liebste!
Im Westen Nichts Neues. Der Hohe Herr ist viel auf Reisen scheint es.
Mein lieber Freund Dr. G. hält es für ganz sicher, daß
die Erweiterung bezw. Neuorganisierung bald bewilligt wird, aber über
den Zeitpunkt weiß er nichts bestimmtes. Jedenfalls werde ich
mit dem Direktor sprechen, sobald ich ihn erwische, um wenn möglich
eine feste Zusage zu bekommen. Für Munck habe ich mindestens noch
bis Ende Oktober zu tun.
Ich finde die Zeit vergeht so schnell, im Handumdrehen werde ich Dich
wieder bei nir haben! Ich komme zu garnichts, trotz aller meiner Zettelchen
lebe ich nur für Kompressorexperiment, Radreifenflicken, Kartoffelkochen
und Blumengießen. Nicht einmal an Erik habe ich geschrieben. Eben
habe ich eine Büchse Bohnen in Tomaten erstanden und meinen Käse.
Das wird prima schmecken Mensch. Nun habe ich die Ferienfilme entwickeln
lassen. Sie sind wirklich ein bißchen grau u. flau. Eben alles
ei mehr so ...
Sind meine Jungen lieb? Ist Erik mit in H.? Kuß mein Liebling!
Dein Gerd
Brevkort från
Gerd till Märta den 21 augusti 1947 från Stockholm
21. 8.
Mein Liebling!
Ich danke auf das Allerweichste für deinen lieben Brief. Du är
en snäll flicka, det är vad Du är det.
Eben war ich bei der herzigen Frau Westell. Sie lächelte hold,
wohl in Erinnerung an ihre Schokolade. Der Mietkontrakt ist noch
nicht fertig, wird es voraussichtlich nächste Woche. Ich bekomme
ihn dann zugeschickt.
Gestern war ich noch einmal in Drottningholm, diesmal mit Eva. Es war
wirklich hübsch. Nur ein bißchen fatal, daß ich zum
Vergnügen der Parkbesucher die Erlebnisse von Mormors Moster und
Mosters Mormor so ausführlich und laut zu hören bekam. Wir
waren beide höchst zufrieden mit unserem Ausflug. Ich bringe Eva
also am Sonnabend mit, sie ruft vorher wohl noch an.
Deine Obsttüte war natürlich eine Katastrophe, aber dank
meinen überaus geschickten Manipulationen war der Totalverlust
nicht größer als 1 Apfel und 3 Bohnen, die aus der Strassenbahn
fielen. Meinen Apparat soll ich mitbringen? Das habe ich doch schon
vorige Woche getan. Oder meinst Du vielleicht den Vergrößerungsapparat?
Den hast Du doch!
Nein, Schluß für heute, höchste Zeit.
Kuß!
Dein Gerd
Brev från
Lene till Gunhild den 23 augusti 1947
Borlänge, den 23/8 47
Kära Gunhild!
Våra hjärtligaste lyckönskningar till födelsedagen.
Synd, att Du inte kan fira den uppe hos oss, det var ju så roligt
i fjol! Men nu är det ju sista gången Du har Märta och
pojkarna hos Dig, så alla kan sjunga för Dig och då
får vi ju finna oss. Hoppas Ni är friska nu allihopa, så
det blir en trevlig födelsedag.
Jag måste ge en förklaring till vårt paket, eftersom
Märta nu sätter bo igen, tror Du kanske att sakerna äro
till henne, men det är verkligen meningen, att det skall vara till
Ditt hushåll; hur det än är så behöver man
väl förnya lite då och då, eller hur?
Vi ha nu liksom två hushåll och flänga ut och in.
Henning har skolbarnen och en av oss vuxna med in varje kväll och
så kommer dom ut allt efter skolan slutar med tåg eller
bil. Då är det verkligen härligt att ha Mutti här,
så kan dock alltid 2 vuxna vara i Hinsnoret över natten.
Annars är vi ju så rädda!
Tyvärr vågar vi inte bada längre i Runn, inte ens hos
oss, då det har varit flera barnförl.fall, som tros hänga
ihop med vattnet i Dalälven. I år är det ju värre
än någonsin!
Tack för att Ni ringde till min namnsdag, det var så tråkigt
att jag ej var hemma. Hade kafferep först dagen efter i härligaste
väder. Hur var det på silverbröllopet och i kväll
på Kurö?
Många hälsningar till Er alla. Hjärtligt tack för
Märtas brev också. När skall dom flytta till Gubbängen?
Henning var nyss hemma på kaffe och hälsar med mig.
Din Lene.
Brevkort från
Gerd till Märta den 27 augusti 1947 från Stockholm
27. 8.
Meine kleine gute liebe alte Märta!
Na was Ihr aber auch für Dummheiten macht. Kannst Du Dir vorstellen,
daß ich beim Manövrieren in d. Garage einen Buckel
ins Auto machen könnte? Absurde Idee! Muß ich am Samstag
zu Fuß hinaus pilgern? Dann würde ich mit dem 17.55-Bus fahren.
Schreibe mir bitte, was ich tun soll, damitich nicht 2 Stunden unnütz
herumsitze.
Vielen Dank für das Telefonbestellen - heute riefen sie an u.
fragten nach meinen sämtlichen Vornamen. Auf Cirkelvägenhaben
sie noch kein Kabel, deshalb würde es wahrscheinlich bis Oktober
dauern. Wand- od. Tischapp.? Wand bitte, sagte ich. Es ist wohl doch
am besten, das Telefon draußen zu haben: 1) nah von der Küche,
2) ungestörter, wenn Besuch da ist, 3) sieht im Wohnz. nicht besonders
hübsch aus. Reicht es mit 3 Gesprächen täglich? Aber
jewiß doch, sagte ich und dachte an unsre schweigsame Ehe.
Wenn Du alle neun Freundinnen auf einmal einladen willst, mußt
Du eben schon drei Tage vorher damit anfangen.
Der Mietkontrakt ist noch nicht da. - Heute hat mich unser Nachbar
und Hausfreund Lars mit Gaben überschüttet: Pflaumen aus seinem
Garten (den er zugunsten des Atlas-Reihenhauses aufgeben will!), dann
Pervitin-Tabletten, und zuguterletzt legte er noch die Titel mit mir
weg. "Ich bin zwar 3 Monate jünger" sagte er.
Ich hätte ihn für mindestens 42 gehalten. Um die hohe Ehre
zu unterstreichen, sagte er daß er durchaus nicht mit allen auf
du ist.
Mit Tant Jenny vertrage ich mich großartig. Wir sind uns darüber
einig, daß wir sehr gut allein auskommen. Sie atmet wohl auf,
die Ärmste. Also - behaltet Eva noch ein bißchen, wenn's
geht! War der Namenstag heute ein Erfolg? [Rolf-dagen.]
- Hast Du schon eine Diagnose von der Apotheke bekommen? Du wirst doch
nicht?! Heute Brief v. Hertha. Von Mutti habe ich noch nichts gehört,
sie lebte in Dr. tatsächlich in größerer Nähe!
Sehr lieb! Immer Dein Gerd.
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Birger
Lindberg, Bern Kiendl.
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September
1947
Brevkort från
Gerd till Märta den 10 september 1947
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10. 9. 47
Liebste!
Nun habe ich endlich den Kontrakt bekommen. Ich rief Frau Westell
an und fragte, wann die Wohnung fertig wird. Quarter Krumcirkeln
15. 9., Quarter Stångcirkeln 1. 10. Also! Schlüssel
kriegen wir draußen "förstås". Ich
war heute mittag in G. [Gubbängen]
(geschwänzt, keiner hat's gemerkt!), es war aber weit und
breit niemand Sachverständiger zu sehen. Die Wohnung ist
jetzt tatsächlich fertig. Kühlschrank eingebaut.
| Kleiderhaken i tamburen (unter dem El-zähler). |
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Großes Wandschränkchen mit prächtigem
Spiegel im Bad! Keine Gardinenstangen. Badfenster (Scheibe):
43 x 122 cm. Soweit ganz schön. |
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Nun aber etwas häßliches: die Kinderbetten sind in 3-4 Wochen
nicht lieferbar. Bis dahin müssen wir uns also mit Evas Matratzen
behelfen. Können zwei darauf schlafen, glaubst Du? Können
wir für kl. Erik das Kinderbett mitnehmen? Oder soll er in der
Besuchssitze schlafen?
Sensation: Heute kam ein Ingenieur aus dem Konstruktionsbüro mit
einem Brief von List in D.Land! Er will allerlei Angaben u. Zahlen für
sein neues Buch haben. Wie wird er staunen, wenn er alles nach Listschen
Methoden ausgerechnet u. zusammengestellt bekommt! Ob er wohl weiß,
daß ich bei A-D bin? Vielleicht durch Oschatz.
Macht's gut!
Zenker.
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Karin och Margareta af Sillén.
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Oktober
1947
Brev från
Marianne Schweitzer till Gunhild af Sillén den 1 oktober 1947
Dresden, den 1. 10. 1947
Meine liebe Gunhild!
Dein so liebes Gedenken zu meinem Geburtstag tat so gut. Habe recht
vielen Dank dafür. Es tut uns so gut, zu wissen, dass es in einer
freudigeren Welt Menschen gibt, die herzlich an uns denken und an unserem
Geschick liebevoll teilnehmen. Leider, ach leider kam Dein angekündigtes
Paket nicht an, das mit so viel Freude und Erwartung ersehnt wurde.
Ich habe nun auch nicht mehr allzuviel Hoffnung, und wir sind Beide
so traurig darüber. Helene schickte auch ein Geburtstagspaket,
das kam am 24. 9. schon an, Ende August abgesandt. So konnte ich den
Geburtstagskuchen backen; aber ich wäre vielleicht nicht so üppich
und spendabel gewesen und hätte 750 gr. Mehl verbacken, wenn ich
nicht geahnt hätte, dass Dein angekündigtes Mehl nicht ankommt.
— Aber, Alle waren so glücklich über
richtigen Kuchen mit weissem Mehl und Milch, dass ich nun nicht denken
darf: 'Hätte ich nur gespart!'. Ihr könnt und könnt under
Leben nicht nachfühlen. Selbst Nessi und alle Anderen drüben
können es nicht.
Augenblicklich geht es uns, seit Mitte September, Allen wieder gut.
Seit daher haben wir Kartoffeln. Am Sonntag kamen nun bei allen Geschäften
die Kartoffeln bis Ende November an (pro Tag pro Person 1
[Pfund]). Teilweise mussten sie nachts noch abgeholt werden.
Wir hatten Glück, mein Kaufmann bekam sie am Sonntag Nachmittag
und wir bekamen unsre ½ 8 Uhr abends, ohne sehr langes Anstehen.
— Nun geben wir uns ja Mühe, wirklich nur
1 am Tag pro Kopf zu
verbrauchen, aber das ist so schwer, abends will ja auch etwas auf dem
Tisch sein, und Brot ist knapp. — Na, immer wieder
will man von der täglichen Misere schweigen, aber sie rutscht doch
heraus, und ganz jammervoll ist einem zu Mute, wenn einem solch herrliches,
Tag und Nacht geträumtes Paket wieder entschwindet. Sicherlich
waren herrliche Dinge darin. Etwa gar Fettiges und Büchsenmilch
(d. h. Trockenmilch)? ach und all die Herrlichkeiten überhaupt.
Seit wir zuletzt Butter sahen ist es 14 Tage her.
Aber Schluss, lieber Erfreulicheres, und Gott sei Dank gibt es auch
davon zu berichten. Heute fing Otto als Dozent in unserer alten Lehranstalt,
der höheren Staatslehranstalt für Gartenbau, an. Man berief
ihn vor Kurzem, wenn er das politische Unbedenklichkeitszeugnis der
Blockparteien bekäme. Da Otto, wirklich ganz uneigennützig,
seit 1945 überall mit zugriff wo es aufzubauen galt, sei es praktisch
in Sonntagseinsätzen, oder planend als Architekt, wurde ihm das
auch gegeben. Es ist eine rechte Anerkennung und Ehrung, die ihm zuteil
geworden ist, und wir sind sehr froh und dankbar. Otto lehnte eine direkte
Anstellung ab und nahm nur einen Lehrauftrag an. So kann er Freischaffender
bleiben, Architekt, Maler, Gartengestalter. Er hat sich diese Stellung
ja wirklich mit Fleiss und Können selbst erobert. Nun hat er 3
Tage in Pillnitz zu tun, aber es ist ja ganz nah und gut zu erreichen.
An Euch dachten wir in den letzten Tagen viel. Märta und die Jungens
werden Euch nun verlassen haben, und Ihr werdet es erst recht einsam
haben. Aber für Dich Gunhild, ist etwas mehr Ruhe wohl ganz gut,
und für Märta und Gerd freue ich mich doch so, dass sie eine
eigene Heimat gefunden haben. Ist Gerd eigentlich mit seiner Stellung
zufrieden? Lässt sie sich ausbauen?
Für Dich hoffe ich, dass Du in Elfriede Müller eine tüchtige
Hilfe bekommst. Sie ist einmal im Seidelschen Betrieb in der Betriebsküche
leitend tätig gewesen und da recht tüchtig gewesen, und sie
ist ein lieber Mensch. Sie ist ja auf der Landfrauenschule ausgebildet
worden, war auf einen Lehrhof, und alle im Landhaushalt vorkommenden
Arbeiten sind ihr vertraut. Hoffentlich klappt es mit ihrem Kommen bald.
Die kleinere Schwester kann keine haushaltliche "Fachausbildung"
nachweisen, nur eine gärtnerische, also bleibt sie hier. Elfriede
schrieb an das schwedische Konsulat und schickte die Papiere ein, ich
bat sie, Dir die Abschrift ihres Schreibens zu schicken.
Nun leb wohl, liebe Gunhild, hab noch so vielen, vielen Dank für
Deinen Brief und das verlorene Paket. Wieviel Mühe und Wert ging
damit auch verloren, hab 1000 Dank. Dir und Elof von Otto und mir viele
herzliche Grüsse.
Deine dankbare Nanna.
Brevkort från
Märta till Gunhild den 29 oktober 1947
Kära Du!
Jag har ej fått klart för mig hur det blivit med Hultén
riktigt! Tack för brevet. Nu har det suttit en brevlåda här
på Gubbängstorg snart en mån. utan, att jag sett den.
- Vi ha fått 3,6 kilowatt! Alltså mindre än Ulla, fast
hon har ju lite större vån. Hoppas, det räcker fast
vi gå mot en mörk årstid. Trevligt hos Ulla B. i går.
Nu har jag nästa gång tid d. 4. Skicka recept på zebrakaka,
streuselk., gaffelk. etc.
Det kliar fortfarande hemskt. Var ska det sluta? Kicki har hört,
att soml. ej tål malbehandl. filtar. En av G:s ingeniörer
har beg. löneförh., har mindre än G. o. har fått
avslag. Då sa han genast upp o. ska sluta 1 jan. Då först
får vi tel., skrev dom igår.
Kuss Märta.
November
1947
Brev
från Märta till Gunhild den 24 november 1947
Gubbängen den 24 nov. 1947
Kära Ni!
Var var ni i går kväll? Ää var så dålig
och morb. sa, att vi skulle nog ringa efter dr. Ervæus, så
han skulle komma o. ta hål på trumhinnan i dag. Så
till råga på allt elände fick jag 38,8, så Gerd
for in till Skeppsbron o. ringde, kl. 19,15 o. kom fram omedelbart.
Men i morse var jag bättre o. är nu feberfri, fast jag är
så täppt o. är faktiskt lite öm i örat jag
med. Har sagt återbrud till tvätten.
Ääs öra gick det hål på av sig självt
i natt. Han hade strumpa om så snällt och varet rann ut klockan
1. I dag har jag ej tagit feber på honom. Han känns ej het,
men ligger så matt och sover mycket. Här bifogar jag hans
brev till Dig.
Sa just till Stefan, att det vore roligt att prata med hans lärarinna
o. få höra, hur det egentligen går för dig: Ja,
då skulle hon tala om för dej, att jag var bäst på
provräkningen, sa han.
Ulla Carlowitz, stackare, ligger i halsfluss ensam. - Ringde till Dr.
Nordenfors i går, att jag ej kunde komma i dag o. att jag kanske
kunde sluta nu. Nej, det var då rakt inte värt, sa han.
Må så gott
Märta
Ja, Rolf följer väl med pa. hem. Kommer inte Du med också?
Stackars Ulla-Märta Aulén. Hon var ju själv faderlös
med sina bägge systrar när hon gick i skolan.
Brev från
Marianne "Nanna" Schweitzer till Gerd den 30 november 1947
Ihr lieben fünf!
Wie stattlich klingt das, Ihr Fünf! Das wird einem erst klar,
wenn es mal dasteht! Wie gern würden wir Euch alle Fünf einmal
sehen, ganz besonders die Jungens, die wir ja kaum mehr kennen. Denn
sie sind ja nun längst nicht mehr die Kleinkinder, die Stefan und
Rolf waren als sie weg fuhren. Märta Du musst recht viel und genau
von den Kindern erzählen, man möchte doch sein Patenkind kennen.
Es will einem ganz sonderbar erscheinen, dass man sich mit der kleinen
Bande nicht mehr verständigen kann. Wann fangen sie in der Schule
an, deutsch zu lernen? Oder gibt es diese Sprache nun überhaupt
nicht mehr als Schulfach? Ihr werdet nun in einer schönen Adventszeit
leben, die Ihr nach all den schwierigen Zeiten sehr geniessen werdet,
denker ich.
Mutti schrieb so froh über Eure hübsche Wohnung. Das freut
uns so. Habt Ihr eigentlich einm Stück Gartenland dabei? Wo spielen
die Kinder, sind die Strassen recht verkehrsreich? Wann muss Gerd früh
weg, wann kommt er abends? So viel wollen wir von Eurem Leben wissen,
damit die Gedanken um Euch nicht so im luftleeren Raum kreisen. - Ob
Ihr Weinachten zu Haus bei Euch feiern werdet, oder fahrt Ihr nach Salta?
Unser Euch zugedachtes Weinachts-Angebinde bringen dann die Seidel-Kinder
oder Elfriede Müller mit. Da die Einreisegenehmigung nun da ist,
geht es mii der Ausreisegenehmigung hoffentlich schnell. Die Kinder
freuen sich so sehr, und ich freue mich für die Kinder die es so
nötig haben, besonders Barbara, die mit ihren 14 ½ Jahren
im Wachstum bei 12 Jahren stehen blieb. Sie haben in ihrem jungen Leben
doch arg viel Leid durchlebt; den Vater verloren, den Bruder verloren!
Gerade die Seidel-Familie hatte ein so besonders schönes glückliches
Familienleben. Auch all das Schwere was die Mutter durchkämpft
geht ja an den Kindern nicht spurlos vorrüber.
Uns Beiden geht's soweit gut, und wir müssen dankbar sein. Wir
haben viel Arbeit, manchmal bissel zu viel, aber das ist ja doch auch
schön. Viel Arbeit ist allerdings ideelle Aufbauarbeit, ohne klingenden
Lohn, aber man lernt daran immer neu. Pillnitz macht Otto Freude und
Kummer - je nach dem, aber er ist gern drüben. Ganz einfach ist's
mit den jungen Leuten, die nicht Fisch nicht Vogel sind, nicht.
Gerd, denkst Du jetzt auch so oft und gern an die glücklichen
Weinachten zu Haus in Dresden und dann auf der Albertsstrasse? Die grosse
Tanne, die langen Geschenktische? Und dann nach der Bescherungsassen
wir immer, jeder vertieft in seinen Kalender oder Buch, knappernd um
den Tisch. Vater war dann so behaglich. Und die Zeit, als Ihr Euch mit
Decken Euer Plätzchen unterm Tannenbaum machtet, wo Ihr lagt und
laset und schmaustet? Ach, schön war's. Und wenn Mutti spielte
und wir sangen? - Schafft Euern auch eine so schöne Kindheitserinnerung
im Geschwisterkreis. Gerade in der Weinachtszeit erlebe ich sie immer
wieder so dankbar.
Ein recht, recht schönes, gesegnetes Fest wünschen wir Euch,
und ein gutes Jahr 1948 mit Gesundheit, Vorwärtskommen und Mit-Einander-Glücklichsein.
Ob es schon ein Wiedersehen bringt? Ich glaube wohl, doch noch nicht.
In herzlicher Geschwisterliebe denken an Euch
Eure Nanna + Otto
Märta, Du schicktest Otto einmal im Feldpostpäckchen Weinachten
nach Norwegen einen Julreiter aus Stroh, der steht jetzt, wie alle letzten
Jahre unter unserm Adventskranz und führt unsre Gedanken so oft
zu Dir und den Kindern! - Da fällt mir noch ein: Sollen die Kinder
oder Elfriede Müller von Deiner Wäsche etwas mitbringen? Dann
schreibe es schnell und schicke irgend eine amtl. Beglaubigung für
den Zoll, falls das nötig ist.
Ach Gerd eine Bitte: könntest Du wohl ein paar Architekten-Stifte
(ganz spitze Zwecken) bekommen und uns schicken? Das geht vielleicht
im Doppelbrief. Ottos verschwinden ganz nach + nach und fehlen so sehr.
December
1947
Brev från
Marianne "Nanna" Schweitzer till Gunhild den 1 december 1947
Marianne Schweitzer
Dresden A-46
Kleinzschachwitzer Ufer 3. 1. 12. 47.
Meine liebe Gunhild!
Das alte Jahr soll nicht zu Ende gehen, ohne Dir noch einmal von ganzem
Herzen für all die Güte zu danken, mit der Du uns beschenktest.
So ganz wirst Du garnicht erfassen, was Deine - Eure - Pakete aus einer
anderen Welt und die Briefe aus dieser Welt für uns bedeuten. Und
ich wünsche Euch von ganzen Herzen, dass Ihr da oben weiter in
Eurer abgeschlossenen Ruhe leben dürft. Gott schütze uns alle
miteinander vor einem neuen Krieg. Das wäre wohl das Allerfurchtbarste,
was uns treffen könnte. Jetzt hoffen wir trotz allem so sehr, dass
in London die Vernunft sich durchsetzt und dass wir wieder ein einiges
Deutschland werden dürfen, ohne die trennenden Zonengrenzen und
ohne "eisernen und seidenen" Vorhang! Aber es sieht oft recht
besorgniserregend aus, die Westmächte scheinen garnicht mitmachen
zu wollen.
Aber das ist ja kein Weinachtsbrief, entschuldige. Uns ist das Herz
jetzt nur immer gar so schwer und bitter. und doch, Advent ist auch
bei uns eingezogen. Rein äusserlich schon im Zimmerschmuck - Adventskreuz,
Erzgebirgsengel, Stern - und auch innerlich geht doch ein stilles Licht
auf. S'ist ein eigener Zauber um die Weinachtszeit, der geht mit einem
durch's ganze Leben, wenn man eine so glückliche Kinderweinachtserinnerung
hat, wie wir Zenkerkinder sie haben. Unser guter lieber Vater, der ein
ganz selten grosser und gütiger Mann war, schenkte sie uns in vollem
Masse, und wie sang und klang es die Weinachtszeit hindurch mit Mutti
am Flügel allabendlich. Muttis Musik ist aus unsrer Kinderzeit
nicht wegzudenken.
Jetzt bekamen die Seidelkinder vom schwed. Konsulat die Einreisegenehmigung
zugeschickt. Du kannst Dir kaum ihre Freude vorstellen. Hoffentlich
geht es nun schnell mit der Ausreisegenehmigung, so dass sie wenigstens
bis Ende Februar fortkommen, bis dahin bestenfalls hat Friedel (Frau
Seidel) Kartoffeln, wie wir auch. Wir bekamen noch keine oder besser
gesagt erst 1/4 der Winterkartoffeln. Was wir
dann ab Februar essen werden, wissen die Götter. 2/3 in der russ.
Zone hat sie alle die, die sie durch ihre Betriebe versorgt bekamen.
Die Grossbetriebe holten die Kart. mit ihren Fahrzeugen heran. Hertha
und Hans und Sibylle haben sie zum Glück auch. Aber der liebe Gott
hat uns noch immer geholfen und so wird auch dann Rat werden. - Jedenfalls
wäre es sehr gut, wenn die Kinder dann heraus wären. Ich habe
die Beiden herzlich lieb. Barbara spielt schon recht nett Klavier und
beide singen recht gut. Sie haben in ihrem jungen Leben schon recht
viel schweres Leid durchlebt.
Otto hatte für Dich ein Weinachtsangebinde hergestellt, das wir
Dir dann mit den Kindern schicken werden. Hoffentlich wird es bald etwas
mit Elfriede Müller, damit Du eine gute Hilfe hast. Barbara fasst
auch gut zu, Armgart die ausserordentlich klug ist und sehr schnell
auffasst muss man bissel anstellen, sie ist ein kleines aber liebes
Faultier. Leider stottert sie manchmal bissel, es ist aber nur durch
die Unterernährung und es ist auch nicht immer. Ich denke Du wirst
aber grosse Freude an Beiden haben.
Nun wünschen wir Euch von Herzen ein schönes, gesegnetes
Weinachtsfest und auch schon ein gutes, gesundes, friedliches Jahr 1948.
Euere dankbaren Nanna + Otto.
Brev från
Sibylle Tietze till Märta den 3 december 1947
3. XII. 47.
Meine liebe Märta,
Hab' schönen Dank für die Karte mit der Nachricht, daß
das Schälchen gut angekommen ist. Heute sende ich Dir nun als Weihnachtsgruß
das zweite, -leider ist es auch das letzte; ich besaß nur 2. Hoffentlich
macht es Dir ein klein wenig Freude. Ich denke jatzt in der Adventszeit
so oft an Dich. Wie schön feiert Ihr Weinachten! Und wenn ich an
meine eignen Adventsabende mit Lichtern, Engelsingen und Tannengrün
denke - ein verlorenes Paradies! Ich hoffe zum Fest wieder nach Görlitz
fahren zu können, am 20. schließen wir die Schale. Und wenn's
auch kein Weihnachten mehr für mich gibt, -so bin ich in den Feiertagen
doch daheim, und die liebe meiner Schwester umgibt mich. - Jetzt war
sie 14 Tage bei mir in Dresden. Im düsteren November ist die große
Einsamkeit zu schwer zu tragen. Ich bin dankbar, daß sie bei mir
war. Sie laßt Dich recht von Herzen grüßen u. Dir nochmals
viele Male für den Labetrank danken. - Doch nun genug von meinem
Eulendasein!
Du feierst das Fest zum 1. Mal mit all Deinen Lieben in der eignen
Wohnung? Oder seid Ihr in Salta? Was die Jungen für Augen machen
werden! Ich sehe es ja an meinen Kleinen in der Schule; die Weinachtsseligkeit
lebt selbst in unsern Kindern in dieser Notzeit unausrottbar. Überall
hängen die Adventskalender. Auch im Schulzimmer ist einer, u. täglich
wird ein Türchen aufgemacht. Und wie hübsch sind die Wohnküchen
geschmückt! Ich gebe doch wieder Gruppenunterricht in warmen Räumen,
die mir die Eltern zur Verfügung stellen. 10 verschiedene Wohnungen,
- alle blitzsauber, alle im Adventsschmuck, - und doch Not u. Elend
ringsum!
Wie hat sich Stefan in der neuen Schule eingelebt? Ich würde ihm
so gern mal ein deutsches Märchenbuch senden, aber erstens gibt's
keine; nur so armselig broschierte, dünne Heftchen, und zweitens
weiß ich nicht, ob Drucksachen mit Bildern über die Grenzen
gehen. Ich werde mich aber mal erkundigen. Schade, daß unsere
schönen Bücher alle verbrannt sind. Sie hätten noch viel
Freude anderen Menschen machen können.
Mein Haus ist nun fast ganz verschwunden; die ganze Ecke ist frei.
Ich war neulich in der Herz-Jesu-Kirche in einer Schubertmesse und ging
dann zu meiner Wohnung. "Und ihre Stätte kennet sie nicht
mehr!" Die Herz-Jesu-Kirche steht jetzt dem katholischen u.
dem evangelischen Gottesdienst abwechselnd zu Verfügung, weil doch
die Erlöserkirche völlig zerbombt ist. Das Wetterhähnchen
vom Kirchturm grüßt unverändert herab, das sah ich stets
von meinem Balkon aus. Das Einzige, was blieb! Ein "Anblick",
nichts Materielles. Aber je älter man wird, desto mehr weitet sich
ja das innere Panorama, und das äußere verliert an Wichtigkeit;
jedenfalls in meiner Lage. Also paßt der "Anblick" des
Konstante recht gut zum Gesamtbild.
Spricht Stefan noch deutsch? Wie hat sich Gert eingelebt? - Von Mutter
habe ich noch nichts gehört. Ihre Großmuttertätigkeit
wird sie ganz in Anspruch nehmen.
Und nun leb wohl. Verlebe das schönste Fest recht im Herzen froh.
Grüße alle Deine Lieben!
Ich bin von Herzen
Deine
Sibylle
Brevkort från
Märta och Elisabeth Zenker till Gunhild af Sillén den 7
december 1947
Gubb. den 7. 12. 47. [Poststämplat i Borlänge
den 8:e.]
Kära Du! Tack för det fina paketet. Vi har lagt det i kylskåpet
o. satt på, så äter vi det i morgon i stället,
vi hade redan sönd.middan i ordning. Skriv o. berätta om festen
o. toaletterna och Eriks brev. Har han ännu ej fått Stefans
brev m. nya adr? Vi hade inga blommor med t. Ernst. Ska vi skicka upp
några o. tacka för sist el. räcker det med ett kort?
Svara på det! Och Mutti, som just nu återvänder vill
veta, var Du har köpt det gråa mjuka garnet åt Stefan.
Jag är dålig efter sista sprutan i dag. Torsd. tvätt.
Då kommer Eva. Tack för kortet i dag o. Rolfs hälsning.
[Elisabeths handstil:] Förlåt
att jag glömde kortet vid Stockh. Centralen. 10 [el.
7 el. 70] dagar har jag varit i Enskede, mycket trevliga
o. glada dagar. Märta mår mycket bättre med pannan,
bara sprutan tycker hon inte om första dagen. Men så hjälpte
de i alla fall. Många hälsningar fr. Elisabeth.
Brev från
Nanna till Gerd och Märta den 28 december 1947
Liebe Geschwister!
Das war eine recht grosse Freude als gerade am 24. 12. mittags Euer
- das heisst Gerd's lieber langen Brief kam. Er wurde aber erst auf
den Weinachtstisch gelegt und erst abends nach dem Bescheren gelesen.
Da drehte ich ihn erst um und um und suchte Märtas Handschrift
- ich Unersättliche. Und als wir dann den Schluss lasen und Gerd's
Sorge um Märtas plötzliche Erkrankung lasen, waren wir recht
erschrocken. An und für sich - geliebtes Bruderherz - war ich sehr
froh einmal von Dir wieder einmal einen Brief zu haben; denn es gibt
ganz wenig Leute die solch nette Briefe schreiben können.
Aber nun seid so gut und schreibt sehr bald wie es Märta geht.
Wir sorgen uns mit um sie. Ich möchte Euch ja dringend raten, den
Blinddarm heraus nehmen zu lassen wenn es sich wieder beruhigt hat.
Denn so ist's immer eine Angstpartie, Reizungen wiederholen sich immerzu
den ungünstigsten Gelegenheiten, und Märta schwebt doch immer
in einer Gefahr. Ich habe mich ja jahrelang, Otto monatelang mit solch
ungemütlichen Blinddarm herumgeschleppt. Beide wurden wir erst
nach der Operation richtig gesund, alle möglichen Beschwerden verschwanden
mit. Bei Otto war's in allerletzter Minute, da hatte sich der Blinddarm
ganz plötzlich dann recht hässlich benommen. In nicht gereizten
Zeiten ist die Operation ja nicht schwer, ich habe genau nach 3 Wochen
nach der Operation schon wieder geschwommen. Ich hatte so einen fabelhaften
holländischen Professor, det behauptete, dass man schon 1 Tag nach
seiner Operation so ziemlich alle Lagen wieder einnehmen dürfe,
selbst auf dem Bauch, wenn man es könne, seine Naht jedenfalls
sei zu. Wir bekamen auch schon am 1. Tag zu essen. Also wenn das nicht
alles Mut macht.-
- Nun aber sollt Ihr noch von unserm jüngsten Ergehen hören.
Wir haben's Weinachten gut gehabt. Zum Glück kam damals zu meinem
Geburtstag Gunhilds Paket zu spät, so konnte ich das Mehl, das
sonst draufgegangen wäre, sparen, ebenso Zucker, von Helene Margarine.
- So gab's sogar Stollen. Wir bekamen am 20. 12. noch eine Sondernzuteilung
von 1 Pf. Mehl richtiges, weisses und ! Pf. Zucker, das gibt nun Ottos
Geburtstagskuchen - mit Mohn. - Dann hatten wir ein recht ordentliches
Kaninchen, so dass ich für die ganze Fleischzuteilung Wurst nehmen
konnte, die mir kalte Abendbrote ermöglichte. Nun sind mit heute
die Schätze zu Ende gegangen - leider. Die rührend gute Gunhild
schickte 8 Pf. Kartoffeln, die leistete ich uns abends als Salat usw,
- leichtsinnig aber schön.
Wir waren zu Christvesper in der Versöhnungskirche wie vor - ach
ja so viel Jahren. Im Geiste sah ich Vater am Altar stehen. - Die Kirche
war brechend voll, und die Christvesper war schön. - Heimgekommen
zündeten wir unsere Kerzenstümpfchen auf dem sehr schönen
Baum an, den ein Bekannter uns verschafft hatte. Es war sehr schwer
einen zu erwischen. - Und sogar Geschenke gab's wieder. Ich hatte für
Otto einen russ. Kolchosroman gefunden, einen Kalender: Landschaftsaquarelle
und am 23. fand ich eine van Gogh-Mappe. War ich selig! Otto liebt v.
Gogh so. - Otto hatte einen Ganghofer-Roman (Berchtesg. Gegend), Holzuntersetzer,
eine Nadel für mich. - So ging's uns also recht gut.
Hertha war am 23. hier, dann seitdem nicht, obgleich sie eigentlich
kommen wollte, sicher war sie dienstlich verhindert. - Am 2. Feiertag
waren wir bei Wellers, wo's hübsch war, wie immer; auch Tante Rüger
war wieder viel frischer.
Politisch sind wir enttäuscht und deprimiert nach dem Londoner
Fiasco. Wie ersehnten wir die Einheit - und jetzt Bi- bezw. Trizonesien!
Ja - "denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen
Schlaf gebracht!" - Was soll nun werden?
So, nun aber Schluss, das Abendbrot ist fällig und mit ihm das
Ende der feiertäglichen Genüsse. Also bitte, schreibt bald
über Märtas Befinden, ja?
Viel 1000 Grüsse
Eure Nanna + Otto.
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Ansvarig
utgivare: Stefan Zenker, www.zenker.se
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| Till
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| Senast
ändrat eller kontrollerat den 27 september 2011. |
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